Beru­fungs­um­fang und Beru­fungs­be­grün­dung

Die Beru­fungs­be­grün­dung muss eine aus sich her­aus ver­ständ­li­che Anga­be ent­hal­ten, wel­che bestimm­ten Punk­te des ange­foch­te­nen Urteils der Beru­fungs­klä­ger bekämpft und wel­che tat­säch­li­chen oder recht­li­chen Grün­de er ihnen im Ein­zel­nen ent­ge­gen­setzt.

Beru­fungs­um­fang und Beru­fungs­be­grün­dung

Nach § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO muss die Beru­fungs­be­grün­dung die Umstän­de bezeich­nen, aus denen sich nach Ansicht des Beru­fungs­klä­gers die Rechts­ver­let­zung und deren Erheb­lich­keit für die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung erge­ben; nach § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 ZPO muss sie kon­kre­te Anhalts­punk­te bezeich­nen, die Zwei­fel an der Rich­tig­keit oder Voll­stän­dig­keit der Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen im ange­foch­te­nen Urteil begrün­den und des­halb eine erneu­te Fest­stel­lung gebie­ten. Dazu gehört eine aus sich her­aus ver­ständ­li­che Anga­be, wel­che bestimm­ten Punk­te des ange­foch­te­nen Urteils der Beru­fungs­klä­ger bekämpft und wel­che tat­säch­li­chen oder recht­li­chen Grün­de er ihnen im Ein­zel­nen ent­ge­gen­setzt.

Beson­de­re for­ma­le Anfor­de­run­gen bestehen zwar nicht; auch ist es für die Zuläs­sig­keit der Beru­fung ohne Bedeu­tung, ob die Aus­füh­run­gen in sich schlüs­sig oder recht­lich halt­bar sind.

Die Beru­fungs­be­grün­dung muss aber auf den kon­kre­ten Streit­fall zuge­schnit­ten sein. Es reicht nicht aus, die Auf­fas­sung des Erst­ge­richts mit for­mu­lar­mä­ßi­gen Sät­zen oder all­ge­mei­nen Rede­wen­dun­gen zu rügen oder ledig­lich auf das Vor­brin­gen ers­ter Instanz zu ver­wei­sen [1].

Ein taug­li­cher Beru­fungs­an­griff kann auch nicht dar­in erblickt wer­den, dass die Beru­fungs­be­grün­dung gel­tend macht, das erst­in­stanz­li­che Gericht habe trotz Hin­weis­pflicht gemäß § 139 ZPO kei­nen wei­te­ren ergän­zen­den Vor­trag gefor­dert. Die Rüge eines Ver­sto­ßes gegen § 139 ZPO und/​oder Art. 103 Abs. 1 GG ist näm­lich nur dann in aus­rei­chen­der Wei­se erho­ben, wenn dar­ge­legt wird, was auf einen ent­spre­chen­den Hin­weis vor­ge­tra­gen wor­den wäre [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. März 2015 – VI ZB 6/​14

  1. st. Rspr., vgl. Bun­des­ge­richts­hof, Beschlüs­se vom 11.03.2014 – VI ZB 22/​13, VersR 2014, 895 Rn. 8 f.; vom 27.01.2015 – VI ZB 40/​14; vom 10.02.2015 – VI ZB 26/​14, z.V.b.; BGH, Beschlüs­se vom 13.09.2012 – III ZB 24/​12, NJW 2012, 3581 Rn. 8 f.; vom 23.10.2012 – XI ZB 25/​11, NJW 2013, 174 Rn. 10; vom 22.05.2014 – IX ZB 46/​12, jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 27.01.2015 – VI ZB 40/​14, Rn. 12; BGH, Beschluss vom 22.05.2014 – IX ZB 46/​12 10; Zöller/​Greger, ZPO, 30. Aufl., § 139 Rn.20 mwN[]