Aus­le­gung von Wil­lens­er­klä­run­gen – und der Emp­fän­ger­ho­ri­zont

(Aty­pi­sche) Wil­lens­er­klä­run­gen sind nach §§ 133, 157 BGB so aus­zu­le­gen, wie die Par­tei­en sie nach Treu und Glau­ben unter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te ver­ste­hen müs­sen. Dabei ist vom Wort­laut aus­zu­ge­hen.

Aus­le­gung von Wil­lens­er­klä­run­gen – und der Emp­fän­ger­ho­ri­zont

Zur Ermitt­lung des wirk­li­chen Wil­lens der Par­tei­en sind jedoch auch die außer­halb der Ver­ein­ba­rung lie­gen­den Umstän­de ein­zu­be­zie­hen, soweit sie einen Schluss auf den Sinn­ge­halt der Erklä­rung zulas­sen. Vor allem sind die bestehen­de Inter­es­sen­la­ge und der mit dem Rechts­ge­schäft ver­folg­te Zweck zu berück­sich­ti­gen.

Die Aus­le­gung indi­vi­du­el­ler Wil­lens­er­klä­run­gen kann das Revi­si­ons­ge­richt nur dar­auf­hin über­prü­fen, ob das Beru­fungs­ge­richt Aus­le­gungs­re­geln ver­letzt, gegen Denk- und Erfah­rungs­sät­ze ver­sto­ßen oder wesent­li­che Tat­sa­chen unbe­rück­sich­tigt gelas­sen hat [1].

Dem­ge­gen­über sind All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen nach ihrem objek­ti­ven Inhalt und typi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von ver­stän­di­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern unter Abwä­gung der Inter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den. Dabei sind nicht die Ver­ständ­nis­mög­lich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zugrun­de zu legen.

Die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen obliegt dem Revi­si­ons­ge­richt [2]. Dies gilt auch für sog. Ein­mal­be­din­gun­gen nach § 310 Abs. 3 Nr. 2 BGB [3].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 19. Novem­ber 2019 – 3 AZR 332/​18

  1. BAG 04.08.2015 – 3 AZR 137/​13 – Rn. 30 mwN, BAGE 152, 164[]
  2. statt vie­ler BAG 10.12.2013 – 3 AZR 715/​11 – Rn. 17[]
  3. vgl. BAG 18.10.2018 – 6 AZR 246/​17 – Rn. 12[]