Aus­ga­be der Aus­wärts­dau­er­kar­te erst im Bus

Mit einer Aus­wärts­dau­er­kar­te hat der Kar­ten­be­sit­zer einen Anspruch auf den Erhalt einer Kar­te zu jedem Spiel des Fuß­ball­ver­eins. Ist die Mög­lich­keit von Auf­la­gen aus Sicher­heits­grün­den bei der Kar­ten­aus­ga­be ver­trag­lich nicht vor­ge­se­hen, liegt in der Kop­pe­lung von Kar­ten­aus­ga­be und der Ver­pflich­tung, einen Fan­bus zur Anrei­se zu benut­zen, eine Ver­trags­wid­rig­keit.

Aus­ga­be der Aus­wärts­dau­er­kar­te erst im Bus

So hat das Amts­ge­richt Han­no­ver in den hier vor­lie­gen­den zwei Fäl­len (84 wei­te­re Ver­fah­ren sind noch anhän­gig) ent­schie­den und Han­no­ver 96 die Kos­ten des Ver­fah­rens auf­er­legt. Zum Aus­wärts­spiel in Braun­schweig soll­ten den sog. „Aus­wärts­dau­er­kar­ten­be­sit­zern“ Kar­ten zum Spiel erst im Fan­bus aus­ge­ge­ben wer­den, um eine eigen­stän­di­ge Anrei­se aus Sicher­heits­grün­den zu unter­bin­den. Am Tag vor dem Spiel wur­den beim Amts­ge­richt Han­no­ver 86 Anträ­ge auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung gestellt, mit dem Ziel, die Kar­ten, ohne Ver­pflich­tung den Bus zu nut­zen, zu erhal­ten. Eine Ent­schei­dung in der Sache war vor dem Spiel nicht mehr mög­lich, da die Bereit­schafts­rich­te­rin durch einen Befan­gen­heits­an­trag von Han­no­ver 96 abge­lehnt wor­den war. Es war jetzt nur noch über die Kos­ten des Ver­fah­rens zu ent­schei­den.

Die­ses Ver­fah­ren betraf nur die Grup­pe der „Aus­wärts­dau­er­kar­ten­be­sit­zer“, nicht die aller ande­ren, die das Spiel in Braun­schweig sehen woll­ten. Die Ver­trags­ge­stal­tung der Aus­wärts­dau­er­kar­te beinhal­te­te einen Anspruch der Kar­ten­be­sit­zer, eine Kar­te zu jedem Spiel zu erhal­ten. Die Mög­lich­keit von Auf­la­gen aus Sicher­heits­grün­den bei der Kar­ten­aus­ga­be war ver­trag­lich nicht vor­ge­se­hen. Das Amts­ge­richt Han­no­ver hat­te bereits in 10 Fäl­len zuvor ent­schie­den, dass eine nach­träg­li­che ein­sei­ti­ge Ergän­zung des geschlos­se­nen Ver­tra­ges recht­lich nicht zuläs­sig war.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Amts­ge­richt Han­no­ver aus­ge­führt, „wenn sich bestimm­te Fans im Sta­di­on oder davor nicht im Griff haben und ran­da­lie­ren, mögen ent­spre­chen­de öffent­lich-recht­li­che Maß­nah­men der zustän­di­gen Behör­den oder des jewei­li­gen Haus­rechts­in­ha­bers getrof­fen wer­den“. Ein Grund für eine ver­trags­wid­ri­ge ‑weil vor­her nicht ver­ein­bar­te- Kop­pe­lung von Kar­ten­aus­ga­be und der Ver­pflich­tung ist dies nicht. Es war daher davon aus­zu­ge­hen, dass die Ver­fü­gungs­klä­ger gewon­nen hät­ten.

Das Amts­ge­richt hat den Streit­wert auf 50,00 Euro fest­ge­setzt, die Gerichts­kos­ten betra­gen hier­für 105,00 Euro.

Amts­ge­richt Han­no­ver, Beschlüs­se vom 6. Juni 2014 – 409 C 3683 und 2686/​14