Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung beim Old­ti­mer-Kauf

Wird ein Kraft­fahr­zeug, das kurz zuvor eine soge­nann­te "Old­tim­erzu­las­sung" erhal­ten hat, mit der Klau­sel "posi­ti­ve Begut­ach­tung nach § 21c StVZO (Old­ti­mer) im Ori­gi­nal" ver­kauft, liegt dar­in eine Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung, dass sich das Fahr­zeug in einem Zustand befin­det, der die erteil­te posi­ti­ve Begut­ach­tung als Old­ti­mer (vgl. jetzt § 23 StVZO) recht­fer­tigt 1.

Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung beim Old­ti­mer-Kauf

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te sich aktu­ell mit der Fra­ge zu befas­sen, ob die in einem Kauf­ver­trag ent­hal­te­ne Klau­sel "posi­ti­ve Begut­ach­tung nach § 21c StVZO (Old­ti­mer) im Ori­gi­nal" eine Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung dar­stellt, mit der der Ver­käu­fer die Gewähr dafür über­nimmt, dass sich das Fahr­zeug in einem die Ertei­lung der TÜV-Beschei­ni­gung recht­fer­ti­gen­den Zustand befin­det.

Mercedes-Benz_280_SE
Mer­ce­des-Benz 280 SE /​9 3.5 Bau­jahr 04/​1972
147 kW (200 PS)
[© KlugesMarketing/​Wikimedia]
Hin­ter­grund war ein Fall aus dem Ruhr­ge­biet: Der Klä­ger erwarb von der Beklag­ten, einer Auto­händ­le­rin, am 6. Dezem­ber 2005 zu einem Preis von 17.900 € einen Daim­ler Benz 280 SE, der ihm am 10. Dezem­ber 2005 über­ge­ben wur­de. In der dem Kauf­ver­trag zugrun­de lie­gen­den "Ver­bind­li­chen Bestel­lung" ist unter der Rubrik "Aus­stat­tung" aus­ge­führt "posi­ti­ve Begut­ach­tung nach § 21c StVZO (Old­ti­mer) im Ori­gi­nal".

Die Beklag­te hat­te das Fahr­zeug zum Zweck der Begut­ach­tung nach § 21c StVZO aF ("Old­tim­erzu­las­sung") beim TÜV vor­füh­ren las­sen und am 14. Okto­ber 2004 eine gemäß § 21c Abs. 1 Satz 5 StVZO die Haupt­un­ter­su­chung erset­zen­de posi­ti­ve Begut­ach­tung erhal­ten.

Im Sep­tem­ber 2007 wur­de der Klä­ger anläss­lich ver­schie­de­ner durch­zu­füh­ren­der Arbei­ten auf erheb­li­che Durch­ros­tungs­schä­den auf­merk­sam. Ein von ihm ein­ge­schal­te­ter Gut­ach­ter kam zu dem Ergeb­nis, dass mas­si­ve Kor­ro­si­ons­schä­den nicht fach­ge­mäß repa­riert und durch star­ken Auf­trag von Unter­bo­den­schutz kaschiert wor­den sei­en.

Der Klä­ger hat Zah­lung der (nach sei­ner Behaup­tung) für die Her­stel­lung des ver­trags­ge­mä­ßen Zustands des Old­ti­mers erfor­der­li­chen Kos­ten in Höhe von 34.344,75 € nebst Zin­sen ver­langt. Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Bochum hat der Kla­ge in Höhe von 33.300 € statt­ge­ge­ben und sie im Übri­gen abge­wie­sen 2. Auf die Beru­fung der beklag­ten Auto­händ­le­rin hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm das erst­in­stanz­li­che Urteil teil­wei­se abge­än­dert und die Kla­ge ins­ge­samt abge­wie­sen 3, da sich nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts die von der beklag­ten Auto­händ­le­rin bezüg­lich der "Old­tim­erzu­las­sung" über­nom­me­ne Ver­pflich­tung dar­auf beschrän­ke, dem Klä­ger die TÜV-Beschei­ni­gung im Ori­gi­nal aus­zu­hän­di­gen.

Die vom Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­ne Revi­si­on des Klä­gers hat­te jetzt vor dem Bun­des­ge­richts­hof Erfolg. Für den Bun­des­ge­richts­hof stell­te die Klau­sel "posi­ti­ve Begut­ach­tung nach § 21c StVZO (Old­ti­mer) im Ori­gi­nal" eine Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung dar. Die Ver­trags­par­tei­en haben dadurch ver­ein­bart, dass sich das Fahr­zeug in einem Zustand befin­det, der die Ertei­lung einer ent­spre­chen­den TÜV-Beschei­ni­gung recht­fer­tigt. Denn es ent­spricht dem – für den Ver­käu­fer erkenn­ba­ren – Inter­es­se des Käu­fers, dass die­se amt­li­che Beschei­ni­gung zu Recht erteilt wur­de, dass also der Zustand des Fahr­zeugs hin­sicht­lich der Ver­kehrs­si­cher­heit und der weit­ge­hend ori­gi­na­len Beschaf­fen­heit die Ertei­lung der "Old­tim­erzu­las­sung" recht­fer­tigt.

Da der Wagen wegen mas­si­ver Durch­ros­tun­gen an Rad­häu­sern und Innen­schwel­lern nicht fahr­be­reit war und die TÜV-Prü­fung daher nicht zu einer Ertei­lung der Beschei­ni­gung hät­te füh­ren dür­fen, hat­te er bei Über­ga­be an den Klä­ger nicht die ver­ein­bar­te Beschaf­fen­heit und war des­halb nicht gemäß § 434 Abs.1 Satz 1 BGB** frei von Sach­män­geln.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat das Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Hamm auf­ge­ho­ben und den Rechts­streit zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ober­lan­des­ge­richt zurück­ver­wie­sen, da die­ses noch kei­ne Fest­stel­lun­gen zur Scha­dens­hö­he getrof­fen hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. März 2013 – VIII ZR 172/​12

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 24.02.1988 – VIII ZR 145/​87, BGHZ 103, 275, 280[]
  2. LG Bochum, Urteil vom 04.09.2009 – I-4 O 73/​08[]
  3. OLG Hamm, Urteil vom 24.04.2012 – I-28 U 197/​09[]