Aus­kunfts­kla­ge ohne unbe­zif­fer­ten Leis­tungs­an­trag – und die Streit­wert­be­mes­sung

Die Vor­schrift des § 44 GKG betrifft ledig­lich das Zusam­men­tref­fen von Leis­tungs- und Vor­be­rei­tungs­an­sprü­chen, wenn die­se im Rah­men einer Stu­fen­kla­ge (§ 254 BGB) gel­tend gemacht wer­den.

Aus­kunfts­kla­ge ohne unbe­zif­fer­ten Leis­tungs­an­trag – und die Streit­wert­be­mes­sung

Letz­te­res ist indes dann nicht gege­ben, wenn die Klä­ge­rin neben den Vor­be­rei­tungs­an­sprü­chen (Aus­kunft und eides­statt­li­che Ver­si­che­rung) teil­wei­se bezif­fer­te Leis­tungs­an­sprü­che und im Übri­gen einen Anspruch auf Scha­dens­er­satz­fest­stel­lung gel­tend gemacht, nicht aber eine ech­te Stu­fen­kla­ge nach § 254 ZPO erho­ben hat, die es erfor­dert, dass der Leis­tungs­an­trag der letz­ten Stu­fe sogleich ein­ge­klagt wird, die Bezif­fe­rung aber vor­be­hal­ten bleibt.

Der Umstand, dass die gel­tend gemach­ten Aus­kunfts­an­sprü­che und sol­che auf Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung ihrer­seits im Stu­fen­ver­hält­nis gel­tend gemacht wor­den sind (hier: ursprüng­li­cher Klag­an­trag zu 2.: "erfor­der­li­chen­falls in der zwei­ten Stu­fe"), führt nicht zur Anwen­dung des § 44 GKG, denn der Aus­kunfts­an­spruch ist eben­so wenig wie der Anspruch auf Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung im Ver­hält­nis bei­der Ansprü­che zuein­an­der Haupt­an­spruch i.S. des § 44 GKG ("… Her­aus­ga­be des­je­ni­gen, was der Beklag­te aus dem zugrun­de­lie­gen­den Rechts­ver­hält­nis schul­det, …").

Viel­mehr ist § 39 GKG anwend­bar (Wert­ad­di­ti­on) 1.

Der Wert des Anspru­ches auf Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung bemisst sich gemäß § 48 GKG i.V. mit § 3 ZPO nach dem Inter­es­se des Klä­gers an einer zutref­fen­den Aus­kunft.

Zwar kann im Ein­zel­fall der Wert des Anspruchs auf Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung dem Wert der vor­aus­ge­gan­ge­nen Aus­kunft ent­spre­chen 2.

Häu­fig geht es dem Klä­ger indes vor­ran­gig noch um die Dif­fe­renz zwi­schen den von dem Beklag­ten mit der erteil­ten Aus­kunft bereits ein­ge­räum­ten Umstän­den, die als sol­che kei­ner beson­de­ren Bestä­ti­gung mehr bedür­fen. Das recht­fer­tigt es, die Ansprü­che auf Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung nur mit einem Bruch­teil des Wer­tes des ursprüng­li­chen Aus­kunfts­ver­lan­gens, näm­lich mit 50% davon, in Ansatz zu brin­gen.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 14. Sep­tem­ber 2016 – 3 W 73/​16

  1. Schles­wig-Hol­stei­ni­sches OLG, NJW-RR 2012, 1020 Rn. 3; sie­he auch: Schneider/​Volpert/​Fölsch, Gesam­tes Kos­ten­recht, 1. Aufl.2014, § 44 Rn. 2[]
  2. vgl. BGH, MDR 2013, 50; Zöl­ler-Her­get, ZPO, 31. Aufl., Rn. 16 zu § 3 ZPO – "Eides­statt­li­che Ver­si­che­rung"[]