Aus­kunfts­an­sprü­che des stö­ren­den Mie­ters

Wird ein Mie­ter von Nach­barn und Mit­mie­tern gegen­über der Ver­mie­te­rin beschul­digt, den Haus­frie­den zu stö­ren, hat er kei­nen Anspruch gegen­über der Ver­mie­te­rin zu erfah­ren, wer wel­che Anschul­di­gun­gen erhebt.

Aus­kunfts­an­sprü­che des stö­ren­den Mie­ters

In einem beim Amts­ge­richt Mün­chen rechts­hän­gi­gen Fall ist der Klä­ger seit Ende 1998 Mie­ter einer Woh­nung in der Sta­del­hei­mer Stra­ße in Mün­chen. Am 30.01.14 teil­te ihm sei­ne Ver­mie­te­rin schrift­lich mit, dass sie wie­der­holt von ande­ren Mie­tern dar­auf auf­merk­sam gemacht wor­den sei, dass er den Haus­frie­den stö­re durch sein aggres­si­ves und bedroh­li­ches Auf­tre­ten, durch Belei­di­gun­gen, fal­sche Anschul­di­gun­gen und Gewalt­an­dro­hun­gen. Die Ver­mie­te­rin for­der­te ihn auf, Beläs­ti­gun­gen der Mit­mie­ter und Nach­barn zu unter­las­sen. Sie droh­te eine Abmah­nung an und bei wei­te­ren Ver­stö­ßen die frist­lo­se Kün­di­gung.

Der Mie­ter ver­langt nun von sei­ner Ver­mie­te­rin Aus­kunft dar­über, mit wel­chem Inhalt wann genau und von wel­chen ande­ren Mie­tern die Anschul­di­gun­gen aus­ge­spro­chen wur­den. Er behaup­tet, sei­ne Ver­mie­te­rin hät­te eine ver­trag­li­che Neben­pflicht, Aus­kunft zu ertei­len, da die Vor­wür­fe für ihn zu erheb­li­chen Nach­tei­len in der Zukunft füh­ren könn­ten. Die Ver­mie­te­rin ver­wei­ger­te die Aus­kunft. Die Ver­mie­te­rin ist der Mei­nung, dass der Mie­ter ihr gegen­über kei­nen Aus­kunfts­an­spruch habe. Die betrof­fe­nen Mie­ter und Nach­barn hät­ten außer­dem die Ver­mie­te­rin aus­drück­lich dar­um gebe­ten, die Anschul­di­gun­gen ver­trau­lich zu behan­deln, da sie Angst vor dem Mie­ter haben.

Der Mie­ter erhob des­halb Kla­ge vor dem Amts­ge­richt Mün­chen gegen sei­ne Ver­mie­te­rin, schei­ter­te jedoch auch dort – das Amts­ge­richt gab der Ver­mie­te­rin Recht und wies die Kla­ge ab:

Es bestehe kein Aus­kunfts­an­spruch auf­grund des Miet­ver­hält­nis­ses. Der Ver­mie­te­rin sei es nicht zumut­bar, die Namen der­je­ni­gen Mie­ter, die sich über das Ver­hal­ten des Klä­gers beschwer­ten, zu offen­ba­ren und ins­be­son­de­re auch, wer wann wel­che Anschul­di­gun­gen vor­ge­bracht hat. Zu berück­sich­ti­gen sei dabei, dass die Ver­mie­te­rin gegen­über ihren Mie­tern eine Für­sor­ge­pflicht habe und die Gefahr bestün­de, dass bei Ertei­lung der Aus­kunft sich die Stö­rung des Haus­frie­dens ver­schär­fe. Das Amts­ge­richt stellt fest, dass es dem Klä­ger zuzu­mu­ten sei abzu­war­ten, ob die Ver­mie­te­rin die Beschwer­den tat­säch­lich zum Anlass für eine spä­te­re Kün­di­gung nimmt. Soll­te es zu einer Kün­di­gung und einem anschlie­ßen­den Räu­mungs­pro­zess kom­men, müss­ten erst dann die behaup­te­ten Anschul­di­gun­gen kon­kret von der Ver­mie­te­rin bewie­sen wer­den. Im Rah­men der Abwä­gung der gegen­sei­ti­gen Inter­es­sen, sei der Aus­kunfts­an­spruch der­zeit zu ver­nei­nen.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 8. August 14 – 463 C 10947/​14