Aus­kunfts­an­spruch zum Zweck der Scha­dens­schät­zung

Eine Aus­kunft kann nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs auch den nega­ti­ven Inhalt haben, dass dem Schuld­ner die Aus­kunfts­tat­sa­chen nicht bekannt sind 1.

Aus­kunfts­an­spruch zum Zweck der Scha­dens­schät­zung

In die­ser Wei­se ist der vor­lie­gen­de Streit­fall gela­gert. Die Beklag­te hat nun­mehr kon­kret dar­ge­legt, sie habe in dem betref­fen­den Zeit­raum über kein EDV­Sys­tem ver­fügt, in dem Daten zu Aus­schrei­bungs­vor­gän­gen hin­ter­legt sei­en. Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen aus dama­li­ger Zeit sei­en, wie die Beklag­te im Ein­zel­nen vor­ge­tra­gen hat, nicht mehr vor­han­den.

Erfül­lung im Sin­ne von § 362 BGB tritt zwar nicht ein, wenn die Erklä­rung nicht ernst gemeint, unvoll­stän­dig oder von vorn­her­ein unglaub­haft ist 2. Dies beur­teilt sich nicht nach der Ein­schät­zung durch den Aus­kunfts­be­rech­tig­ten, son­dern nach objek­ti­ven Umstän­den unter Berück­sich­ti­gung der Lebens­er­fah­rung. Ein blo­ßer Ver­dacht, der Aus­kunfts­pflich­ti­ge unter­drü­cke bewusst oder unbe­wusst sein Erin­ne­rungs­ver­mö­gen, oder die Behaup­tung, die Aus­kunft sei falsch, rei­chen aller­dings nicht aus, um eine Erklä­rung von vorn­her­ein als unglaub­haft anzu­se­hen 3.

Im vor­lie­gen­den Fall bedeu­te­te das für den Bun­des­ge­richs­hof: Die Klä­ge­rin hat nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts nicht dar­ge­tan, dass die Erklä­rung der Beklag­ten nicht ernst gemeint, unvoll­stän­dig oder von vorn­her­ein unglaub­haft ist. Daher war das Beru­fungs­ge­richt nicht gehal­ten, die von der Beklag­ten ange­bo­te­nen Zeu­gen zu ver­neh­men. Die Fra­ge einer etwai­gen Beweis­ver­ei­te­lung durch die Beklag­te erlangt, wie das Beru­fungs­ge­richt zu Recht ange­nom­men hat, erst im Betrags­ver­fah­ren Bedeu­tung.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. Juli 2013 – VII ZR 177/​12

  1. BGH, Urtei­le vom 24.03.1994 – I ZR 42/​93, BGHZ 125, 322, 326 – Car­tier­Arm­reif; vom 17.05.2001 – I ZR 291/​98, BGHZ 148, 26, 36 – Ent­fer­nung der Her­stel­lungs­num­mer II; vom 23.01.2003 – I ZR 18/​01, GRUR 2003, 433 unter II.1. – Car­tier-Ring; vom 23.02.2006 – I ZR 27/​03, BGHZ 166, 233, 248 – Par­füm­test­käu­fe[]
  2. BGH, Urtei­le vom 24.03.1994 – I ZR 42/​93, BGHZ 125, 322, 326 – Car­tier­Arm­reif; vom 17.05.2001 – I ZR 291/​98, BGHZ 148, 26, 36 – Ent­fer­nung der Her­stel­lungs­num­mer II; vgl. BVerfG, NJOZ 2011, 1423, 1424[]
  3. BGH, Urteil vom 24.03.1994 – I ZR 42/​93, BGHZ 125, 322, 326 – Car­tier-Arm­reif[]