Beschrän­kung der Rechts­mit­tel­zu­las­sung auf die Zuläs­sig­keit der Kla­ge

Hat das Beru­fungs­ge­richt eine im Tenor sei­nes Urteils ohne Ein­schrän­kung aus­ge­spro­che­ne Zulas­sung der Revi­si­on in den Ent­schei­dungs­grün­den mit der Rechts­grund­sätz­lich­keit der Fra­ge begrün­det, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die ört­li­che Zustän­dig­keit gemäß § 32 ZPO gege­ben ist, so liegt dar­in regel­mä­ßig eine wirk­sa­me Beschrän­kung der Zulas­sung auf die Zuläs­sig­keit der Kla­ge.

Beschrän­kung der Rechts­mit­tel­zu­las­sung auf die Zuläs­sig­keit der Kla­ge

Die Beschrän­kung der Revi­si­ons­zu­las­sung hat zur Fol­ge, dass der Streit­stoff, soweit er von der Zulas­sung nicht erfasst wird, nicht der Prü­fungs­kom­pe­tenz des Revi­si­ons­ge­richts unter­liegt [1].

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann die Zulas­sung der Revi­si­on auf einen tat­säch­lich und recht­lich selb­stän­di­gen Teil des Gesamt­streit­stoffs beschränkt wer­den, der Gegen­stand eines selb­stän­dig anfecht­ba­ren Teil- oder Zwi­schen­ur­teils sein könn­te oder auf den der Revi­si­ons­klä­ger selbst sei­ne Revi­si­on beschrän­ken könn­te [2]. Die Zulas­sung der Revi­si­on kann ins­be­son­de­re auf die Fra­ge der Zuläs­sig­keit der Kla­ge beschränkt wer­den, über die gemäß § 280 ZPO vor­ab durch Zwi­schen­ur­teil ent­schie­den wer­den kann [3].

Von einer der­ar­ti­gen beschränk­ten Revi­si­ons­zu­las­sung ist im vor­lie­gend vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall aus­zu­ge­hen. Zwar ent­hält die Ent­schei­dungs­for­mel des Beru­fungs­ur­teils kei­nen Zusatz, der die dort aus­ge­spro­che­ne Zulas­sung der Revi­si­on ein­schränkt. Die Beschrän­kung der Rechts­mit­tel­zu­las­sung kann sich aber auch aus den Ent­schei­dungs­grün­den erge­ben. Es ent­spricht der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass der Tenor im Lich­te der Ent­schei­dungs­grün­de aus­zu­le­gen und des­halb von einer beschränk­ten Revi­si­ons­zu­las­sung aus­zu­ge­hen ist, wenn sich dies aus den Grün­den der Beschrän­kung klar ergibt. Das ist regel­mä­ßig dann anzu­neh­men, wenn sich die vom Beru­fungs­ge­richt als zulas­sungs­re­le­vant ange­se­he­ne Fra­ge nur für einen ein­deu­tig abgrenz­ba­ren selb­stän­di­gen Teil des Streit­stoffs stellt [4].

Dies ist hier der Fall. Aus den Grün­den des Beru­fungs­ur­teils ergibt sich zwei­fels­frei, dass das Beru­fungs­ge­richt eine die Anru­fung des Revi­si­ons­ge­richts recht­fer­ti­gen­de Rechts­fra­ge nur in der Zuläs­sig­keit der Kla­ge gese­hen hat. Danach ist die Revi­si­on nur wegen der grund­sätz­li­chen Rechts­fra­ge zuge­las­sen wor­den, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die ört­li­che Zustän­dig­keit gemäß § 32 ZPO bei Inter­net­ver­öf­fent­li­chun­gen mit per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zen­den Inhal­ten ohne inter­na­tio­na­len Bezug gege­ben ist. Da die­se Rechts­fra­ge nur für die Zuläs­sig­keit der Kla­ge von Bedeu­tung ist und die Begründ­etheit der Kla­ge hier­von in kei­ner Wei­se berührt wird, besteht kein Zwei­fel, dass sich die Zulas­sung nach dem hier allein maß­ge­ben­den objek­ti­ven Sinn­ge­halt der Urteils­grün­de [5] auf die Fra­ge der Zuläs­sig­keit der Kla­ge beschränkt.

Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Zulas­sung vor­lie­gend ins Lee­re geht, weil die Revi­si­on gemäß §§ 565, 513 Abs. 2 ZPO nicht dar­auf gestützt wer­den kann, dass das Beru­fungs­ge­richt sei­ne Zustän­dig­keit zu Unrecht ange­nom­men habe [6]. Das Beru­fungs­ge­richt hat die in die­sen Vor­schrif­ten ange­ord­ne­te Beschrän­kung der revi­si­ons­recht­li­chen Über­prüf­bar­keit ersicht­lich über­se­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. April 2012 – VI ZR 140/​11

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 13.12.1989 – IVb ZR 19/​89, WM 1990, 784, 786; vom 30.11.1995 – III ZR 240/​94, ZIP 1996, 180, 181; Beschluss vom 15.03.2011 – II ZR 141/​10[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 26.05.2009 – VI ZR 174/​08, VersR 2009, 1269 Rn. 8; vom 19.10.2010 – VI ZR 237/​09, NJW 2011, 155 Rn. 7; BGH, Urteil vom 30.03.2007 – V ZR 179/​06, VersR 2007, 1230 Rn. 6, jeweils mwN[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 23.02.1983 – IVb ZR 359/​81, NJW 1983, 2084, 2085; vom 13.12.1989 – IVb ZR 19/​89, WM 1990, 784, 786; vom 25.02.1993 – III ZR 9/​92, NJW 1993, 1799, inso­weit in BGHZ 121, 367 nicht abge­druckt; vom 05.02.1998 – III ZR 103/​97, NJW 1998, 1138, 1139 f., inso­weit in BGHZ 138, 67 nicht abge­druckt; vom 10.05.2001 – III ZR 262/​00, NJW 2001, 2176, 2177, inso­weit in BGHZ 147, 394 nicht abge­druckt; vom 05.11.2003 – VIII ZR 320/​02, WM 2004, 853; vom 15.03.2011 – II ZR 141/​10[]
  4. vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 26.05.2009 – VI ZR 174/​08, VersR 2009, 1269 Rn. 9; vom 19.10.2010 – VI ZR 237/​09, NJW 2011, 155 Rn. 8; BGH, Urtei­le vom 29.06.1967 – VII ZR 266/​64, BGHZ 48, 134, 136; vom 13.12.1989 – IVb ZR 19/​89, WM 1990, 784, 786; vom 30.03.2007 – V ZR 179/​06, VersR 2007, 1230 Rn. 7; vom 21.01.2010 – I ZR 215/​07, NJW-RR 2010, 909 Rn. 13 f., jeweils mwN[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 29.06.1967 – VII ZR 266/​64, BGHZ 48, 134, 136[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 22.02.2005 – KZR 28/​03, NJW 2005, 1660, 1661 – Bezugs­bin­dung; Beschlüs­se vom 26.06.2003 – III ZR 91/​03, NJW 2003, 2917 f.; vom 16.03.2010 – VIII ZR 341/​09, NJW-RR 2011, 72 Rn. 1 ff.; Musielak/​Ball, ZPO, 9. Aufl., § 565 Rn. 4; Saenger/​Kayser, ZPO, 4. Aufl., § 545 Rn. 14; Münch­Komm-ZPO/­Wen­zel, 3. Aufl., § 545 Rn. 15[]