Beru­fung gegen ein Aus­kunfts­ur­teil – und die Beschwer

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs bemisst sich der gemäß §§ 2, 3 ZPO nach frei­em Ermes­sen fest­zu­set­zen­de Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands im Fall, dass die zur Aus­kunfts­er­tei­lung ver­ur­teil­te Per­son Beru­fung ein­legt, nach ihrem Inter­es­se, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müs­sen.

Beru­fung gegen ein Aus­kunfts­ur­teil – und die Beschwer

Dabei ist im Wesent­li­chen dar­auf abzu­stel­len, wel­chen Auf­wand an Zeit und Kos­ten die Ertei­lung der Aus­kunft erfor­dert und ob die ver­ur­teil­te Par­tei ein schüt­zens­wer­tes Inter­es­se dar­an hat, bestimm­te Tat­sa­chen vor dem Geg­ner geheim zu hal­ten 1.

Soll im Ein­zel­fall ein Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se der zur Aus­kunft ver­ur­teil­ten Par­tei für die Bemes­sung des Rechts­mit­tel­in­ter­es­ses erheb­lich sein, muss die­se dem Beru­fungs­ge­richt nach § 511 Abs. 3 ZPO sub­stan­ti­iert dar­le­gen und erfor­der­li­chen­falls glaub­haft machen, dass ihr durch die Ertei­lung der Aus­kunft ein kon­kre­ter wirt­schaft­li­cher Nach­teil droht 2. Dies kommt etwa in Betracht, wenn in der Per­son des Aus­kunfts­be­geh­ren­den die Gefahr begrün­det ist, die­ser wer­de von den ihm offen­bar­ten Tat­sa­chen über den Rechts­streit hin­aus in einer Wei­se Gebrauch machen, die schüt­zens­wer­te wirt­schaft­li­che Inter­es­sen des zur Aus­kunft Ver­pflich­te­ten gefähr­den könn­ten 3. Ande­rer­seits hat der Bun­des­ge­richts­hof – auch in Bezug auf einen Aus­kunfts­an­spruch – ent­schie­den, dass Dritt­be­zie­hun­gen kei­nen aus dem Urteil flie­ßen­den Nach­teil dar­stel­len und des­halb als rei­ne Fern­wir­kung nicht nur für den Streit­ge­gen­stand und die dar­an zu ori­en­tie­ren­de Bemes­sung des Streit­werts, son­dern auch für die Beschwer außer Betracht zu blei­ben haben 4.

Das Rechts­be­schwer­de­ge­richt kann die Bemes­sung der Beschwer nur dar­auf über­prü­fen, ob das Beru­fungs­ge­richt von dem ihm gemäß § 3 ZPO ein­ge­räum­ten Ermes­sen rechts­feh­ler­frei Gebrauch gemacht hat. Danach ist die Beschwer rechts­feh­ler­haft bemes­sen, wenn das Gericht bei der Bewer­tung des Beschwer­de­ge­gen­stands maß­geb­li­che Tat­sa­chen ver­fah­rens­feh­ler­haft nicht berück­sich­tigt oder erheb­li­che Tat­sa­chen unter Ver­stoß gegen sei­ne Auf­klä­rungs­pflicht gemäß § 139 ZPO nicht fest­ge­stellt hat 5.

Auch der Umstand, dass der Klä­ger in einer Pres­se­mit­tei­lung über den Pro­zess berich­tet hat und dies mög­li­cher­wei­se auch zukünf­tig tun wird, führt nicht zu einer Erhö­hung der Beschwer. Damit ist nicht die Gefahr begrün­det, dass von der offen­bar­ten Tat­sa­che über den Rechts­streit hin­aus in einer Wei­se Gebrauch gemacht wird, die schüt­zens­wer­te wirt­schaft­li­che Inter­es­sen des Beklag­ten gefähr­det. Das befürch­te­te Gebrauch­ma­chen erschöpft sich in einer Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit über den Rechts­streit. Der Umstand, dass der Aus­kunfts­pflich­ti­ge sich wegen einer dar­aus fol­gen­den Offen­le­gung des Ver­kaufs­prei­ses gegen­über der Käu­fe­rin mög­li­cher­wei­se scha­dens­er­satz- pflich­tig macht, kann bei der Bemes­sung der Beschwer nicht berück­sich­tigt wer­den. Eine dro­hen­de Scha­dens­er­satz­pflicht betrifft eben­so wie die vom Aus­kunfts­pflich­ti­gen befürch­te­ten Risi­ken für sei­ne zukünf­ti­ge Geschäfts­tä­tig­keit Dritt­be­zie­hun­gen und begrün­det kei­nen unmit­tel­bar aus der Ver­ur­tei­lung zur Aus­kunft flie­ßen­den recht­li­chen Nach­teil; sie kann des­halb bei der Wert­fest­set­zung kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­den 6. Aus einem Haf­tungs­ri­si­ko gegen­über einem am Aus­kunfts­ver­fah­ren nicht betei­lig­ten Drit­ten kann der Beklag­te ein schüt­zens­wer­tes wirt­schaft­li­ches Inter­es­se an einer Geheim­hal­tung gegen­über dem Aus­kunft­be­geh­ren­den nicht her­lei­ten 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. März 2018 – I ZB 97/​17

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 17.11.2014 – I ZB 31/​14, NJW-RR 2015, 1017 Rn. 10 mwN; Beschluss vom 02.06.2016 – I ZA 8/​15; Beschluss vom 13.07.2017 – I ZB 94/​16; zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit die­ser Auf­fas­sung vgl. BVerfG, NJW 1997, 2229[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 15.06.2011 – II ZB 20/​10, NJW 2011, 2974 Rn. 8 mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 28.10.2010 – III ZB 28/​10; BGH, NJW 2011, 2974 Rn. 8 mwN[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 04.07.1997 – V ZR 208/​96, NJW 1997, 3246; Beschluss vom 28.10.2010 – III ZB 28/​10; BGH, NJW 2011, 2974 Rn. 8 mwN[]
  5. vgl. BGH, NJW-RR 2015, 1017 Rn. 11 mwN; BGH, Beschluss vom 02.06.2016 – I ZA 8/​15[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 11.05.2005 – XII ZB 63/​05, NJW 2005, 3349, 3350; Beschluss vom 28.09.2010 – VI ZB 85/​08, VersR 2011, 236 Rn. 7 mwN[]
  7. vgl. BGH, NJW 2005, 3349, 3350[]