Betriebs­fort­füh­rung durch den Insol­venz­ver­wal­ter – und die Gerichts­kos­ten

Nach § 58 Abs. 1 S. 1 GKG ist Berech­nungs­grund­la­ge für die Gerichts­kos­ten des Insol­venz­ver­fah­rens der Wert der Insol­venz­mas­se zur Zeit der Been­di­gung des Ver­fah­rens. § 63 Abs. 1 S. 2 InsO ent­hält eine gleich­lau­ten­de For­mu­lie­rung für die Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters.

Betriebs­fort­füh­rung durch den Insol­venz­ver­wal­ter – und die Gerichts­kos­ten

Dem Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung zum EGIn­sO vom 24.11.1992 1 und zur InsO vom 15.04.1992 2 ist zu ent­neh­men, dass für das ein­heit­li­che Insol­venz­ver­fah­ren der Wert der Insol­venz­mas­se zur Zeit der Been­di­gung des Ver­fah­rens maß­geb­lich sein soll – für die Erhe­bung der Gerichts­kos­ten eben­so wie für die Berech­nung der Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters – sowie, dass die Ein­heit­lich­keit des neu­en Insol­venz­ver­fah­rens auch eine ein­heit­li­che Berech­nungs­grund­la­ge und eine ein­heit­li­che Ver­gü­tungs­struk­tur not­wen­dig machen.

Auf­grund der Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung (§ 65 InsO) ist in § 1 der Insol­venz­recht­li­chen Ver­gü­tungs­ver­ord­nung (Ins­VV) die Berech­nungs­grund­la­ge für die Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters im ein­zel­nen defi­niert. Dabei wird die maß­geb­li­che Mas­se u.a. wie folgt bestimmt:

"§ 1 Abs. 2 Nr. 1 Ins­VV:… Im übri­gen wer­den die mit Abson­de­rungs­rech­ten belas­te­ten Gegen­stän­de nur inso­weit berück­sich­tigt, als aus ihnen der Mas­se ein Über­schuss zusteht.

§ 1 Abs. 2 Nr. 2 Ins­VV: Wer­den Aus- und Abson­de­rungs­rech­te abge­fun­den, so wird die aus der Mas­se hier­für gewähr­te Leis­tung vom Sach­wert der Gegen­stän­de abge­zo­gen, auf die sich die­se Rech­te erstreck­ten.

§ 1 Abs. 2 Nr. 4 Ins­VV: Die Kos­ten des Insol­venz­ver­fah­rens und die sons­ti­gen Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten wer­den nicht abge­setzt. Es gel­ten jedoch fol­gen­de Aus­nah­men:

  1. Wird das Unter­neh­men des Schuld­ners fort­ge­führt, so ist nur der Über­schuss zu berück­sich­ti­gen, der sich nach Abzug der Aus­ga­ben von den Ein­nah­men ergibt."

Da sich aus dem iden­ti­schen Geset­zes­wort­laut des § 58 Abs. 1 S. 1 GKG und des § 63 Abs. 1 S. 2 InsO ("Wert der Insol­venz­mas­se zur Zeit der Been­di­gung des Ver­fah­rens") sowie aus den zuvor zitier­ten Geset­zes­ma­te­ria­li­en das Ziel des Gesetz­ge­bers ergibt, eine ein­heit­li­che Berech­nungs­grund­la­ge für die Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters und die Gerichts­kos­ten zu schaf­fen und der hier­zu ermäch­tig­te Ver­ord­nungs­ge­ber zugleich in § 1 Ins­VV die Ermitt­lung der sich aus dem Wert der Insol­venz­mas­se zur Zeit der Been­di­gung des Ver­fah­rens erge­ben­den Berech­nungs­grund­la­ge im ein­zel­nen defi­niert hat, ist kein Grund ersicht­lich, wes­halb von unter­schied­lich hohen Gegen­stands­wer­ten für die Gerichts­kos­ten und die Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters aus­ge­gan­gen wer­den soll 3.

