Bau­geld – und die Nachunternehmer

Emp­fän­ger von Bau­geld im Sin­ne von § 1 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Bau­Ford­SiG ist jede Per­son, die für das Ver­spre­chen einer Leis­tung im Zusam­men­hang mit der Her­stel­lung eines Bau­es oder Umbau­es eine Ver­gü­tung erhält und ande­re Unter­neh­mer auf­grund eines Werk, Dienst- oder Kauf­ver­trags an der Erfül­lung ihrer Leis­tungs­ver­pflich­tung beteiligt.

Bau­geld – und die Nachunternehmer

Dabei genügt es, wenn sich das Ver­spre­chen der Leis­tung nur auf ein­zel­ne Tei­le des Bau­es oder Umbau­es bezieht. In die­sem Fall ist der (Nach)Unternehmer grund­sätz­lich nach § 1 Abs. 1 Satz 1 Bau­Ford­SiG ver­pflich­tet, die erhal­te­ne Ver­gü­tung zuguns­ten der von ihm ein­be­zo­ge­nen „ande­ren Unter­neh­mer“ zu ver­wen­den. Die­se Ver­pflich­tung besteht unab­hän­gig davon, wie vie­le (Nach)Unternehmer vor dem Bau­geld­emp­fän­ger in einer Leis­tungs­ket­te tätig waren.

Der Geschäfts­füh­rer einer GmbH ist gemäß § 823 Abs. 2 BGB in Ver­bin­dung mit § 1 Bau­Ford­SiG per­sön­lich scha­dens­er­satz­pflich­tig, wenn er vor­sätz­lich Bau­geld im Sin­ne des § 1 Bau­Ford­SiG zweck­wid­rig ver­wen­det hat und des­halb eine dem Bau­un­ter­neh­mer zuste­hen­de Werk­lohn­for­de­rung nicht erfüllt wird1.

Ist ein (Nach)Unternehmer als Emp­fän­ger von Bau­geld anzu­se­hen, ist er nach § 1 Abs. 1 Satz 1 Bau­Ford­SiG ver­pflich­tet, das Bau­geld zur Befrie­di­gung sei­ner Nach­un­ter­neh­mer zu ver­wen­den. Das folgt aus der zum 1.01.2009 in Kraft getre­te­nen neu­en Rege­lung in § 1 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 BauFordSiG.

Für pflicht­wid­ri­ge Hand­lun­gen bis zum 31.12 2008 hat der Bun­des­ge­richts­hof auf der Grund­la­ge der alten Fas­sung des Bau­for­de­rungs­si­che­rungs­ge­set­zes (Gesetz zur Siche­rung von Bau­for­de­run­gen – GSB) ent­schie­den, dass ledig­lich mit einem Teil des Baus beauf­trag­te (Nach) Unter­neh­mer nicht Emp­fän­ger von Bau­geld sind2. Tra­gen­der Grund für die­se Ent­schei­dung ist, dass eine Erstre­ckung des Anwen­dungs­be­reichs von § 1 GSB auf (Nach)Unternehmer, die nur mit ein­zel­nen Tei­len des Baus beauf­tragt sind, den Inhalt des Geset­zes unzu­läs­sig erwei­tern wür­de, was ange­sichts der Straf­dro­hung des § 5 GSB einen deut­li­chen Aus­druck im Gesetz hät­te fin­den müs­sen3.

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Die für das Gesetz zur Siche­rung von Bau­for­de­run­gen (GSB) feh­len­de gesetz­li­che Grund­la­ge, (Nach)Unternehmer, die nur mit einem Teil des Baus beauf­tragt sind, als Emp­fän­ger von Bau­geld anzu­se­hen, hat der Gesetz­ge­ber mit § 1 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Bau­Ford­SiG geschaf­fen. Das ent­spricht dem Wort­laut, der Sys­te­ma­tik und dem gesetz­ge­be­ri­schen Zweck der Rege­lung4.

Gemäß § 1 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Bau­Ford­SiG sind Bau­geld sol­che Geld­be­trä­ge, die der Emp­fän­ger von einem Drit­ten für eine im Zusam­men­hang mit der Her­stel­lung eines Bau­es oder Umbau­es ste­hen­de Leis­tung, die der Emp­fän­ger dem Drit­ten ver­spro­chen hat, erhal­ten hat, wenn an die­ser Leis­tung ande­re Unter­neh­mer auf Grund eines Werk, Dienst- oder Kauf­ver­trags betei­ligt waren.

