Beru­fungs­be­grün­dung – for­mu­lar­mä­ßi­ge Sät­ze und all­ge­mei­ne Rede­wen­dun­gen

Nach § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO muss die Beru­fungs­be­grün­dung die Umstän­de bezeich­nen, aus denen sich nach Ansicht des Beru­fungs­klä­gers die Rechts­ver­let­zung und deren Erheb­lich­keit für die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung erge­ben.

Beru­fungs­be­grün­dung – for­mu­lar­mä­ßi­ge Sät­ze und all­ge­mei­ne Rede­wen­dun­gen

Da die Beru­fungs­be­grün­dung erken­nen las­sen soll, aus wel­chen tat­säch­li­chen und recht­li­chen Grün­den der Beru­fungs­klä­ger das Beru­fungs­ur­teil für unrich­tig hält, hat er die­je­ni­gen Punk­te recht­li­cher Art dar­zu­le­gen, die er für unzu­tref­fend ansieht, und dazu die Grün­de anzu­ge­ben, aus denen er die Feh­ler­haf­tig­keit die­ser Punk­te und deren Erheb­lich­keit für die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung her­lei­tet1.

Dabei reicht es nicht aus, die Auf­fas­sung des Erst­ge­richts mit for­mu­lar­mä­ßi­gen Sät­zen oder all­ge­mei­nen Rede­wen­dun­gen zu rügen oder ledig­lich auf das Vor­brin­gen ers­ter Instanz zu ver­wei­sen. Erfor­der­lich ist eine aus sich her­aus ver­ständ­li­che Anga­be, wel­che bestimm­ten Punk­te des ange­foch­te­nen Urteils der Beru­fungs­klä­ger wes­halb bekämpft2.

Die­sen Anfor­de­run­gen genüg­te in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall die Beru­fungs­be­grün­dung des Klä­gers nicht: Wie das Beru­fungs­ge­richt rechts­feh­ler­frei aus­ge­führt hat, setzt sich die Beru­fungs­be­grün­dung des Klä­gers mit kei­ner der vom Land­ge­richt gegen die Argu­men­ta­ti­on des Klä­gers in der Kla­ge­schrift gesetz­ten recht­li­chen Erwä­gun­gen aus­ein­an­der. Viel­mehr geht sie auf die Gegen­ar­gu­men­te des Land­ge­richts über­haupt nicht ein. Damit fehlt es, wie das Beru­fungs­ge­richt im Ein­zel­nen mit sorg­fäl­ti­ger Begrün­dung und in Ein­klang mit der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung her­aus­ge­ar­bei­tet hat, an einer aus sich her­aus ver­ständ­li­chen Dar­le­gung, in wel­chen Punk­ten und aus wel­chen Grün­den der Klä­ger das land­ge­richt­li­che Urteil für unrich­tig hält.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Janu­ar 2019 – XI ZB 9/​18

  1. BGH, Beschlüs­se vom 27.05.2008 – XI ZB 41/​06, WM 2008, 1810 Rn. 11; vom 12.05.2009 – XI ZB 21/​08 13; vom 01.03.2011 – XI ZB 26/​08 11; und vom 11.10.2016 – XI ZB 32/​15, NJW-RR 2017, 365 Rn. 9; BGH, Beschluss vom 07.06.2018 – I ZB 57/​17, NJW 2018, 2894 Rn. 5, jeweils mwN []
  2. BGH, Beschluss vom 23.10.2012 – XI ZB 25/​11, NJW 2013, 174 Rn. 10; BGH, Beschlüs­se vom 14.07.2016 – IX ZB 104/​15, NJW-RR 2016, 1269 Rn. 7; und vom 07.06.2018 – I ZB 57/​17, NJW 2018, 2894 Rn. 5, jeweils mwN []