Beschränk­te Revi­si­ons­zu­las­sung – in Arzt­haf­tungs­sa­chen

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann die Zulas­sung der Revi­si­on auf einen tat­säch­lich und recht­lich selb­stän­di­gen Teil des Gesamt­streit­stoffs beschränkt wer­den, der Gegen­stand eines selb­stän­dig anfecht­ba­ren Tei­lo­der Zwi­schen­ur­teils sein oder auf den der Revi­si­ons­klä­ger selbst sei­ne Revi­si­on beschrän­ken könn­te 1.

Beschränk­te Revi­si­ons­zu­las­sung – in Arzt­haf­tungs­sa­chen

Wer­den in Arzt­haf­tungs­sa­chen wie im Streit­fall sowohl Behand­lungs­feh­ler gel­tend gemacht als auch eine unrich­ti­ge oder unzu­rei­chen­de Ein­griffs­auf­klä­rung gerügt, so han­delt es sich bei dem auf Behand­lungs­feh­ler gestütz­ten Scha­dens­er­satz­an­spruch einer­seits und dem auf Auf­klä­rungs­feh­ler gestütz­ten Scha­dens­er­satz­an­spruch ande­rer­seits um der­art selb­stän­di­ge Tei­le des Streit­stoffs. Zwar besteht zwi­schen bei­den Ansprü­chen eine Ver­knüp­fung der­ge­stalt, dass es Ziel des Scha­dens­er­satz­be­geh­rens des Pati­en­ten ist, eine Ent­schä­di­gung für die bei ihm auf­grund der Behand­lung ein­ge­tre­te­nen gesund­heit­li­chen Nach­tei­le zu erlan­gen, doch lie­gen den Haf­tungs­tat­be­stän­den räum­lich und zeit­lich ver­schie­den gela­ger­te Sach­ver­hal­te zugrun­de, an denen unter­schied­li­che Per­so­nen betei­ligt sein kön­nen 2.

Die Zulas­sung der Revi­si­on kann mit­hin auf einen der bei­den Tei­le beschränkt wer­den 3.

Die Beschrän­kung der Revi­si­ons­zu­las­sung kann sich auch aus den Ent­schei­dungs­grün­den erge­ben. Es ent­spricht der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass der Tenor im Lich­te der Ent­schei­dungs­grün­de aus­zu­le­gen und des­halb von einer beschränk­ten Revi­si­ons­zu­las­sung aus­zu­ge­hen ist, wenn sich die Beschrän­kung aus den Grün­den klar ergibt. Das ist regel­mä­ßig dann anzu­neh­men, wenn sich die vom Beru­fungs­ge­richt als zulas­sungs­re­le­vant ange­se­he­ne Fra­ge nur für einen ein­deu­tig abgrenz­ba­ren selb­stän­di­gen Teil des Streit­stoffs stellt 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Janu­ar 2019 – VI ZR 117/​18

  1. vgl. nur BGH, Urteil vom 10.10.2017 – VI ZR 520/​16, NJW 2018, 402 Rn. 8, mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 24.10.2012 – VI ZR 396/​12, GesR 2013, 50, mwN[]
  3. Geiß/​Greiner, Arzt­haft­pflicht­recht, 7. Aufl., Rn. E 26; vgl. fer­ner BGH, Beschlüs­se vom 18.12 2018 – VI ZR 27/​17, juris; vom 09.01.2018 – VI ZR 106/​17, VersR 2018, 1147 Rn. 5 und 20; BGH, Urteil vom 05.12 2006 – VI ZR 228/​05, NJW-RR 2007, 414 Rn. 7[]
  4. BGH, Urteil vom 10.10.2017 – VI ZR 520/​16, NJW 2018, 402 Rn. 9, mwN[]