Emp­fän­ger von Bau­geld ist danach jede Per­son, die für das Ver­spre­chen einer Leis­tung im Zusam­men­hang mit der Her­stel­lung eines Bau­es oder Umbau­es eine Ver­gü­tung erhält und ande­re Unter­neh­mer auf­grund eines Werk, Dienst- oder Kauf­ver­trags an der Erfül­lung ihrer Leis­tungs­ver­pflich­tung betei­ligt. Dabei genügt es, wenn sich das Ver­spre­chen der Leis­tung nur auf ein­zel­ne Tei­le des Bau­es oder Umbau­es bezieht. In die­sem Fall ist der (Nach)Unternehmer grund­sätz­lich nach § 1 Abs. 1 Satz 1 Bau­Ford­SiG ver­pflich­tet, die erhal­te­ne Ver­gü­tung zuguns­ten der von ihm ein­be­zo­ge­nen „ande­ren Unter­neh­mer“ zu ver­wen­den. Die­se Ver­pflich­tung besteht unab­hän­gig davon, wie vie­le (Nach)Unternehmer vor dem Bau­geld­emp­fän­ger in einer Leis­tungs­ket­te tätig waren.

Dem ent­spricht die Sys­te­ma­tik der ab dem 1.01.2009 gel­ten­den Gesamt­re­ge­lung des § 1 Abs. 3 BauFordSiG.

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Nach § 1 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 Fall 1 Bau­Ford­SiG, der § 1 Abs. 3 GSB nach­ge­bil­det ist, ist für die Bau­geld­ei­gen­schaft eine ding­li­che Siche­rung des Geld­ge­bers an dem zu bebau­en­den Grund­stück Vor­aus­set­zung. Das beruht auf dem Gedan­ken, dass die Bau­hand­wer­ker kei­ne wert­hal­ti­ge Siche­rung durch Ein­tra­gung einer Siche­rungs­hy­po­thek (§ 650e BGB, § 648 BGB a.F.) erlan­gen kön­nen, wenn das Bau­grund­stück des Bestel­lers bereits mit einem Grund­pfand­recht zuguns­ten des Geld­ge­bers belas­tet ist5. Der Emp­fän­ger von Bau­geld ist im Rah­men die­ser Vor­schrift der Bau­herr, der den Bau oder Umbau durch Kre­dit­mit­tel finan­ziert. Außer­dem trifft die Ver­wen­dungs­pflicht die Per­so­nen, die als Bau­be­treu­er bei der Betreu­ung des Bau­vor­ha­bens zur Ver­fü­gung über die Finan­zie­rungs­mit­tel des Bestel­lers ermäch­tigt sind (§ 1 Abs. 1 Satz 3 Bau­Ford­SiG). Ande­re Per­so­nen sind von § 1 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 Fall 1 Bau­Ford­SiG nicht erfasst.

Nach § 1 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 BGB ist die Bau­geld­ei­gen­schaft dage­gen von einer ding­li­chen Siche­rung abge­kop­pelt. Die­se Abkop­pe­lung ist eine wesent­li­che Ände­rung des zum 1.01.2009 in Kraft getre­te­nen Bau­for­de­rungs­si­che­rungs­ge­set­zes6. Bau­geld­emp­fän­ger kann des­halb jede Per­son sein, die in einer Leis­tungs­ket­te eine Ver­gü­tung erhält, und zwar unab­hän­gig davon, ob die­ser Geld­be­trag kre­dit­fi­nan­ziert und ding­lich gesi­chert ist oder auf Eigen­mit­teln beruht7.

Die sich aus dem Wort­laut und der Sys­te­ma­tik erge­ben­de Aus­le­gung ent­spricht dem Geset­zes­zweck. Der Gesetz­ge­ber woll­te den Bau­geld­be­griff erwei­tern und alle Gel­der erfas­sen, die ein Unter­neh­mer in der Ket­te nach dem Bau­herrn erhält7. Damit soll­te der Bau­geld­be­griff auf die gesam­te Ket­te von Bau­herr Gene­ral­un­ter­neh­mer alle Nach­un­ter­neh­mer aus­ge­wei­tet wer­den8.

