Berei­che­rungs­recht­lich Rück­ab­wick­lung nich­ti­ger Ver­trä­ge – und die Sal­do­theo­rie

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs hat die berei­che­rungs­recht­li­che Rück­ab­wick­lung gegen­sei­ti­ger Ver­trä­ge nach den Grund­sät­zen der Sal­do­theo­rie zu erfol­gen.

Berei­che­rungs­recht­lich Rück­ab­wick­lung nich­ti­ger Ver­trä­ge – und die Sal­do­theo­rie

Danach ist der Berei­che­rungs­an­spruch bei bei­der­seits aus­ge­führ­ten gegen­sei­ti­gen nich­ti­gen Ver­trä­gen ein von vorn­her­ein in sich beschränk­ter ein­heit­li­cher Anspruch auf Aus­gleich aller mit der Ver­mö­gens­ver­schie­bung zure­chen­bar zusam­men­hän­gen­der Vor­gän­ge in Höhe des sich dabei erge­ben­den Sal­dos.

Es ist des­halb durch Ver­gleich der durch den Berei­che­rungs­vor­gang her­vor­ge­ru­fe­nen Vor- und Nach­tei­le zu ermit­teln, für wel­chen Betei­lig­ten sich ein Über­schuss ergibt.

Leis­tung und Gegen­leis­tung sind dabei in Fort­gel­tung des bei Ver­trags­schluss gewoll­ten Aus­tausch­ver­hält­nis­ses für die berei­che­rungs­recht­li­che Rück­ab­wick­lung ent­spre­chend § 818 Abs. 3 BGB grund­sätz­lich zu sal­die­ren [1].

Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch bei nich­ti­gen Bei­trit­ten als GmbH-Gesell­schaf­ter (hier: dem nich­ti­gen Erwerb eines GmbH-Geschäfts­an­teils). Zwar mag das Rechts­ver­hält­nis eines GmbH-Gesell­schaf­ters zur Gesell­schaft regel­mä­ßig nicht als gegen­sei­ti­ger, auf einen Leis­tungs­aus­tausch gerich­te­ter Ver­trag ein­zu­stu­fen sein [2]. Im Rah­men des Gesell­schafts­ver­hält­nis­ses kön­nen aber durch­aus Leis­tungs­be­zie­hun­gen bestehen, die von dem Grund­satz „do ut des“ geprägt, mit­hin wie Aus­tausch­ver­trä­ge anzu­se­hen sind.

Eine sol­che Leis­tungs­be­zie­hung ist im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall dar­in zu sehen, dass die GmbH bestimm­te mit ihrer Funk­ti­on als Ein­kaufs­ko­ope­ra­ti­on zusam­men­hän­gen­de Leis­tun­gen dem jewei­li­gen Gesell­schaf­ter zur Ver­fü­gung stellt und dafür ein Ent­gelt in Form der „Gemein­schafts­kos­ten“ erhält. Die­se Leis­tun­gen und Gegen­leis­tun­gen ste­hen zuein­an­der in einer syn­al­lag­ma­ti­schen Ver­bin­dung und unter­lie­gen bei einer berei­che­rungs­recht­li­chen Rück­ab­wick­lung der Sal­die­rung.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Janu­ar 2015 – KZR 90/​13

  1. BGH, Urteil vom 20.03.2001 – XI ZR 213/​00, BGHZ 147, 152, 157 mwN[]
  2. H. Schmidt in Beck­OK, BGB, § 320, Stand: 1.11.2014 Rn. 4; Palandt/​Grüneberg, BGB, 74. Aufl., Einf. v. § 320 Rn. 5 f.; eben­so zur Per­so­nen­ge­sell­schaft BGH, Urteil vom 29.01.1951 – IV ZR 171/​50, NJW 1951, 308; C. Schä­fer in GroßKomm.HGB, 5. Aufl., § 105 Rn. 147[]