Beschwer­de im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren – und die Erle­di­gungs­er­klä­rung des Schuld­ners

Die Vor­schrif­ten der §§91ff. ZPO sind auf Beschwer­den im Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren anwend­bar, wenn es sich wie im Streit­fall um ein kon­tra­dik­to­ri­sches Ver­fah­ren zwi­schen dem Schuld­ner und dem Gläu­bi­ger han­delt 1.

Beschwer­de im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren – und die Erle­di­gungs­er­klä­rung des Schuld­ners

Die vom Schuld­ner per­sön­lich abge­ge­be­ne Erle­di­gungs­er­klä­rung ist auch im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren trotz des im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren vor dem Bun­des­ge­richts­hof grund­sätz­lich gel­ten­den Anwalts­zwangs (§ 78 Abs. 1 Satz 3 ZPO) wirk­sam, weil eine Erle­di­gungs­er­klä­rung im Sin­ne von § 78 Abs. 3 ZPO auch zu Pro­to­koll der Geschäfts­stel­le abge­ge­ben wer­den kann 2. Glei­ches gilt für die Erklä­rung des Pro­zess­geg­ners 3.

Eine auf ein Rechts­mit­tel bezo­ge­ne ein­sei­ti­ge Erle­di­gungs­er­klä­rung ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs jeden­falls dann zuläs­sig, wenn hier­für ein beson­de­res Bedürf­nis besteht, weil nur auf die­se Wei­se eine ange­mes­se­ne Kos­ten­ent­schei­dung zu erzie­len ist 4, und zudem das erle­di­gen­de Ereig­nis als sol­ches außer Streit steht 5.

So liegt es in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall:

Für den Schuld­ner besteht ein beson­de­res Bedürf­nis, eine ihn belas­ten­de Kos­ten­ent­schei­dung durch die ein­sei­ti­ge Erle­di­gungs­er­klä­rung des Rechts­mit­tels zu ver­mei­den.

Der Gläu­bi­ger hat den Voll­stre­ckungs­auf­trag nach Ein­le­gung der Rechts­be­schwer­de gegen die sei­ne Erin­ne­rung zurück­wei­sen­de Ent­schei­dung des Voll­stre­ckungs­ge­richts zurück­ge­nom­men. Dar­auf­hin hat der Gerichts­voll­zie­her dem Gläu­bi­ger die Voll­stre­ckungs­un­ter­la­gen zurück­ge­sandt. Damit fehlt es an einem gemäß § 802a Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 ZPO für die hier in Rede ste­hen­de Ein­ho­lung einer Ver­mö­gens­aus­kunft des Schuld­ners im Sin­ne von § 802c ZPO erfor­der­li­chen Voll­stre­ckungs­auf­trag. Die Antrags­rück­nah­me führt zur Auf­he­bung der Voll­stre­ckungs­maß­nah­me 6. Dadurch ist die für die Zuläs­sig­keit des Rechts­mit­tels not­wen­di­ge Beschwer nach­träg­lich weg­ge­fal­len. Die Beschwer muss als all­ge­mei­ne Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zung für jedes Rechts­mit­tel nach der Zivil­pro­zess­ord­nung noch zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung über das Rechts­mit­tel gege­ben sein; ihr Weg­fall macht das Rechts­mit­tel unzu­läs­sig und führt zu des­sen Ver­wer­fung 7.

Dem Schuld­ner bleibt allein die Erle­di­gungs­er­klä­rung sei­nes Rechts­mit­tels, um der durch eine Ver­wer­fung des Rechts­mit­tels dro­hen­den Kos­ten­last zu ent­ge­hen 8.

Eine Rück­nah­me der Rechts­be­schwer­de liegt nicht im Inter­es­se des Schuld­ners. Sie hät­te zur Fol­ge, dass er die Kos­ten des Rechts­mit­tels unab­hän­gig davon zu tra­gen hät­te, ob es ursprüng­lich begrün­det war oder nicht 9.Die Mög­lich­keit, die Haupt­sa­che für erle­digt zu erklä­ren, hat ledig­lich der die Zwangs­voll­stre­ckung betrei­ben­de Gläu­bi­ger.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Dezem­ber 2018 – I ZB 24/​17

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 25.01.2007 – V ZB 125/​05, BGHZ 170, 378 Rn. 6 f.;Beschluss vom 29.03.2018 IZB54/​17, WM 2018, 1701 Rn.8 ff.
  2. BGH, Beschluss vom 24.10.2011 – IX ZR 244/​09, NJW-RR 2012, 688; Flo­cken­haus in Musielak/​Voit, ZPO, 15.Aufl., § 91a Rn.12
  3. vgl. Flo­cken­haus in Musielak/​Voit aaO § 91a Rn. 12
  4. BGH, Beschluss vom 20.01.2009 – VIII ZB 47/​08, NJW-RR 2009, 855 Rn. 4 mwN
  5. BGH, Beschluss vom 05.07.2005 – VII ZB 10/​05, NJOZ 2005, 3992, 3993 5]; BGH, NJW-RR 2009, 855 Rn. 6
  6. MünchKomm-.ZPO/Wagner, 5.Aufl., §802a Rn.6
  7. BGH, Beschluss vom 29.03.2018 – I ZB 54/​17, WM 2018, 1701Rn. 12 mwN
  8. BGH, Beschluss vom 29.März 2018 – I ZB 54/​17, WM 2018, 1701 Rn.10
  9. BGH, NJW-RR 2009, 855 Rn. 5