Bei­hil­fe zur vor­sätz­li­chen sit­ten­wid­ri­gen Schä­di­gung – die sub­jek­ti­ven Anfor­de­run­gen

Die Vor­aus­set­zun­gen einer Teil­nah­me an einer uner­laub­ten Hand­lung im Sin­ne des § 830 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 BGB rich­ten sich nach den für das Straf­recht ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen. Danach ver­langt die Teil­nah­me neben der Kennt­nis der Tat­um­stän­de wenigs­tens in gro­ben Zügen den jewei­li­gen Wil­len der ein­zel­nen Betei­lig­ten, die Tat gemein­schaft­lich mit ande­ren aus­zu­füh­ren oder sie als frem­de Tat zu för­dern; objek­tiv muss eine Betei­li­gung an der Aus­füh­rung der Tat hin­zu­kom­men, die in irgend­ei­ner Form deren Bege­hung för­dert und für die­se rele­vant ist.

Bei­hil­fe zur vor­sätz­li­chen sit­ten­wid­ri­gen Schä­di­gung – die sub­jek­ti­ven Anfor­de­run­gen

Für den ein­zel­nen Teil­neh­mer muss ein Ver­hal­ten fest­ge­stellt wer­den, das den rechts­wid­ri­gen Ein­griff in ein frem­des Rechts­gut unter­stützt hat und das von der Kennt­nis der Tat­um­stän­de und dem auf die Rechts­guts­ver­let­zung gerich­te­ten Wil­len getra­gen war 1.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Bei­hil­fe durch soge­nann­te neu­tra­le bzw. berufs­ty­pi­sche Hand­lun­gen kann nicht jede Hand­lung, die sich im Ergeb­nis objek­tiv tat­för­dernd aus­wirkt, als (straf­ba­re) Bei­hil­fe gewer­tet wer­den. Viel­mehr bedarf es ins­be­son­de­re in Fäl­len, die so genann­te "neu­tra­le" Hand­lun­gen betref­fen, einer wer­ten­den Betrach­tung im Ein­zel­fall. Zielt das Han­deln des Haupt­tä­ters aus­schließ­lich dar­auf ab, eine straf­ba­re Hand­lung zu bege­hen und weiß dies der Hil­fe­leis­ten­de, so ist sein Tat­bei­trag in jedem Fall als straf­ba­re Bei­hil­fe­hand­lung zu wer­ten. Denn unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen ver­liert sein Tun stets den "All­tags­cha­rak­ter"; es ist als "Soli­da­ri­sie­rung" mit dem Täter zu deu­ten.

Falls der Han­deln­de nicht weiß, wie sein Bei­trag vom Haupt­tä­ter ver­wen­det wird, son­dern es ledig­lich für mög­lich hält, dass sein Tun zur Bege­hung einer Straf­tat genutzt wird, ist sein Han­deln regel­mä­ßig noch nicht als straf­ba­re Bei­hil­fe­hand­lung zu beur­tei­len, es sei denn, das von ihm erkann­te Risi­ko straf­ba­ren Ver­hal­tens des von ihm Unter­stütz­ten war der­art hoch, dass er sich mit sei­ner Hil­fe­leis­tung die För­de­rung eines erkenn­bar tat­ge­neig­ten Täters ange­le­gen sein ließ.

Dies bedeu­tet, dass auch neu­tra­le Hand­lun­gen eine objek­ti­ve Hil­fe­leis­tung dar­stel­len kön­nen und die Qua­li­fi­zie­rung neu­tra­ler Hand­lun­gen als Bei­hil­fe­hand­lun­gen ein Pro­blem des sub­jek­ti­ven Tat­be­stan­des ist 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Sep­tem­ber 2014 – VI ZR 567/​13

  1. BGH, Urteil vom 13.07.2004 – VI ZR 136/​03, aaO 26; BGH, Urteil vom 03.12 2013 – XI ZR 295/​12, aaO Rn. 29 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 12.10.2010 – XI ZR 394/​08, aaO Rn. 48 mwN[]