Beru­fungs­ur­teil und Beru­fungs­an­trä­ge

Im Beru­fungs­ur­teil ist neben einer Bezug­nah­me nach § 540 Abs. 1 Nr. 1 ZPO grund­sätz­lich die min­des­tens sinn­ge­mä­ße Wie­der­ga­be der Beru­fungs­an­trä­ge erfor­der­lich1. Sie ist aus­nahms­wei­se ent­behr­lich, wenn sich dem Gesamt­zu­sam­men­hang der Grün­de das Begeh­ren des Beru­fungs­füh­rers noch mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit ent­neh­men lässt.

Beru­fungs­ur­teil und Beru­fungs­an­trä­ge

§ 540 Abs. 1 Nr. 1 ZPO bestimmt die erfor­der­li­chen Min­destan­ga­ben im Beru­fungs­ur­teil. Zwar reicht nach die­ser Bestim­mung zur Dar­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Sach- und Streit­stands die Bezug­nah­me auf die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des ange­foch­te­nen Urteils aus. Die­se kann sich jedoch nicht auf die erst in zwei­ter Instanz gestell­ten Beru­fungs­an­trä­ge erstre­cken, deren min­des­tens sinn­ge­mä­ße Wie­der­ga­be des­halb erfor­der­lich ist2. Ohne die­se Wie­der­ga­be lei­det das Beru­fungs­ur­teil regel­mä­ßig an einem von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen­den Ver­fah­rens­man­gel, der zur Auf­he­bung und Zurück­ver­wei­sung füh­ren muss3.

Die­se ist im vor­lie­gen­den Fall aus­nahms­wei­se ent­behr­lich, obwohl eine auch nur sinn­ge­mä­ße Wie­der­ga­be der Beru­fungs­an­trä­ge in Abschnitt I der Grün­de des Beru­fungs­ur­teils fehlt. Jedoch lässt sich dem Ein­lei­tungs­satz in Abschnitt II der Grün­de noch mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit ent­neh­men, dass die Beklag­te mit ihrer Beru­fung die Abän­de­rung des ange­foch­te­nen Urteils4 und Kla­ge­ab­wei­sung erstrebt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Mai 2011 – IV ZR 59/​09

  1. Bestä­ti­gung von BGHZ 154, 99 []
  2. BGH, Urteil vom 26.02.2003 – VIII ZR 262/​02, BGHZ 154, 99, 101; Zöller/​Heßler, ZPO 28. Aufl. § 540 Rn. 8 m.w.N. []
  3. BGH aaO []
  4. nicht Auf­he­bung, vgl. § 528 Satz 2 ZPO []