Bestim­mung der Beschwer in der Beru­fung

Bei der Bestim­mung des Werts des Beschwer­de­ge­gen­stan­des gemäß § 511 Abs. 2 Nr. 1 ZPO hat das Beru­fungs­ge­richt ergän­zen­den Vor­trag der Par­tei­en zu die­sem Wert in Erwä­gung zu zie­hen 1.

Bestim­mung der Beschwer in der Beru­fung

Ein Fest­stel­lungs­an­trag erfasst den gesam­ten dem Klä­ger ent­stan­de­nen Scha­den, auch sol­che Posi­tio­nen, die – aus wel­chem Grund auch immer – nicht mit der Leis­tungs­kla­ge gel­tend gemacht und auch nicht zur Begrün­dung des Fest­stel­lungs­an­trags kon­kre­ti­siert wer­den. Selbst wenn der Klä­ger nach Abschluss der ers­ten Instanz erst im Beru­fungs­ver­fah­ren vor­trägt, dass Schä­den in wei­te­rem Umfang ent­stan­den sei­en bzw. ent­ste­hen könn­ten, als sie in ers­ter Instanz vor­ge­tra­gen wur­den, darf die­ser Vor­trag bei der Wert­fest­set­zung durch das Beru­fungs­ge­richt nach § 3 ZPO nicht des­halb unbe­ach­tet blei­ben, weil ein ent­spre­chen­der Vor­trag in ers­ter Instanz oder bis zum Zeit­punkt der Beru­fungs­ein­le­gung nicht erfolg­te. Der Wert der Beschwer ist viel­mehr nach dem Umfang des gesam­ten Scha­dens zu bemes­sen, wie er sich dem Beru­fungs­ge­richt auf­grund des Klä­ger­vor­trags dar­stellt 2.

Ande­res folgt auch nicht aus § 4 Abs. 1 Halb­satz 1 ZPO, wonach für die Wert­be­rech­nung der Zeit­punkt der Ein­le­gung des Rechts­mit­tels ent­schei­dend ist. Hier­durch wird nur der für die Wert­ver­hält­nis­se maß­geb­li­che Zeit­punkt gere­gelt. Neue Tat­sa­chen zur Wert­be­stim­mung kön­nen indes in der Beru­fungs­in­stanz vor­ge­tra­gen wer­den 3. Bei der Bestim­mung des Werts des Beschwer­de­ge­gen­stan­des gemäß § 511 Abs. 2 Nr. 1 ZPO hat das Beru­fungs­ge­richt daher ergän­zen­den Vor­trag der Par­tei­en zu die­sem Wert in Erwä­gung zu zie­hen.

Hat das Erst­ge­richt die auf Scha­dens­er­satz nach einem Ver­kehrs­un­fall gerich­te­te Kla­ge – wie hier auch – hin­sicht­lich eines Fest­stel­lungs­an­trags abge­wie­sen, kann der Wert des Beschwer­de­ge­gen­stan­des auch durch aus­rei­chend kon­kret dar­ge­leg­te Scha­dens­po­si­tio­nen bestimmt sein, die erst­in­stanz­lich nicht in Ansatz gebracht wur­den oder im Raum stan­den, sofern im Fall einer Ver­ur­tei­lung die Haf­tung der Beklag­ten auch für die­se Posi­tio­nen fest­ge­stellt wür­de 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. April 2013 – VI ZB 50/​12

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Beschluss vom 26.10.2010 – VI ZB 74/​08, VersR 2011, 646[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 26.10.2010 – VI ZB 74/​08, VersR 2011, 646 Rn. 8[]
  3. vgl. MüKoZPO/​Wöstmann, 4. Aufl., § 4 Rn. 9; MüKoZPO/​Rimmelspacher, 4. Aufl., § 511 Rn. 55 f.; Stein/​Jonas/​Roth, ZPO, 22. Aufl., § 4 Rn. 9[]
  4. BGH, Beschluss vom 26.10.2010 – VI ZB 74/​08, aaO[]