Beru­fungs­an­trä­ge

Nach § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 ZPO muss die Beru­fungs­be­grün­dung die Erklä­rung ent­hal­ten, inwie­weit das Urteil ange­foch­ten wird und wel­che Abän­de­run­gen des Urteils bean­tragt wer­den (Beru­fungs­an­trä­ge).

Beru­fungs­an­trä­ge

Ist der Beklag­te in dem ange­foch­te­nen Urteil zur Zah­lung einer bestimm­ten Geld­sum­me ver­ur­teilt wor­den und will er mit der Beru­fung ledig­lich die Her­ab­set­zung auf einen als ange­mes­sen erach­te­ten Betrag errei­chen, muss die Beru­fungs­be­grün­dung ent­we­der durch förm­li­chen Antrag oder als Gan­zes so ein­deu­tig erge­ben, inwie­weit das Urteil ange­foch­ten wird und wel­che Abän­de­run­gen des Urteils bean­tragt wer­den, dass für das Beru­fungs­ge­richt und den Pro­zess­geg­ner ohne wei­te­re Klar­stel­lung ersicht­lich ist, in wel­chen Gren­zen der Rechts­streit von neu­em zu ver­han­deln ist und das Urteil auf Antrag durch Beschluss für vor­läu­fig voll­streck­bar erklärt wer­den müss­te 1.

Die­se Anfor­de­run­gen erfüllt eine Beru­fungs­be­grün­dung nicht, in der fol­gen­de Beru­fungs­an­trä­ge ange­kün­digt wer­den:

  1. Auf die Beru­fung der Beru­fungs­klä­ger zu 1. und zu 2. wird das Urteil des Land­ge­richts Mön­chen­glad­bach vom 11.07.2012, Az. 11 O 6/​09, abge­än­dert.
  2. Die Kla­ge wird inso­weit abge­wie­sen, als der Klä­ge­rin eine höhe­re Abfin­dung als die ihr nach dem Gesell­schafts­ver­trag der Beklag­ten zu 1. geschul­de­te Abfin­dung zuge­spro­chen wird.

Die in der Beru­fungs­be­grün­dung der Beklag­ten ange­kün­dig­ten Anträ­ge las­sen nicht erken­nen, inwie­weit das Urteil ange­foch­ten wird und wel­che Abän­de­run­gen des Urteils bean­tragt wer­den (§ 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 ZPO). Die For­mu­lie­rung des Beru­fungs­an­trags zu 2 ("inso­weit") schließt ein Ver­ständ­nis dahin­ge­hend aus, dass die erst­in­stanz­li­che Ver­ur­tei­lung in vol­lem Umfang nicht hin­ge­nom­men wird und – wie bereits in ers­ter Instanz – die voll­stän­di­ge Abwei­sung der Kla­ge begehrt wird. Ande­rer­seits lässt die For­mu­lie­rung, dass die Abwei­sung der Kla­ge inso­weit begehrt wird, als der Klä­ge­rin eine höhe­re als "die ihr nach dem Gesell­schafts­ver­trag der Beklag­ten zu 1 geschul­de­te Abfin­dung" zuge­spro­chen wird, offen, in wel­cher bezif­fer­ten Höhe die Beklag­ten die Ver­ur­tei­lung in ers­ter Instanz nicht anfech­ten wol­len.

Zwar braucht die Erklä­rung, in wel­chem Umfang und mit wel­chem Ziel das erst­in­stanz­li­che Urteil ange­foch­ten wer­den soll, nicht not­wen­dig in einem förm­li­chen; vom übri­gen Inhalt der Begrün­dungs­schrift abge­setz­ten, bestimmt gefass­ten Antrag nie­der­ge­legt zu wer­den. Viel­mehr reicht es aus, wenn sich Umfang und Ziel des Rechts­mit­tels aus den inner­halb der Begrün­dungs­frist ein­ge­reich­ten Schrift­sät­zen des Beru­fungs­klä­gers ihrem gesam­ten Inhalt nach ein­deu­tig erge­ben 2. Eine sol­che Ein­gren­zung lässt sich der Beru­fungs­be­grün­dung der Beklag­ten indes nicht ent­neh­men.

Die Beklag­ten, die die Ansicht des Land­ge­richts, die Rege­lun­gen des § 16 des Gesell­schafts­ver­trags sei­en alle­samt unwirk­sam, als tat­säch­lich und recht­lich feh­ler­haft angrei­fen, stel­len in ihrer Beru­fungs­be­grün­dung aus­drück­lich nicht in Fra­ge, dass sie der Klä­ge­rin eine Abfin­dung schul­den. Deren Höhe ste­he aber der­zeit noch nicht fest. Denk­bar sei eine Abfin­dung in Höhe der Hälf­te des Buch­werts, in Höhe der Hälf­te des Ver­kehrs­werts oder in Höhe einer erst noch fest­zu­stel­len­den gera­de noch zuläs­si­gen Höhe. Ihr Begeh­ren gehe dahin, dass das Urteil nur inso­weit abge­än­dert und die Kla­ge nur inso­weit abge­wie­sen wer­de, als der Klä­ge­rin mehr als die ihr nach dem Gesell­schafts­ver­trag geschul­de­te, gera­de noch zuläs­si­ge Abfin­dung zuge­spro­chen wer­de. Die­se Abfin­dung kön­ne die Hälf­te des Buch­werts oder die Hälf­te des Ver­kehrs­werts des Anteils der Klä­ge­rin zum 31.12 2007 oder ein ande­rer, unter dem Ver­kehrs­wert lie­gen­der, gera­de noch zuläs­si­ger Betrag sein.

