Begrün­dung einer Eigen­be­darfs­kün­di­gung – der Lebens­ge­fähr­te der Toch­ter

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te sich aktu­ell mit den Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung einer Eigen­be­darfs­kün­di­gung des Ver­mie­ters z befas­sen

Begrün­dung einer Eigen­be­darfs­kün­di­gung – der Lebens­ge­fähr­te der Toch­ter

Anlass hier­für bot ihm ein Fall aus Essen: Die Beklag­ten sind seit dem Jahr 1999 Mie­ter einer 158 m² gro­ßen Woh­nung der Klä­ger. Mit Schrei­ben vom 23.10.2012 erklär­ten die Klä­ger die Kün­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses mit der Begrün­dung, ihre Toch­ter, die bis­her eine 80 m² gro­ße Woh­nung in der benach­bar­ten Dop­pel­haus­hälf­te bewoh­ne, benö­ti­ge die grö­ße­re Woh­nung der Beklag­ten, um dort mit ihrem Lebens­ge­fähr­ten einen gemein­sa­men Haus­stand zu begrün­den.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Essen hat der Räu­mungs­kla­ge statt­ge­ge­ben 1, das Land­ge­richt Essen hat sie dage­gen auf die Beru­fung der Mie­ter unter Abän­de­rung des erst­in­stanz­li­chen Urteils abge­wie­sen 2.

Die vom Bun­des­ge­richt­hof zuge­las­se­ne Revi­si­on, mit der die Klä­ger die Wie­der­her­stel­lung des amts­ge­richt­li­chen Urteils erstre­ben, hat­te nun Erfolg. Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied, dass es nicht erfor­der­lich war, den Lebens­ge­fähr­ten in dem Kün­di­gungs­schrei­ben nament­lich zu benen­nen:

Das Begrün­dungs­er­for­der­nis in § 573 Abs. 3 BGB soll gewähr­leis­ten, dass der Kün­di­gungs­grund der­art kon­kre­ti­siert ist, dass er von ande­ren Kün­di­gungs­grün­den unter­schie­den wer­den kann. Die­se Kon­kre­ti­sie­rung ermög­licht es dem Mie­ter, der die Kün­di­gung nicht hin­neh­men will, sei­ne Ver­tei­di­gung auf den ange­ge­be­nen Kün­di­gungs­grund aus­zu­rich­ten, denn eine Aus­wech­se­lung des Kün­di­gungs­grun­des ist dem Ver­mie­ter ver­wehrt. Im Fal­le der Eigen­be­darfs­kün­di­gung genügt es, die Eigen­be­darfs­per­son – hier die Toch­ter – iden­ti­fi­zier­bar zu benen­nen und das Inter­es­se dar­zu­le­gen, das die­se an der Erlan­gung der Woh­nung hat. Inso­weit reicht die Anga­be, dass die Toch­ter in die grös­se­re Woh­nung der Beklag­ten zie­hen wol­le, um dort mit ihrem Lebens­ge­fähr­ten einen gemein­sa­men Haus­stand zu begrün­den.

Gemäß § 573 Abs. 3 Satz 1 BGB setzt die Wirk­sam­keit einer Kün­di­gungs­er­klä­rung vor­aus, dass die Grün­de für ein berech­tig­tes Inter­es­se des Ver­mie­ters an der Been­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses in dem Kün­di­gungs­schrei­ben ange­ge­ben sind. Der Zweck die­ser Vor­schrift besteht dar­in, dem Mie­ter zum frü­hest­mög­li­chen Zeit­punkt Klar­heit über sei­ne Rechts­po­si­ti­on zu ver­schaf­fen und ihn dadurch in die Lage zu ver­set­zen, recht­zei­tig alles Erfor­der­li­che zur Wah­rung sei­ner Inter­es­sen zu ver­an­las­sen 3. Die­sem Zweck wird im All­ge­mei­nen Genü­ge getan, wenn das Kün­di­gungs­schrei­ben den Kün­di­gungs­grund so bezeich­net, dass er iden­ti­fi­ziert und von ande­ren Grün­den unter­schie­den wer­den kann; bei einer Kün­di­gung wegen Eigen­be­darfs ist daher grund­sätz­lich die Anga­be der Per­son, für die die Woh­nung benö­tigt wird, und die Dar­le­gung des Inter­es­ses, das die­se Per­son an der Erlan­gung der Woh­nung hat, aus­rei­chend 4.

Nach die­sen Maß­stä­ben war es – ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts – nicht erfor­der­lich, den Lebens­ge­fähr­ten in dem Kün­di­gungs­schrei­ben nament­lich zu benen­nen. Das Begrün­dungs­er­for­der­nis soll gewähr­leis­ten, dass der Kün­di­gungs­grund der­art kon­kre­ti­siert ist, dass er von ande­ren Kün­di­gungs­grün­den unter­schie­den wer­den kann. Die­se Kon­kre­ti­sie­rung ermög­licht es dem Mie­ter, der die Kün­di­gung nicht hin­neh­men will, sei­ne Ver­tei­di­gung auf den ange­ge­be­nen Kün­di­gungs­grund aus­zu­rich­ten, denn eine Aus­wech­se­lung des Kün­di­gungs­grun­des ist dem Ver­mie­ter ver­wehrt.

Im Fal­le der Eigen­be­darfs­kün­di­gung genügt es, die Eigen­be­darfs­per­son – hier die Toch­ter – iden­ti­fi­zier­bar zu benen­nen und das Inter­es­se dar­zu­le­gen, das die­se an der Erlan­gung der Woh­nung hat. Inso­weit reicht die Anga­be, dass die Toch­ter in die grö­ße­re Woh­nung der Beklag­ten zie­hen wol­le, um dort mit ihrem Lebens­ge­fähr­ten einen gemein­sa­men Haus­stand zu begrün­den. Wei­te­rer Anga­ben bedurf­te es hin­ge­gen nicht. Soweit der Mie­ter Umstän­de anführt, die sei­ner Auf­fas­sung nach gegen die Ernst­haf­tig­keit des Eigen­nut­zungs­wun­sches der Ver­mie­ter spre­chen, ver­mengt er in unzu­läs­si­ger Wei­se die Begrün­dung der Kün­di­gung (§ 573 Abs. 3 BGB) mit dem Nach­weis des ange­ge­be­nen Kün­di­gungs­grun­des.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. April 2014 – VIII ZR 284/​13

  1. AG Essen, Urteil vom 26.04.2013 – 19 C 459/​13[]
  2. LG Essen, Urteil vom 08.08.2013 – 10 S 244/​13[]
  3. vgl. BT-Drs. 6/​1549, S. 6 f. zu § 564a Abs. 1 Satz 2 BGB aF[]
  4. so schon BayO­bLG, WuM 1981, 200, 202 f.; BGH, Urtei­le vom 27.06.2007 – VIII ZR 271/​06, NZM 2007, 679 Rn. 23, sowie vom 17.03.2010 – VIII ZR 70/​09, NZM 2010, 400 Rn. 8[]