Befan­gen­heit – wegen der Nicht­la­dung von Zeu­gen?

Nach u.a. § 54 Abs. 1 VwGO, § 42 Abs. 2 ZPO ist ein Rich­ter wegen der Besorg­nis der Befan­gen­heit abzu­leh­nen, wenn ein Grund vor­liegt, der geeig­net ist, Miss­trau­en gegen sei­ne Unpar­tei­lich­keit zu recht­fer­ti­gen.

Befan­gen­heit – wegen der Nicht­la­dung von Zeu­gen?

Dies ist der Fall, wenn aus Sicht der ableh­nen­den Par­tei bei ver­nünf­ti­ger Wür­di­gung aller Umstän­de Anlass gege­ben ist, an der Unvor­ein­ge­nom­men­heit und objek­ti­ven Ein­stel­lung des Rich­ters zu zwei­feln 1. Es kom­men inso­weit nur objek­ti­ve Grün­de in Betracht, die vom Stand­punkt des Ableh­nen­den aus bei ver­nünf­ti­ger Betrach­tung die Befürch­tung wecken kön­nen, der Rich­ter ste­he der Sache nicht unvor­ein­ge­nom­men und damit par­tei­isch gegen­über 2.

Dies zugrun­de gelegt, besteht eine Besorg­nis der Befan­gen­heit in Bezug auf die Mit­wir­kung der von dem Beklag­ten abge­lehn­ten Rich­ter nicht.

Ein Ableh­nungs­grund kann regel­mä­ßig nicht auf die Rechts­auf­fas­sung oder die Ver­fah­rens­wei­se des Rich­ters gestützt wer­den. Im Ableh­nungs­ver­fah­ren geht es nur um die (Un)Parteilichkeit des Rich­ters und nicht um die Rich­tig­keit sei­ner Hand­lun­gen und Ent­schei­dun­gen 3.

Aus­nah­men sind nur dann gebo­ten, wenn die Gestal­tung des Ver­fah­rens oder die Ent­schei­dung des Rich­ters sich so weit von den aner­kann­ten ins­be­son­de­re ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sät­zen ent­fernt, dass die Aus­le­gung des Rechts im Ein­zel­fall will­kür­lich oder offen­sicht­lich unhalt­bar ist 4.

Dafür besteht allein auf­grund des Umstands, dass Zeu­gen, deren Ver­neh­mung eine Par­tei aus Rechts­grün­den für gebo­ten hält, nicht gela­den wor­den sind, von vorn­her­ein kei­ner­lei Anlass. Der Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung dient viel­mehr gera­de dazu, die wech­sel­sei­ti­gen Rechts­stand­punk­te zu erör­tern.

Das Gericht kann über ein der­ar­ti­ges Ableh­nungs­ge­such ohne dienst­li­che Stel­lung­nah­men der abge­lehn­ten Rich­ter ent­schei­den, weil sich der gel­tend gemach­te Ableh­nungs­grund auf akten­kun­di­ge Vor­gän­ge bezieht. Unter sol­chen Umstän­den könn­te eine dienst­li­che Erklä­rung zur Sach­auf­klä­rung nichts bei­tra­gen und ist daher ent­behr­lich 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Novem­ber 2019 – NotSt (Brfg) 4/​18

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 25.05.2016 – III ZR 140/​15 3; und vom 13.01.2016 – VII ZR 36/​14, NJW 2016, 1022 Rn. 9; jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 13.01.2016 aaO mwN[]
  3. KG, Beschluss vom 22.11.2012 10 W 67/​12 5[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 12.10.2011 – V ZR 8/​10, NJW-RR 2012, 61 Rn. 9 ff.; KG aaO[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 07.03.2012 AnwZ (B) 13/​1019 mwN[]