Bestrei­ten mit Nicht­wis­sen

Ein Bestrei­ten mit Nicht­wis­sen – also die Ein­las­sung, die Rich­tig­keit oder Unrich­tig­keit der Behaup­tun­gen des Klä­gers nicht zu ken­nen1 – ist nach § 138 Abs. 4 ZPO nur zuläs­sig, wenn die betrof­fe­nen Tat­sa­chen weder eige­ne Hand­lun­gen der Par­tei noch Gegen­stand ihrer eige­nen Wahr­neh­mung gewe­sen sind.

Bestrei­ten mit Nicht­wis­sen

Andern­falls tritt wie­der­um die Geständ­nis­wir­kung des § 138 Abs. 3 ZPO ein2.

Vor­gän­ge im eige­nen Geschäfts- oder Ver­ant­wor­tungs­be­reich wer­den den eige­nen Hand­lun­gen oder Wahr­neh­mun­gen im Sin­ne des § 138 Abs. 4 ZPO gleich­ge­stellt, weil andern­falls eine Par­tei sich durch arbeits­tei­li­ge Orga­ni­sa­ti­on ihren pro­zes­sua­len Erklä­rungs­pflich­ten ent­zie­hen könn­te3. Die Par­tei hat eine Erkun­di­gungs­pflicht, sofern die maß­ge­ben­den Tat­sa­chen Per­so­nen bekannt sind, die unter ihrer Anlei­tung, Auf­sicht oder Ver­ant­wor­tung tätig gewor­den sind4.

Die Anfor­de­run­gen an die Erkun­di­gungs­pflicht dür­fen aller­dings nicht über­spannt wer­den5. Einer Par­tei darf nur eine zumut­ba­re Infor­ma­ti­ons­pflicht auf­er­legt wer­den6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Novem­ber 2015 – I ZR 167/​14

  1. vgl. Hk-ZPO/Woe­st­mann, 6. Aufl. § 138 Rn. 7
  2. vgl. Lei­pold in Stein/​Jonas, ZPO, 22. Aufl., § 138 Rn. 49
  3. Zöller/​Greger aaO § 138 Rn. 16
  4. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 19.04.2001 – I ZR 238/​98, GRUR 2002, 190, 191 = WRP 2001, 1328 – DIE PROFIS; Urteil vom 02.07.2009 – III ZR 333/​08, NJW-RR 2009, 1666 Rn. 16
  5. vgl. BGH, Urteil vom 21.03.1996 – IX ZR 240/​95, NJW 1996, 1954, 1957 [inso­weit nicht in BGHZ 132, 229 abge­druckt]; Urteil vom 15.11.1989 – VIII ZR 46/​89, BGHZ 109, 205, 209 f.
  6. vgl. [zu den Anfor­de­run­gen an sub­stan­ti­ier­tes Bestrei­ten im Sin­ne des § 138 Abs. 2 ZPO] BGH, Urteil vom 07.12 1998 – II ZR 266/​97, NJW 1999, 579, 580; Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hartmann, ZPO, 74. Aufl., § 138 Rn. 53; Zim­mer­mann, ZPO, 9. Auf., § 138 Rn. 10