Beru­fungs­be­grün­dungs­frist – Fris­ten­kon­trol­le und Post­aus­gangs­kon­trol­le

Der Rechts­an­walt muss prü­fen, ob die Beru­fungs­be­grün­dungs­frist rich­tig notiert ist, wenn ihm die Hand­ak­ten zur Anfer­ti­gung der Beru­fungs­schrift vor­ge­legt wer­den; dabei darf er sich grund­sätz­lich auf die Prü­fung der Ver­mer­ke in den Hand­ak­ten beschrän­ken 1. Dabei genügt die Anbrin­gung ent­spre­chen­der Ver­mer­ke auf dem jewei­li­gen Schrift­stück den an eine ord­nungs­ge­mä­ße Orga­ni­sa­ti­on des Fris­ten­we­sens zu stel­len­den Anfor­de­run­gen 2.

Beru­fungs­be­grün­dungs­frist – Fris­ten­kon­trol­le und Post­aus­gangs­kon­trol­le

So sieht es der Bun­des­ge­richts­hof als aus­rei­chend an, wenn in den Hand­ak­ten die Frist zur Beru­fungs­be­grün­dung zutref­fend ein­ge­tra­gen und die notier­te Frist eben­so wie die Vor­frist mit einem Erle­di­gungs­ver­merk ver­se­hen ist. Dass die Vor­frist trotz des Erle­di­gungs­ver­merks nicht im Fris­ten­ka­len­der ein­ge­tra­gen war, war für den Rechts­an­walt dann nicht erkenn­bar, als ihm die Hand­ak­ten zur Fer­ti­gung der Beru­fungs­schrift vor­ge­legt wur­den; Zwei­fel an der Rich­tig­keit des Erle­di­gungs­ver­merks muss­ten sich ihm nicht auf­drän­gen.

Gleich­wohl kann, wie sich an der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs zeigt, die Ver­säu­mung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist auf einem Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den des Rechts­an­walts bei der Aus­gangs­kon­trol­le (§ 233 ZPO) beru­hen, wel­che der von dem Anwalt ver­tre­te­nen Par­tei nach § 85 Abs. 2 ZPO zuzu­rech­nen ist:

Zu den Auf­ga­ben des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten gehört es unter ande­rem, dafür Sor­ge zu tra­gen, dass ein frist­ge­bun­de­ner Schrift­satz recht­zei­tig erstellt wird und inner­halb der Frist bei dem zustän­di­gen Gericht ein­geht. Zu die­sem Zweck muss der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te eine Aus­gangs­kon­trol­le schaf­fen, durch die zuver­läs­sig gewähr­leis­tet wird, dass frist­wah­ren­de Schrift­sät­ze auch tat­säch­lich recht­zei­tig hin­aus­ge­hen. Zu einer wirk­sa­men Aus­gangs­kon­trol­le gehört die Anord­nung, dass die Erle­di­gung frist­ge­bun­de­ner Sachen am Abend jeden Arbeits­ta­ges anhand des Fris­ten­ka­len­ders über­prüft wird 3. Dass im Büro des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers eine ent­spre­chen­de Anord­nung bestand, lässt sich dem Vor­brin­gen im Wie­der­ein­set­zungs­ver­fah­ren nicht ent­neh­men. Die vor­ge­leg­te "All­ge­mei­ne Dienst­an­wei­sung für den Kanz­lei­be­trieb" vom 04.02.2008 ent­hält dazu nichts. Dass es dar­über hin­aus all­ge­mei­ne münd­li­che Anwei­sun­gen zur Aus­gangs­kon­trol­le gege­ben oder der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers der Kanz­lei­an­ge­stell­ten eine den oben genann­ten Anfor­de­run­gen ent­spre­chen­de kon­kre­te Ein­zel­an­wei­sung zur Über­wa­chung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist erteilt hät­te, hat der Klä­ger im Wie­der­ein­set­zungs­ge­such nicht vor­ge­tra­gen.

Die unzu­rei­chen­de Orga­ni­sa­ti­on der Aus­gangs­kon­trol­le im Büro des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers war kau­sal für das Frist­ver­säum­nis, denn es ist anzu­neh­men, dass die noch offe­ne Beru­fungs­be­grün­dungs­frist am Abend des 6.08.2013 bei der Kon­trol­le des Fris­ten­ka­len­ders auf­ge­fal­len wäre. Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers hät­te in die­sem Fall noch recht­zei­tig einen (erst­ma­li­gen) Antrag auf Ver­län­ge­rung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist stel­len und die (ver­län­ger­te) Frist in der Fol­ge­zeit wah­ren kön­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. März 2014 – VIII ZB 55/​13 -

  1. BGH, Beschlüs­se vom 27.11.2013 – XII ZB 116/​13, Fam­RZ 2014, 284 Rn. 7; vom 12.11.2013 – II ZB 17/​12, WM 2014, 422 Rn. 15; vom 23.01.2013 – XII ZB 167/​11, NJW-RR 2013, 1010 Rn. 11; vom 08.02.2010 – II ZB 10/​09 7; vom 22.01.2008 – VI ZB 46/​07, NJW 2008, 1670 Rn. 6[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 12.11.2013 – II ZB 17/​12, aaO Rn. 16; vom 26.01.2009 – II ZB 6/​08, NJW 2009, 1083 Rn. 11[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 16.02.2010 – VIII ZB 76/​09, NJW 2010, 1378 Rn. 7; vom 12.04.2011 – VI ZB 6/​10, NJW 2011, 2051 Rn. 7; vom 17.01.2012 – VI ZB 11/​11, NJW-RR 2012, 427 Rn. 9; Münch­Komm-ZPO/Gehr­lein, 4. Aufl., § 233 Rn. 66; jeweils mwN[]