Der in den vor­he­ri­gen Zita­ten im ein­zel­nen begrün­de­ten Rechts­auf­fas­sung schließt sich das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart in vol­lem Umfang an.

Nicht dage­gen kann der ver­ein­zelt ver­tre­te­nen Min­der­mei­nung gefolgt wer­den 4.

Ein Abstel­len auf den Begriff der Insol­venz­mas­se gemäß §§ 35 – 37 InsO, wonach das Insol­venz­ver­fah­ren das gesam­te Ver­mö­gen erfasst, das dem Schuld­ner zur Zeit der Eröff­nung des Ver­fah­rens gehört und das er wäh­rend des Ver­fah­rens erlangt (Insol­venz­mas­se), ist nicht ange­zeigt, weil § 58 Abs. 1 S. 1 GKG und die §§ 35 ff. InsO unter­schied­li­che Rege­lungs­zwe­cke ver­fol­gen. § 35 InsO stellt nicht auf die Insol­venz­mas­se bei Been­di­gung des Insol­venz­ver­fah­rens ab, son­dern defi­niert, wel­ches Ver­mö­gen vom lau­fen­den Insol­venz­ver­fah­ren erfasst wer­den soll, d.h. auf wel­che Ver­mö­gens­tei­le sich die Beschlag­nah­me erstreckt. § 58 Abs. 1 S. 1 GKG ent­hält dage­gen den Zusatz, dass es auf den Wert der Insol­venz­mas­se "zur Zeit der Been­di­gung des Ver­fah­rens" (Tei­lungs­mas­se) ankommt 5.

Im übri­gen ent­spricht die Rege­lung in § 1 Ins­VV bezüg­lich der Abson­de­rungs­rech­te der­je­ni­gen in § 58 Abs. 1 S. 2 GKG, wonach Gegen­stän­de, die zur abge­son­der­ten Befrie­di­gung die­nen, nur in Höhe des für die­se nicht erfor­der­li­chen Betrags ange­setzt wer­den bei der Bestim­mung des Wer­tes der Insol­venz­mas­se zur Zeit der Been­di­gung des Ver­fah­rens. Hier­aus ergibt sich bereits ohne wei­te­res, dass vor­lie­gend man­gels eines ver­blei­ben­den Rest­wer­tes nach Befrie­di­gung der Abson­de­rungs­rech­te die­se nicht mit 388.417, 89 EUR in die als Berech­nungs­grund­la­ge die­nen­de Insol­venz­mas­se ein­be­zo­gen wer­den durf­ten.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 30. April 2014 – 8 W 149/​14

  1. BT-Drs. 12/​3803, S. 72[]
  2. BT-Drs. 12/​2443, S. 130[]
  3. vgl. hier­zu u.a.: Grub NZI 2012, 949; OLG Koblenz ZIP 2014, 385; OLG Dres­den NZI 2014, 76; OLG Hamm ZIP 2013, 1924; LG Bre­men, Beschluss vom 15.05.2013, Az. 2 T 195/​13; LG Leip­zig ZIn­sO 2013, 684; OLG Hamm ZIP 2013, 470; OLG Düs­sel­dorf ZIP 2012, 1089; LG Wup­per­tal NZI 2010, 403; je m.w.N.[]
  4. LG Kon­stanz NZI 2013, 494, das die Rechts­be­schwer­de nicht zuge­las­sen hat; OLG Mün­chen Jur­Bü­ro 2012, 660; OLG Düs­sel­dorf Jur­Bü­ro 2010, 603[]
  5. vgl. die die herr­schen­de Mei­nung bele­gen­den vor­he­ri­gen Zita­te aus Recht­spre­chung und Lite­ra­tur; Peters in Mün­che­ner Kom­men­tar zur Insol­venz­ord­nung, 3. Auf­la­ge 2013, § 35 InsO Rn. 47a, und BGH NJW 2003, 2167, befas­sen sich mit dem Umfang des Insol­venz­be­schlags, d.h. mit dem Begriff der Insol­venz­mas­se im Sin­ne des § 35 InsO[]
  6. LG Bochum, Beschluss vom 16.04.2015 – I7 T 82/​15[]