Bag­ger­fah­ren will gelernt sein

Wer mit schwe­rem Leih­ge­rät sel­ber bag­gern will, soll­te schon zum Eigen­schutz eine vom Ver­leih­un­ter­neh­men ange­bo­te­ne aus­führ­li­che Ein­wei­sung in den Bag­ger nicht ableh­nen und sich die Maschi­ne auch von den Pro­fis anlie­fern las­sen. Andern­falls hat er im Fall des Unfalls schlech­te Kar­ten, den Ver­lei­her wegen Ver­let­zung von Schutz­pflich­ten haft­bar zu machen.

Bag­ger­fah­ren will gelernt sein

Das zeigt ein Urteil des Land­ge­richts Coburg, mit dem die Scha­dens­er­satz- und Schmer­zens­geld­kla­ge des Mie­ters eines Mini-Bag­gers abge­wie­sen wur­de. Dafür, dass der Klä­ger mit­samt dem Arbeits­ge­rät umkipp­te, war der Ver­mie­ter nicht ver­ant­wort­lich. Denn der Klä­ger hat­te mit dem Hin­weis, er kön­ne sel­ber Bag­ger fah­ren, ein­ge­hen­de Unter­wei­sun­gen und Hil­fen abge­lehnt.

Der Klä­ger mie­te­te bei der beklag­ten Fir­ma einen Mini-Bag­ger für Erd­ar­bei­ten auf sei­nem Grund­stück an. Er war frü­her Lkw gefah­ren und hat­te sich zuvor bereits wie­der­holt bei ande­ren Unter­neh­men Bag­ger aus­ge­lie­hen. Das Ange­bot des Ver­mie­ters, den Bag­ger zu lie­fern, lehn­te er eben­so ab wie ein­ge­hen­de Unter­wei­sun­gen zur Hand­ha­bung, weil er sich für aus­rei­chend „Bag­ger-erfah­ren“ hielt. Eine fata­le Fehl­ein­schät­zung: Als er den Mini-Bag­ger vom Prit­schen­wa­gen her­un­ter­fah­ren woll­te, kipp­te er mit­samt Maschi­ne zur Sei­te und wur­de dabei rela­tiv schwer ver­letzt. Dafür mach­te er die Beklag­te ver­ant­wort­lich, weil die ihre ver­trag­li­chen Schutz­pflich­ten ver­letzt habe, und for­der­te 20.000 € Schmer­zens­geld und fast 5.000 € Scha­dens­er­satz.

Ohne Erfolg. Das Land­ge­richt Coburg wies sei­ne Kla­ge ab, weil die Ver­miet­fir­ma nichts falsch gemacht hat­te. Eine Hin­weis­pflicht dar­auf, dass die Benut­zung des Mini-Bag­gers mit Gefah­ren ver­bun­den sei, bestehe nicht. Denn das wis­se jeder nor­ma­le Erwach­se­ne. Zudem habe der Klä­ger wei­te­re Erläu­te­run­gen mit dem Hin­weis abge­lehnt, er sei weder ein klei­nes Kind noch blöd. Die Beklag­te habe ihm auch zum Abla­den des Bag­gers grund­sätz­lich geeig­ne­te Lade­ram­pen mit­ge­ge­ben und außer­dem ange­bo­ten, die Anlie­fe­rung selbst vor­zu­neh­men – was der Klä­ger unter Hin­weis auf sei­ne eige­nen Fähig­kei­ten aus­ge­schla­gen habe. Irgend­wel­che Schutz­pflich­ten sei­en daher nicht ver­letzt.

Immer­hin wies das Land­ge­richt auch die Wider­kla­ge des Bag­ger­ver­mie­ters auf Repa­ra­tur­kos­ten von über 3.000 € ab, weil der Anspruch ver­jährt war. Ob das den Klä­ger trös­te­te?

Land­ge­richt Coburg, Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2007 – 21 O 885/​05 (rechts­kräf­tig)