Beru­fungs­be­grün­dung – und die Aus­ein­an­der­set­zung mit den erst­in­stanz­li­chen Urteils­grün­den

Für die erfor­der­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit den Urteils­grün­den der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung reicht es nicht aus, die tat­säch­li­che oder recht­li­che Wür­di­gung durch das Arbeits­ge­richt mit for­mel­haf­ten Wen­dun­gen zu rügen und ledig­lich auf das erst­in­stanz­li­che Vor­brin­gen zu ver­wei­sen oder die­ses zu wie­der­ho­len [1].

Beru­fungs­be­grün­dung – und die Aus­ein­an­der­set­zung mit den erst­in­stanz­li­chen Urteils­grün­den

Nach § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO muss die Beru­fungs­be­grün­dung die Umstän­de bezeich­nen, aus denen sich die Rechts­ver­let­zung durch das ange­foch­te­ne Urteil und deren Erheb­lich­keit für das Ergeb­nis der Ent­schei­dung ergibt. Danach genügt eine Beru­fungs­be­grün­dung nur dann den Anfor­de­run­gen des § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 bis 4 ZPO i. V. m. § 64 Abs. 6 ArbGG, wenn sie erken­nen lässt, in wel­chen Punk­ten tat­säch­li­cher oder recht­li­cher Art das ange­foch­te­ne Urteil nach Ansicht des Beru­fungs­klä­gers unrich­tig ist und auf wel­chen Grün­den die­se Ansicht im Ein­zel­nen beruht. Eine schlüs­si­ge, recht­lich halt­ba­re Begrün­dung kann zwar nicht ver­langt wer­den, doch muss die Beru­fungs­be­grün­dung auf den zur Ent­schei­dung ste­hen­den Fall zuge­schnit­ten sein und sich mit den recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Argu­men­ten des ange­foch­te­nen Urteils befas­sen, wenn sie die­se bekämp­fen will [2].

Erfor­der­lich ist eine hin­rei­chen­de Dar­stel­lung der Grün­de, aus denen sich die Rechts­feh­ler­haf­tig­keit der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung erge­ben soll. Die Rege­lung des § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO soll gewähr­leis­ten, dass der Rechts­streit für die Beru­fungs­in­stanz durch eine Zusam­men­fas­sung und Beschrän­kung des Rechts­stoffs aus­rei­chend vor­be­rei­tet wird. Des­halb hat der Beru­fungs­klä­ger die Beur­tei­lung des Streit­falls durch den Erstrich­ter zu über­prü­fen und dar­auf hin­zu­wei­sen, in wel­chen Punk­ten und aus wel­chen Grün­den er das ange­foch­te­ne Urteil für unrich­tig hält [3]. Für die erfor­der­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit den Urteils­grün­den der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung reicht es dem­nach nicht aus, die tat­säch­li­che oder recht­li­che Wür­di­gung durch das Arbeits­ge­richt mit for­mel­haf­ten Wen­dun­gen zu rügen und ledig­lich auf das erst­in­stanz­li­che Vor­brin­gen zu ver­wei­sen oder die­ses zu wie­der­ho­len [4]

Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig ‑Hol­stein, Urteil vom 11. Mai 2017 – 5 Sa 287/​16

  1. BAG, Urteil vom 14.03.2017- 9 AZR 633/​15, Rn. 11[]
  2. st. Recht­spre­chung des BAG, vgl. nur: BAG, Urteil vom vom 19.10.2010 – 6 AZR 118/​10; BAG, Urteil vom 19.02.2013 – 9 AZR 543/​11; BAG, Urteil vom 15.03.2011 – 9 AZR 813/​09[]
  3. BAG, Urteil vom 19.02.2013 – 9 AZR 543/​11, Rz. 14 m.w.N.[]
  4. BAG, Urteil vom 14.03.2017 – 9 AZR 633/​15, Rn. 11[]