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Soweit unter Bezug­nah­me auf den Beschluss des Bun­des­ge­richts­hofs vom 24.01.20139 die Auf­fas­sung ver­tre­ten wird, dass nur wirt­schaft­lich wesent­li­che Arbei­ten in den Anwen­dungs­be­reich von § 1 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Bau-Ford­SiG fal­len, kann dies der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht ent­nom­men wer­den. Gegen­stand die­ser Ent­schei­dung war, die Ver­wen­dungs­pflicht auf sachen­recht­lich wesent­li­che Bestand­tei­le im Sin­ne von §§ 93, 94 BGB zu begren­zen10. Die­se Erwä­gun­gen bezie­hen sich auf das Tat­be­stands­merk­mal in § 1 Bau­Ford­SiG, dass die Ver­wen­dung von Bau­geld den Per­so­nen zugu­te­kom­men soll, die an der Her­stel­lung oder dem Umbau des Baus oder mit Arbei­ten im Zusam­men­hang mit der Her­stel­lung des Baus oder Umbaus betei­ligt sind. Damit hat die­se Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kei­nen Bezug zu einer wirt­schaft­li­chen Betrach­tungs­wei­se. Dem Gesetz ist nicht zu ent­neh­men, dass nur Per­so­nen geschützt wer­den sol­len, die mit einem bestimm­ten Pro­zent­satz an der Gesamt­ver­gü­tung für die Her­stel­lung des Baus oder Umbaus betei­ligt sind.

Ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken gegen die­sen Rege­lungs­in­halt des § 1 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 BGB bestehen nicht11.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Mai 2018 – VII ZR 92/​16

  1. vgl. BGH, Urteil vom 20.12 2012 – VII ZR 187/​11 Rn. 39, NZBau 2013, 225; Urteil vom 19.08.2010 – VII ZR 169/​09 Rn. 10, BauR 2010, 2107 = NZBau 2010, 746[]
  2. BGH, Urteil vom 16.12 1999 – VII ZR 39/​99, BGHZ 143, 301[]
  3. BGH, Urteil vom 16.12 1999 – VII ZR 39/​99, BGHZ 143, 301 14[]
  4. vgl. Ingenstau/​Korbion/​Joussen, VOB Tei­le A und B, 20. Aufl., Anhang 1 Rn. 299 ff.; Hof­mann in Hofmann/​Koppmann/​Zenetti, Die neue Bau­hand­wer­ker­si­che­rung, 6. Aufl., Abschnitt E, 7; Gartz, NZBau 2009, 630; Beck’scher VOB/​B-Kommentar/​Funke, 3. Aufl., Vor­be­mer­kung § 2 Rn. 308; Messerschmidt/​Voit/​Wolff, Pri­va­tes Bau­recht, 2. Aufl., § 1 Bau­Ford­SiG Rn. 27; Floeth, BauR 2014, 915; a.A. Stamm­köt­ter, BauR 2009, 1521, 1522 f.; Koeb­le in Kniffka/​Koeble, Kom­pen­di­um des Bau­rechts, 4. Aufl., 10. Teil Rn. 237; Glöckner/​von Berg/​Bruns, Bau- und Archi­tek­ten­recht, 2. Aufl., § 1 Bau­Ford­SiG Rn. 24; Hoch­stadt, NJW 2013, 1712[]
  5. vgl. Ent­wurf eines Geset­zes zur Siche­rung von Werk­un­ter­neh­mer­an­sprü­chen und zur ver­bes­ser­ten Durch­set­zung von For­de­run­gen, BT-Drs. 16/​511 S. 23 zu Art. 5, zu Num­mer 2, zu Abs. 3[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 24.01.2013 – VII ZR 47/​11 Rn. 5, NZBau 2013, 293[]
  7. BT-Drs. 16/​511 S. 23 zu Art. 5, zu Num­mer 2, zu Abs. 3[][]
  8. Ent­wurf eines Geset­zes zur Ände­rung des Geset­zes über die Siche­rung von Bau­for­de­run­gen, BT-Drs. 16/​13159 S. 5 A., I. Abs. 2[]
  9. BGH, Beschluss vom 24.01.2013 – VII ZR 47/​11 Rn. 7, NZBau 2013, 293[]
  10. vgl. dazu auch BGH, Urteil vom 12.12 1989 – VI ZR 311/​88, BauR 1990, 241[]
  11. BVerfG, NJW 2011, 1578[]