Dar­aus geht ein­deu­tig her­vor, dass die Beklag­ten nicht die voll­stän­di­ge Abwei­sung der Kla­ge ver­lan­gen. Der Inhalt die­ser Anga­ben lässt jedoch, wie das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend aus­ge­führt hat, nicht hin­rei­chend erken­nen, inwie­weit die Beklag­ten das Urteil des Land­ge­richts anfech­ten, in wel­chem Umfan­ge sie also eine Abwei­sung der Kla­ge errei­chen wol­len. Der Beru­fungs­be­grün­dung kann ins­be­son­de­re auch nicht mit der erfor­der­li­chen Deut­lich­keit ent­nom­men wer­den, dass die Beklag­ten eine Ver­ur­tei­lung in Höhe der Hälf­te des Ver­kehrs­werts hin­neh­men und das land­ge­richt­li­che Urteil nur in Höhe der Hälf­te des zuer­kann­ten Betrags anfech­ten wol­len. Es reicht zur Bestim­mung des Umfangs der Anfech­tung nicht schon aus, dass der Beru­fungs­klä­ger eini­ge Argu­men­te vor­trägt, die mög­li­cher­wei­se die Höhe des in ers­ter Instanz zuge­spro­che­nen Anspruchs in Fra­ge stel­len könn­ten, es aber dem Gericht und dem Pro­zess­geg­ner über­lässt zu ermit­teln, wel­cher Beru­fungs­an­trag unter Berück­sich­ti­gung die­ser Argu­men­te sinn­vol­ler­wei­se zu stel­len wäre 3. Die Beklag­ten haben inner­halb der Begrün­dungs­frist weder einen bezif­fer­ten Abfin­dungs­be­trag genannt, den sie zu leis­ten bereit sind, noch haben sie ange­ge­ben, wel­chen Streit­wert sie ihrem Rechts­mit­tel bei­mes­sen 4.

Soweit hier­ge­gen aus­ge­führt wird, die Beklag­ten hät­ten sich an einer kon­kre­ten Bezif­fe­rung des nach § 16 Nr. 1 Satz 1 und 2 des Gesell­schafts­ver­trags geschul­de­ten Betrags man­gels Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts zum Buch­wert im Sin­ne des § 16 Nr. 1 Satz 1 des Gesell­schafts­ver­trags gehin­dert gese­hen, ver­kennt sie, dass es gemäß § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 ZPO dem Beru­fungs­füh­rer obliegt, den Umfang und das Ziel sei­nes gegen die Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung einer bestimm­ten Geld­sum­me gerich­te­ten Rechts­mit­tels auch betrags­mä­ßig hin­rei­chend bestimmt zu bezeich­nen, wenn er ledig­lich die Her­ab­set­zung des Zah­lungs­be­trags errei­chen will. In wel­chem Umfang die Klä­ge­rin die Dar­le­gungs- und Beweis­last für Tat­sa­chen trägt, aus denen sie ihren Kla­ge­an­spruch her­lei­tet, ist inso­weit ohne Belang.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. März 2014 – II ZB 3/​13

  1. BGH, Urteil vom 29.01.1987 – IX ZR 36/​86, NJW 1987, 1335, 1336; Beschluss vom 15.07.1998 – XII ZB 39/​97, Fam­RZ 1998, 1576 7; zustim­mend Saenger/​Wöstmann, ZPO, 5. Aufl., § 520 Rn. 17; Musielak/​Ball, ZPO, 10. Aufl., § 520 Rn. 21; Zöller/​Heßler, ZPO, 30. Aufl., § 520 Rn. 28[]
  2. BGH, Urteil vom 29.01.1987 – IX ZR 36/​86, NJW 1987, 1335, 1336; Beschluss vom 13.11.1991 – VIII ZB 33/​91, NJW 1992, 698; Urteil vom 22.03.2006 – VIII ZR 212/​04, NJW 2006, 2705 Rn. 8; Beschluss vom 15.12 2009 – XI ZB 36/​09, NJW-RR 2010, 424 Rn. 9[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 15.07.1998 – XII ZB 39/​97, Fam­RZ 1998, 1576 9[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 29.01.1987 – IX ZR 36/​86, NJW 1987, 1335, 1336[]
  5. BGH, Beschluss vom 01.03.1993 – II ZR 179/​91, NJW 1993, 1715[]