Beschwer bei einer abge­wie­se­nen Kla­ge auf Män­gel­be­sei­ti­gung

Wird eine Kla­ge auf Män­gel­be­sei­ti­gung abge­wie­sen, so bemisst sich die Beschwer des Klä­gers nach den Kos­ten der Selbst­vor­nah­me.

Beschwer bei einer abge­wie­se­nen Kla­ge auf Män­gel­be­sei­ti­gung

Gemäß § 511 Abs. 2 Nr. 1 ZPO ist die Beru­fung gegen ein Urteil, in dem das Gericht ers­ter Instanz – wie im Streit­fall – die Beru­fung nicht zuge­las­sen hat, nur zuläs­sig, wenn der Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands 600 € über­steigt. Nach § 2 ZPO in Ver­bin­dung mit § 3 ZPO wird der Wert des Beschwer­de­ge­gen­stan­des vom Gericht nach frei­em Ermes­sen fest­ge­setzt.

Bei der Bestim­mung des Wer­tes des Beschwer­de­ge­gen­stands gemäß § 511 Abs. 2 Nr. 1 ZPO ist auf das Inter­es­se des Beru­fungs­klä­gers abzu­stel­len, die durch die Wider­kla­ge­ab­wei­sung ent­stan­de­ne Beschwer zu besei­ti­gen. Sei­ne Beschwer ent­spricht den (vor­aus­sicht­li­chen) Kos­ten für die Besei­ti­gung der gel­tend gemach­ten Män­gel 1, bezo­gen auf den Zeit­punkt des Schlus­ses der münd­li­chen Beru­fungs­ver­hand­lung 2.

Die Erwä­gung, maß­ge­bend sei­en inso­weit die nied­ri­ge­ren Selbst­kos­ten, ist von Rechts­feh­lern beein­flusst. Das Inter­es­se des Beru­fungs­klä­gers geht dahin, einen Titel über die Ver­pflich­tung der Beklag­ten zur Män­gel­be­sei­ti­gung zu erlan­gen. Maß­ge­bend für die Bewer­tung die­ses Inter­es­ses ist nicht der Auf­wand, den die Beklag­te betrei­ben müss­te, um die Män­gel­be­sei­ti­gung durch­zu­füh­ren, son­dern der Wert, den die Män­gel­be­sei­ti­gung für den Beru­fungs­klä­ger hat. Die­ser drückt sich in den Kos­ten aus, die er durch eine nach einer even­tu­el­len Män­gel­be­sei­ti­gung über­flüs­si­gen Selbst­vor­nah­me durch Inan­spruch­nah­me von Dritt­un­ter­neh­mern erspart. Die­se Kos­ten sind iden­tisch mit den Kos­ten, die er durch eine Voll­stre­ckung aus dem Titel gemäß § 887 ZPO bean­spru­chen könn­te.

Soweit dage­gen die Rechts­an­sicht ver­tre­ten wer­den soll­te, das Beru­fungs­ge­richt sei in der Beur­tei­lung des Wer­tes des Beschwer­de­ge­gen­stan­des an die Streit­wert­fest­set­zung ers­ter Instanz gebun­den, wäre dies nicht mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu ver­ein­ba­ren. Bei der Prü­fung, ob der Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands den für eine Wert­be­ru­fung erfor­der­li­chen Betrag von mehr als 600 € erreicht, ist das Beru­fungs­ge­richt nicht an eine Streit­wert­fest­set­zung durch das erst­in­stanz­li­che Gericht gebun­den 3. Es stellt den Wert des Beschwer­de­ge­gen­stan­des viel­mehr im Rah­men der ihm von Amts wegen oblie­gen­den Prü­fung der Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen nach § 522 Abs. 1 Satz 1 ZPO nach eige­nem frei­em Ermes­sen fest.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Febru­ar 2014 – VII ZB 41/​13

  1. BGH, Urteil vom 26.09.1985 – VII ZR 332/​84, NJW 1986, 1110 – zur Beschwer[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 27.08.2009 – VII ZR 161/​08, ZfBR 2010, 64; und vom 08.02.2000 – VI ZR 283/​99, NJW 2000, 1343[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 09.07.2004 – V ZB 6/​04, NJW-RR 2005, 219; vom 16.12 1987 IVb ZB 124/​87, NJW-RR 1988, 836, 837; vom 25.09.1991 – XII ZB 61/​91, Fam­RZ 1992, 169, 170; Urtei­le vom 20.10.1997 – II ZR 334/​96, NJW-RR 1998, 573; vom 24.04.1998 – V ZR 225/​97, NJW 1998, 2368 jeweils m.w.N.[]