Bade­un­fall – und der Haf­tungs­aus­schluss für ein­fa­che Fahr­läs­sig­keit

Sofern ein Bade­un­fall in einem von einer Gemein­de betrie­be­nen Bade­see auf einem ein­fach fahr­läs­si­ges Ver­schul­den der Schwimm­meis­ter beruht, kann sich die Gemein­de nicht mit Erfolg auf die in der Bade- und Benut­zungs­ord­nung ent­hal­te­ne Beschrän­kung der Haf­tung auf Vor­satz und gro­be Fahr­läs­sig­keit beru­fen.

Bade­un­fall – und der Haf­tungs­aus­schluss für ein­fa­che Fahr­läs­sig­keit

Es bedarf an die­ser Stel­le kei­ner Ent­schei­dung, ob sich die Haf­tung der Gemein­de nach den Amts­haf­tungs­grund­sät­zen (§ 839 Abs. 1 BGB i.V.m. Art 34 Satz 1 GG) rich­tet, was das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz annimmt [1], oder unge­ach­tet der öffent­lich­recht­li­chen Aus­ge­stal­tung des Benut­zungs­ver­hält­nis­ses von einer pri­vat­recht­li­chen Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht aus­zu­ge­hen ist, deren Ver­let­zung dem all­ge­mei­nen Delikts­recht (§§ 823, 831 BGB) unter­fällt [2] In bei­den Fäl­len ist der Haf­tungs­aus­schluss unwirk­sam.

Für eine etwai­ge Haf­tung nach den Grund­sät­zen des Amts­haf­tungs­rechts gilt dies bereits des­halb, weil nach stän­di­ger Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung Sat­zun­gen, wie sie die Bade- und Benut­zungs­ord­nung dar­stellt, nicht geeig­net sind, die gemäß Art. 34 Satz 1 GG grund­sätz­lich den Staat oder eine ent­spre­chen­de Kör­per­schaft tref­fen­de Haf­tung ein­zu­schrän­ken. Ein Aus­schluss oder eine Beschrän­kung der Amts­haf­tung bedür­fen viel­mehr einer beson­de­ren gesetz­li­chen Grund­la­ge [3], die hier nicht ersicht­lich ist.

Auch eine etwai­ge Haf­tung nach §§ 823, 831 BGB konn­te durch die Bade- und Benut­zungs­ord­nung nicht beschränkt wer­den. Dies gilt bereits des­halb, weil die dar­in ent­hal­te­nen Rege­lun­gen aus­schließ­lich das zwi­schen der Gemein­de und den Bade­gäs­ten zustan­de kom­men­de öffent­lich­recht­li­che Benut­zungs­ver­hält­nis gestal­ten. Rechts­fol­gen für eine all­ge­mei­ne delik­ti­sche Haf­tung, wel­che an die pri­vat­recht­li­che Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht anknüpft, kön­nen sich hier­aus nicht erge­ben. Soll­te der Haf­tungs­aus­schluss in der Bade- und Benut­zungs­ord­nung indes­sen in Rich­tung auf die pri­vat­recht­li­che Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht (auch) als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung aus­zu­le­gen sein, schei­tert sei­ne Wirk­sam­keit für die vor­lie­gen­de Fall­ge­stal­tung jeden­falls dar­an, dass eine Kar­di­nal­pflicht zum Schutz von Leben und Gesund­heit in Rede steht (vgl. § 307 Abs. 2 Nr. 2, § 309 Nr. 7 Buchst. a BGB; sie­he auch OLG Hamm VersR 1996, 717, 729; BGH, Urteil vom 23.02.1984 – VII ZR 274/​82, NJW 1985, 3016, 3018; Münch­Komm-BGB/­Wurm­nest, 7. Aufl., § 307 Rn. 74 mwN).

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Novem­ber 2017 – III ZR 60/​16

  1. OLG Koblenz, Urteil vom 07.01.2016 – 1 U 862/​14[]
  2. sie­he in Bezug auf kom­mu­nal betrie­be­ne Schwimm­bä­der mit öffent­lich­recht­li­chem Benut­zungs­ver­hält­nis OLG Mün­chen, VersR 1972, 472, 473 und OLG Saar­brü­cken aaO S. 60; wohl auch OLG Düs­sel­dorf NVwZ-RR 1995, 65[]
  3. BGH, Urtei­le vom 17.05.1973 – III ZR 68/​71, BGHZ 61, 7, 14 f; und vom 07.07.1983 – III ZR 119/​82, NJW 1984, 615, 617, inso­weit nicht abge­druckt in BGHZ 88, 85; Ossenbühl/​Cornils aaO S. 97; BeckOGK/​Dörr, BGB, § 839 Rn. 711 f [Stand: 1.07.2017], jew. mwN[]