Beru­fungs­be­schwer – und ihre Glaub­haft­ma­chung

Die Beru­fungs­be­schwer kann mit allen im Rah­men von § 286 Abs. 1 ZPO zur Füh­rung des Voll­be­wei­ses zuge­las­se­nen Beweis­mit­teln, soweit prä­sent, glaub­haft gemacht wer­den. Dazu kön­nen auch die blo­ßen Erklä­run­gen des Beru­fungs­klä­gers bei sei­ner Anhö­rung vor dem Tatrich­ter gehö­ren, selbst wenn sie außer­halb einer förm­li­chen Par­tei­ver­neh­mung erfolgt sind.

Beru­fungs­be­schwer – und ihre Glaub­haft­ma­chung

Nach § 511 Abs. 2 ZPO ist die Beru­fung gegen die im ers­ten Rechts­zug erlas­se­nen End­ur­tei­le nur zuläs­sig, wenn der Wert des Beschwer­de­ge­gen­stan­des 600 € über­steigt (Nr. 1) oder das Gericht des ers­ten Rechts­zu­ges die Beru­fung im Urteil zuge­las­sen hat (Nr. 2). Da hier das Land­ge­richt die Beru­fung nicht zuge­las­sen hat, kommt es dar­auf an, ob der Wert des Beschwer­de­ge­gen­stan­des den genann­ten Schwel­len­be­trag von 600 € über­steigt.

Die Bemes­sung der Beru­fungs­be­schwer steht gemäß §§ 2, 3 ZPO im frei­en Ermes­sen des Beru­fungs­ge­richts, das dabei nicht an den in ers­ter Instanz fest­ge­setz­ten Streit­wert gebun­den ist 1.

Der vom Beru­fungs­ge­richt ange­nom­me­ne Wert kann zudem von der Revi­si­ons­in­stanz nur beschränkt dar­auf über­prüft wer­den, ob das Beru­fungs­ge­richt, etwa weil es bei der Aus­übung sei­nes Ermes­sens die in Betracht zu zie­hen­den Umstän­de nicht umfas­send berück­sich­tigt 2, die Gren­zen des Ermes­sens über­schrit­ten oder von dem Ermes­sen in einer dem Zweck der Ermäch­ti­gung nicht ent­spre­chen­den Wei­se Gebrauch gemacht hat 3.

Die Beschwer bemisst sich nach dem wirt­schaft­li­chen Inter­es­se der in der ers­ten Instanz unter­le­ge­nen Par­tei am Erfolg ihres Rechts­mit­tels 4. Die­ses Inter­es­se wie­der­um wird durch den Umfang der pro­zes­sua­len Rechts­kraft­wir­kung bestimmt, die das Urteil haben wür­de, wenn es nicht ange­foch­ten wer­den könn­te 5.

Es begeg­net für den Bun­des­ge­richts­hof kei­nen recht­li­chen Beden­ken, dass das Beru­fungs­ge­richt zur Glaub­haft­ma­chung der Beschwer (§ 511 Abs. 3 i.V.m. § 294 ZPO) die Anhö­rung des Geschäfts­füh­rers der Klä­ge­rin hat aus­rei­chen las­sen. § 511 Abs. 3 ZPO schließt zur Glaub­haft­ma­chung eines den Wert des Beschwer­de­ge­gen­stan­des von 600 € über­stei­gen­den Betra­ges zwar die eides­statt­li­che Ver­si­che­rung der Par­tei selbst aus, lässt im Übri­gen aber bei vor­aus­ge­setz­ter Prä­senz alle übri­gen für einen Voll­be­weis zuge­las­se­nen Beweis­mit­tel unter Ein­schluss der Par­tei­ver­neh­mung nach § 448 ZPO zu 6. Zu die­sen im Rah­men von § 286 Abs. 1 ZPO zur Füh­rung des Voll­be­wei­ses zuge­las­se­nen Beweis­mit­teln kann bei ent­spre­chen­der Über­zeu­gungs­kraft auch die blo­ße Par­tei­er­klä­rung vor dem Tatrich­ter gehö­ren, selbst wenn sie außer­halb einer förm­li­chen Par­tei­ver­neh­mung erfolgt ist, die­ser aber im kon­kre­ten Beweis­wert um nichts nach­steht 7. Dem­entspre­chend war das Beru­fungs­ge­richt nicht gehin­dert, den Erklä­run­gen des von ihm in der Beru­fungs­ver­hand­lung ange­hör­ten Geschäfts­füh­rers der Klä­ge­rin zur Inan­spruch­nah­me von Betriebs­mit­tel­kre­di­ten und den damit ein­her­ge­hen­den Zins­be­las­tun­gen eine Über­zeu­gungs­kraft bei­zu­mes­sen, die den Maß­stä­ben der von § 511 Abs. 3 ZPO gefor­der­ten Glaub­haft­ma­chung genügt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Novem­ber 2014 – VIII ZR 79/​14

  1. BGH, Beschluss vom 08.05.2012 – VI ZB 1/​11, – VI ZB 2/​11, NJW 2012, 2523 Rn. 10 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 31.03.2010 – XII ZB 130/​09, NJW-RR 2010, 1081 Rn. 10; BGH, Urteil vom 07.03.2001 – IV ZR 155/​00 5 mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 10.04.2014 – V ZB 168/​13 5; BGH, Urtei­le vom 14.11.2007 – VIII ZR 340/​06, aaO Rn. 9; vom 24.06.1999 – IX ZR 351/​98, NJW 1999, 3050 unter III; vom 10.12 1993 – V ZR 168/​92, BGHZ 124, 313, 314 f.[]
  4. BGH, Beschlüs­se vom 10.11.2011 – V ZR 247/​10, GE 2012, 558 Rn. 3; vom 12.10.2011 – XII ZB 127/​11, NJW-RR 2012, 130 Rn. 13; vom 24.11.1994 – GSZ 1/​94, BGHZ 128, 85, 88; jeweils mwN[]
  5. BGH, Beschluss vom 21.04.1961 – V ZR 58/​60, NJW 1961, 1466 unter II; vgl. BGH, Beschluss vom 17.12 2003 – IV ZR 28/​03, WM 2004, 2128 unter – II 1[]
  6. vgl. Münch­Komm-ZPO/Prüt­ting, 4. Aufl., § 294 Rn. 14, 17; Ahrens/​Jestaedt, Der Wett­be­werbs­pro­zess, 7. Aufl., Kap. 47 Rn. 3; Ahrens/​Scharen, aaO, Kap. 50 Rn. 27[]
  7. BGH, Urtei­le vom 16.07.1998 – I ZR 32/​96, NJW 1999, 363 unter – II 2 b bb; vom 14.05.2013 – VI ZR 325/​11, NJW 2013, 2601 Rn. 11; BGH, Beschluss vom 24.06.2003 – VI ZR 327/​02, NJW 2003, 2527 unter 1 b; jeweils mwN[]