Beru­fungs­frist, PKH-Ver­sa­gung – und kei­ne Wie­der­ein­set­zung?

Eine Par­tei, der in ers­ter Instanz Pro­zess­kos­ten­hil­fe bewil­ligt wor­den ist, darf grund­sätz­lich davon aus­ge­hen, dass bei unver­än­der­ten wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen auch in der zwei­ten Instanz ihre Bedürf­tig­keit bejaht wird.

Beru­fungs­frist, PKH-Ver­sa­gung – und kei­ne Wie­der­ein­set­zung?

Die­se Vor­aus­set­zung ist aber dann nicht gege­ben, wenn die Par­tei oder ihr anwalt­li­cher Ver­tre­ter (§ 85 Abs. 2 ZPO) erken­nen kann, dass die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe nicht gege­ben sind. Das gilt ins­be­son­de­re dann, wenn im Hin­blick dar­auf, dass der Par­tei vom Gericht ein ent­spre­chen­der Hin­weis erteilt wor­den ist, ver­nünf­ti­ger­wei­se mit einer Ver­wei­ge­rung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe man­gels Bedürf­tig­keit zu rech­nen ist.

Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand wegen der Ver­säu­mung der Beru­fungs­frist muss inner­halb einer zwei­wö­chi­gen Frist bean­tragt wer­den (§ 234 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Die Frist beträgt einen Monat, wenn die Par­tei ver­hin­dert ist, die Frist zur Begrün­dung der Beru­fung ein­zu­hal­ten (§ 234 Abs. 1 Satz 2 ZPO). Gemäß § 234 Abs. 2 ZPO begin­nen die Fris­ten mit dem Tag zu lau­fen, an dem das Hin­der­nis beho­ben ist.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist eine Rechts­mit­tel- oder Rechts­mit­tel­be­grün­dungs­frist dann nicht schuld­haft ver­säumt, wenn der Rechts­mit­tel­klä­ger inner­halb der Frist Pro­zess­kos­ten­hil­fe bean­tragt hat und auf deren Bewil­li­gung ver­trau­en durf­te 1.

Aller­dings darf eine Par­tei, der – wie hier der Klä­ge­rin – in ers­ter Instanz Pro­zess­kos­ten­hil­fe bewil­ligt wor­den ist, grund­sätz­lich davon aus­ge­hen, dass bei unver­än­der­ten wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen auch in der zwei­ten Instanz ihre Bedürf­tig­keit bejaht wird 2. Die­se Vor­aus­set­zung ist aber dann nicht gege­ben, wenn die Par­tei oder ihr anwalt­li­cher Ver­tre­ter (§ 85 Abs. 2 ZPO) erken­nen kann, dass die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe nicht gege­ben sind 3. Das gilt ins­be­son­de­re dann, wenn im Hin­blick dar­auf, dass der Par­tei vom Gericht ein ent­spre­chen­der Hin­weis erteilt wor­den ist, ver­nünf­ti­ger­wei­se mit einer Ver­wei­ge­rung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe man­gels Bedürf­tig­keit zu rech­nen ist 4. So liegt der Fall hier.

Die Annah­me des Ober­lan­des­ge­richts Naum­burg 5), die Klä­ge­rin hät­te im vor­lie­gen­den Fall schon vor Kennt­nis von der mit Beschluss erfolg­ten Zurück­wei­sung ihres Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trags erken­nen kön­nen und müs­sen, dass die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe nicht gege­ben sind, ist für den Bun­des­ge­richts­hof recht­lich nicht zu bean­stan­den. Die Klä­ge­rin ist näm­lich vom Gericht dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den, dass Pro­zess­kos­ten­hil­fe nicht bewil­ligt wer­den kön­ne, weil nicht aus­zu­schlie­ßen sei, dass ihr gegen­über ihrem Ehe­mann ein Anspruch auf Pro­zess­kos­ten­vor­schuss gemäß § 1360a Abs. 4 Satz 1 BGB zuste­he. Der Hin­weis ent­hielt eine genaue Berech­nung der Höhe des nach Auf­fas­sung des Gerichts in Betracht kom­men­den Anspruchs anhand der Ein­kom­men bei­der Ehe­part­ner. Dass die Beden­ken des Gerichts nicht aus­zu­räu­men waren, muss­te die Klä­ge­rin bzw. deren Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te spä­tes­tens bei Abfas­sung des Schrift­sat­zes vom 19.05.2014 erken­nen, denn die mit die­sem Schrift­satz erfolg­ten Dar­le­gun­gen waren ersicht­lich nicht dazu geeig­net, die Vor­aus­set­zun­gen für einen Anspruch auf Pro­zess­kos­ten­vor­schuss gegen den Ehe­mann der Klä­ge­rin zu ver­nei­nen.

Das Beru­fungs­ge­richt weist zutref­fend dar­auf hin, dass sich die­ser Anspruch auf­grund der von dem Ehe­mann der Klä­ge­rin zu zah­len­den Kran­ken­ver­si­che­rungs­prä­mi­en nur unwe­sent­lich ver­rin­gert. Mit einer Berück­sich­ti­gung der nun­mehr für den Ehe­mann gel­tend gemach­ten, aber nicht näher erläu­ter­ten Kos­ten für dop­pel­te Haus­halts­füh­rung und Fahrt­kos­ten konn­te schon des­halb nicht gerech­net wer­den, weil hier­für nur ein offen­sicht­lich nicht aus­rei­chen­der Beleg bei­gefügt war und es das Gericht zudem bereits in dem zuvor erteil­ten Hin­weis abge­lehnt hat­te, auf Sei­ten des Ehe­man­nes berufs­be­ding­te Auf­wen­dun­gen anzu­er­ken­nen, denn der Ehe­mann bezog sei­ner­zeit Kran­ken­geld und ging kei­ner beruf­li­chen Tätig­keit nach. Bei die­ser Sach­la­ge konn­te die Klä­ge­rin ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de nicht damit rech­nen, dass das Beru­fungs­ge­richt von sei­ner in dem Hin­weis zum Aus­druck gebrach­ten Auf­fas­sung abrü­cken wür­de.

Da die Beru­fung ver­spä­tet ein­ge­legt und begrün­det wor­den ist (§ 517, § 520 Abs. 2 ZPO), hat das OLG Naum­burg daher das Rechts­mit­tel mit Recht als unzu­läs­sig ver­wor­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Janu­ar 2015 – VI ZB 61/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 19.03.2013 – VI ZB 68/​12, aaO mwN[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 23.02.2000 – XII ZB 221/​99, NJW-RR 2000, 1387; vom 23.02.2005 – XII ZB 71/​00, Fam­RZ 2005, 789 8; und vom 17.07.2013 – XII ZB 174/​10, Fam­RZ 2013, 1720 21[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 12.06.2001 – XI ZR 161/​01, BGHZ 148, 66, 69; und vom 17.07.2013 – XII ZB 174/​10, aaO Rn. 16[]
  4. BGH, Beschluss vom 13.01.2010 – XII ZB 108/​09, NJW-RR 2010, 424 Rn. 5[]
  5. OLG Naum­burg, Beschluss vom 29.07.2014 – 1 U 39/​14 (PKH[]