Beginn der Ver­jäh­rung bei feh­ler­haf­ter Rechts­be­ra­tung

m Rah­men einer feh­ler­haf­ten Rechts­be­ra­tung – hier: unter­las­se­ner Hin­weis auf dro­hen­de Ver­jäh­rung – hat der Man­dant erst dann Kennt­nis von den den Anspruch begrün­den­den Umstän­den gemäß § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB, wenn für ihn Anhalts­punk­te bestehen, die eine Pflicht­ver­let­zung des Rechts­an­walts nahe­le­gen.

Beginn der Ver­jäh­rung bei feh­ler­haf­ter Rechts­be­ra­tung

In dem hier vom Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men ent­schie­de­nen Fall bestan­den gegen die Annah­me einer Pflicht­ver­let­zung bestehen grund­sätz­lich kei­ne Beden­ken: Es ent­spricht der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass im Rah­men des über­nom­me­nen Man­dats auf die Mög­lich­keit der dro­hen­den Ver­jäh­rung etwai­ger Ansprü­che hin­zu­wei­sen ist 1. Strit­tig war allein die Fra­ge, ob der Scha­dens­er­satz­an­spruch bereits ver­jährt war – genau­er: wann der Lauf der Ver­jäh­rung begon­nen hat.

Der Scha­den war gemäß § 199 Abs. 1 Nr. 1 BGB mit Ablauf der Ver­jäh­rungs­frist bereits ent­stan­den. Hat der Rechts­an­walt durch das Ver­jäh­ren­las­sen einer For­de­rung des Man­dan­ten eine Pflicht aus dem Anwalts­ver­trag ver­letzt, dann ent­steht der Scha­den mit der Voll­endung der Ver­jäh­rung, wobei es uner­heb­lich ist, ob sich der Geg­ner bereits auf die Ein­re­de beru­fen hat. Zwar ist die Ver­jäh­rungs­ein­re­de nur zu berück­sich­ti­gen, wenn sie von dem Schuld­ner erho­ben wird, nach der Lebens­er­fah­rung ist aber zumin­dest bei strei­ti­gen Ansprü­chen davon aus­zu­ge­hen, dass der Schuld­ner von die­ser Ein­re­de Gebrauch machen wird 2.

Auf den vor­lie­gen­den Sach­ver­halt fin­den auch bereits die ver­jäh­rungs­recht­li­chen Vor­schrif­ten der §§ 194 ff. BGB und nicht die frü­he­ren Son­der­ver­jäh­rungs­re­ge­lun­gen für Rechts­an­wäl­te Anwen­dung fin­den, weil der Scha­den auf der Grund­la­ge des Par­tei­vor­brin­gens nach dem 15.12.2004 ent­stan­den ist 3.

Der Lauf der Ver­jäh­rungs­frist beginnt erst dann, wenn der Gläu­bi­ger von den den Anspruch begrün­den­den Umstän­den Kennt­nis erlangt oder ohne gro­be Fahr­läs­sig­keit erlan­gen muss­te (§ 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB). Im Rah­men einer Rechts­be­ra­tung kann aller­dings nicht dar­auf ver­wie­sen wer­den, dass dem Man­dan­ten mit der Durch­füh­rung der Bera­tung bereits alle Umstän­de bekannt sind, die eine Haf­tung begrün­den kön­nen. Zu den den Anspruch begrün­den­den Umstän­den gehört auch, dass für den Gläu­bi­ger Anhalt­punk­te gege­ben sind, die auf eine nicht ord­nungs­ge­mä­ße recht­li­che Bera­tung schlie­ßen las­sen 4. Dem Gläu­bi­ger muss es – wie etwa in Fäl­len einer ärzt­li­chen Fehl­be­hand­lung – mög­lich sein, aus den ihm bekann­ten Umstän­den Schlüs­se zu zie­hen, die eine Pflicht­ver­let­zung des Schuld­ners nahe­le­gen 5. Dies kann der Fall sein, wenn sich der Pro­zess­geg­ner bereits auf Ver­jäh­rung beru­fen hat oder dem Man­dan­ten die Mög­lich­keit der Ver­jäh­rung bewusst war 6.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men, Beschluss vom 17. Okto­ber 2012 – 1 W 37/​12

  1. BGH NJW 2011, 2889 m.w.N.[]
  2. BGH NJW 2001, 3543, 3544 m.w.N.[]
  3. OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 28.02.2012 – 24 U 77/​11[]
  4. Chab in: Zugehör/​G. Fischer/​Vill/​D. Fischer/​Rinkler/​Chab, Hand­buch der Anwalts­haf­tung, 3. Aufl., Rn. 1472; ders., BRAK-Mitt. 5/​2010, 208; Fah­ren­dorf in: Fahrendorf/​Mennemeyer/​Terbille, Die Haf­tung des Rechts­an­walts, 7. Aufl., Rn. 1108 m.w.N.[]
  5. vgl. BGH NJW 2001, 885, unter II.1.a[]
  6. vgl. auch OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 28.02.2012 – 24 U 77/​11; OLG Stutt­gart, Urteil vom 13.04.2010 – 12 U 189/​09; BGH NJW 2012, 673, Tz. 14[]