Ber­li­ner Miet­spie­gel

Der Ber­li­ner Miet­spie­gel 2015 ist nach Ein­schät­zung des Land­ge­richts Ber­lin wohl doch als Schät­zungs­grund­la­ge zur Ermitt­lung der orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­te geeig­net.

Ber­li­ner Miet­spie­gel

Das Land­ge­richt Ber­lin hat in zwei Beru­fungs­ver­fah­ren den Miet­spie­gel 2015 als aus­rei­chen­de Schät­zungs­grund­la­ge (d.h. als soge­nann­ten ein­fa­chen Miet­spie­gel) ange­se­hen und zur Ermitt­lung der orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­te für ein Kla­ge­ver­fah­ren zugrun­de gelegt.

In dem ers­ten Rechts­streit 1 woll­te die Ver­mie­te­rin errei­chen, dass die beklag­te Mie­te­rin der Erhö­hung der monat­li­chen Net­to­kalt­mie­te von 898,68 € um 134,80 € auf 1.033,48 € für eine 134,79 m² gro­ße Sechs-Zim­mer-Woh­nung in Ber­lin-Mit­te (ent­spre­chend 7,67 €/​m²) zustimmt. Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Mit­te hat­te der Kla­ge statt­ge­ge­ben 2. Die Beru­fung der Mie­te­rin blieb erfolg­los.

In dem zwei­ten Fall 3. Das Beru­fungs­ver­fah­ren der Ver­mie­te­rin hat­te vor dem Land­ge­richt Ber­lin nur zu einem gerin­gen Teil Erfolg, das Land­ge­richt ver­ur­teil­te die Mie­ter, einer Erhö­hung um 13,03 € monat­lich (ent­spre­chend 7,34 €/​m²) zuzu­stim­men.

Bei­de Zivil­kam­mern des Land­ge­richts Ber­lin führ­ten in ihren Beru­fungs­ur­tei­len aus, der Ber­li­ner Miet­spie­gel 2015 sei vom Land Ber­lin sowie von Inter­es­sen­ver­tre­tern der Mie­ter und Ver­mie­ter aner­kannt wor­den. Die Lebens­er­fah­rung spre­che auf­grund des­sen dafür, dass der Miet­spie­gel die ört­li­che Miet­si­tua­ti­on objek­tiv zutref­fend abbil­de. Es kom­me nicht dar­auf an, dass beim Miet­spie­gel 2015 nicht alle Inter­es­sen­ver­bän­de der Ver­mie­ter zuge­stimmt hät­ten. Denn maß­geb­li­ches Gewicht habe der Umstand, dass die Gemein­de – hier das Land Ber­lin – den Miet­spie­gel erstellt und aner­kannt habe.

Im ers­ten Fall wies das Land­ge­richt Ber­lin ergän­zend dar­auf hin, dass die von Ver­mie­tern erho­be­nen Zustim­mungs­kla­gen, die der Kam­mer vor­ge­le­gen hät­ten, sich fast aus­nahms­los auf den Miet­spie­gel gestützt hät­ten. Die Ver­mie­ter hät­ten dadurch zu erken­nen gege­ben, den Miet­spie­gel als objek­ti­ve Schät­zungs­grund­la­ge zu akzep­tie­ren. Schließ­lich sei auf­grund der Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Miet­spie­gels 2015 nicht davon aus­zu­ge­hen, dass die Daten unter Ver­stoß gegen wis­sen­schaft­li­che Grund­sät­ze erho­ben bzw. aus­ge­wer­tet wor­den sei­en. Zumin­dest wür­den etwai­ge Män­gel bei der Erstel­lung des Miet­spie­gels nicht erheb­lich ins Gewicht fal­len.

Im zwei­ten Fall führ­te das Land­ge­richt Ber­lin zusätz­lich aus, das Gericht sei nicht ver­pflich­tet, ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ein­zu­ho­len. “Die orts­üb­li­che Mie­te” für eine kon­kre­te Woh­nung kön­ne selbst mit maxi­ma­lem Auf­wand nie­mals wis­sen­schaft­lich exakt ermit­telt wer­den. Viel­mehr wer­de auch in dem Gut­ach­ten eines Sach­ver­stän­di­gen nur ein Nähe­rungs­wert bestimmt, bei dem Feh­ler nicht aus­zu­schlie­ßen sei­en. Der ein­fa­che Miet­spie­gel sei ein Indiz dafür dar, dass die dort ange­ge­be­nen Ent­gel­te die orts­üb­li­che Ver­gleichs­mie­te zutref­fend wie­der­gä­ben. Die in dem Rechts­streit erho­be­nen Angrif­fe der Ver­mie­te­rin gegen die Qua­li­tät und Rich­tig­keit der Daten­er­he­bung und –aus­wer­tung sei­en unbe­rech­tigt, da bereits die Pri­mär­da­ten­er­he­bung einen hohen Qua­li­täts­stan­dard aus­wei­se. Soweit die Ver­mie­te­rin eine Lis­te mit höhe­ren Ver­gleichs­mie­ten als im ein­schlä­gi­gen Miet­spie­gel­feld aus­ge­wie­sen vor­ge­legt habe, sei dies irrele­vant. Auf­grund der Doku­men­ta­ti­on zum Ber­li­ner Miet­spie­gel 2015 las­se sich erken­nen, dass Miet­wer­te ober­halb der Span­ne erfasst, jedoch als Aus­rei­ß­er­wer­te bei der Fest­le­gung der Miet­spie­gel­span­ne nicht berück­sich­tigt wor­den sei­en.

Land­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 7. Juli 2016 – 67 S 72/​16;
Land­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 9. August 2016 – 18 S 111/​15

  1. LG Ber­lin, Urteil vom 07.07.2016 – 67 S 72/​16[]
  2. AG Mit­te, Teil­ur­teil vom 13.01.2016 – 9 C 145/​15[]
  3. LG Ber­lin, Urteil vom 09.08.2016 – 18 S 111/​15) hat­te die Ver­mie­te­rin die Zustim­mung der Mie­ter zur Erhö­hung der monat­li­chen Net­to­kalt­mie­te von 670,54 € um 54,94 € auf 725,48 € für eine 93,13 m² gro­ße Woh­nung in Ber­lin-Wil­mers­dorf ver­langt. Das Amts­ge­richt Char­lot­ten­burg hat­te die Kla­ge erst­in­stanz­lich abge­wie­sen ((AG Char­lot­ten­burg, Urteil vom 12.03.2015 – 203 C 527/​14[]