Beru­fungs­be­grün­dung – durch Ver­weis auf die erst­in­stanz­li­che Argu­men­ta­ti­on

Eine Beru­fung ist gemäß § 522 Abs. 1 Satz 2, § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO mit der Begrün­dung als unzu­läs­sig zu ver­wer­fen, wenn die Beru­fungs­be­grün­dung nicht die Umstän­de bezeich­net, aus denen sich nach Ansicht des Beru­fungs­klä­gers die Rechts­ver­let­zung und deren Erheb­lich­keit für die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung ergibt.

Beru­fungs­be­grün­dung – durch Ver­weis auf die erst­in­stanz­li­che Argu­men­ta­ti­on

Es ist aus­rei­chend, wenn die Rechts­mit­tel­schrift erken­nen lässt, aus wel­chen tat­säch­li­chen und recht­li­chen Grün­den die Klä­ge­rin das ange­foch­te­ne Urteil für unrich­tig gehal­ten hat, und zur Dar­le­gung der Feh­ler­haf­tig­keit die Umstän­de mit­teilt, die das vor­ge­nann­te Urteil aus ihrer Sicht in Fra­ge stel­len [1].

Zwar reicht es inso­weit nicht aus, der Auf­fas­sung des Erst­ge­richts mit einem Ver­weis auf das Vor­brin­gen ers­ter Instanz ent­ge­gen­zu­tre­ten [2]. In Anbe­tracht der auf weni­ge Zei­len beschränk­ten und die Kom­ple­xi­tät der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­ge nahe­zu voll­stän­dig über­ge­hen­den Ent­schei­dungs­grün­de des erst­in­stanz­li­chen Urteils führt das Fest­hal­ten der Klä­ge­rin an ihrer in die­sem Urteil zurück­ge­wie­se­nen Rechts­an­sicht jedoch nicht zur Unzu­läs­sig­keit der Beru­fung, auch wenn die Beru­fungs­be­grün­dung ledig­lich auf die bereits in ers­ter Instanz (aus­führ­lich) vor­ge­tra­ge­nen recht­li­chen Argu­men­te Bezug nimmt, ohne die­se aus­drück­lich zu wie­der­ho­len [3].

Auch ver­weist im hier ent­schie­de­nen Fall die Beru­fungs­be­grün­dung zusätz­lich auf ein nach Erlass des ange­foch­te­nen erst­in­stanz­li­chen Urteils ergan­ge­nes (rechts­kräf­ti­ges) Urteil einer ande­ren Beru­fungs­zi­vil­kam­mer des Land­ge­richts Ber­lin, wel­che die Beur­tei­lung des hier ange­foch­te­nen amts­ge­richt­li­chen Urteils in Fra­ge stellt und die von der Klä­ge­rin ver­tre­te­ne Rechts­an­sicht [4] unter­mau­ert.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Mai 2020 – VIII ZR 58/​19

  1. zu die­sen Anfor­de­run­gen vgl. BGH, Beschluss vom 13.06.2017 – VIII ZB 7/​16 12 mwN; sie­he auch BGH, Urteil vom 29.04.2020 – VIII ZR 31/​18, unter – II 1 b, zur Ver­öf­fent­li­chung in BGHZ bestimmt[]
  2. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 11.02.2020 – VI ZB 54/​19, NJW-RR 2020, 503 Rn. 5 mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 07.06.2018 – I ZB 57/​17, NJW 2018, 2894 Rn. 10; vom 26.07.2007 – VII ZR 197/​06, NJW 2007, 3070 Rn. 3; jeweils mwN[]
  4. mit ein­ge­hen­der Begrün­dung[]