Betriebs­kos­ten in der Zwangs­ver­wal­tung

Wohnt der Schuld­ner bei einer für sein Grund­stück ange­ord­ne­ten Zwangs­ver­wal­tung zur Zeit der Beschlag­nah­me auf dem Grund­stück, so sind ihm die für sei­nen Haus­stand unent­behr­li­chen Räu­me zu belas­sen, § 149 Abs. 1 ZVG.

Betriebs­kos­ten in der Zwangs­ver­wal­tung

Ein Schuld­ner, dem nach § 149 Abs. 1 ZVG die unent­behr­li­chen Räu­me belas­sen wur­den, hat für deren Nut­zung kei­ne ver­brauchs­un­ab­hän­gi­gen Neben­kos­ten zu bezah­len.

Für die Nut­zung der Räu­me hin­ge­gen hat der Schuld­ner nach der Bestim­mung des § 149 Abs. 1 ZVG kein Ent­gelt zu bezah­len 1, wie sich aus­drück­lich aus § 5 Abs. 2 Nr. 2 ZwV­wV ergibt. Wie oben bereits aus­ge­führt, betref­fen die ver­brauchs­un­ab­hän­gi­gen Neben­kos­ten, wie ins­be­son­de­re die Grund­steu­er und Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge, den Gebrauchs­vor­teil, der durch die Nut­zung der Räu­me als sol­che erlangt wird und im Rah­men der orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­te zu erset­zen ist; die­se Nut­zung ist indes für den Schuld­ner gera­de unent­gelt­lich, so dass er vom Ver­wal­ter hier­für nicht her­an­ge­zo­gen wer­den kann 2. Grund­steu­er und Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge fal­len im Übri­gen für die betref­fen­den Räu­me ohne­hin an, auch wenn sie nicht von der Beklag­ten genutzt wür­den; dass sie bei einer ander­wei­ti­gen Ver­mie­tung auf den Mie­ter umge­legt wer­den könn­ten, kann der Klä­ger in glei­cher Wei­se nicht gel­tend machen wie den in jenem Fall zu erlan­gen­den Miet­zins, der auf­grund der Nut­zung durch die Schuld­ne­rin ent­fällt, da das Gesetz den Ver­lust der Ver­mie­tung gera­de nicht abgel­ten will. Anders ist dies bei den Ver­brauch­kos­ten, da die­se nicht anfal­len wür­den, wenn die Woh­nung leer stün­de, und daher vom Schuld­ner zusätz­lich ver­ur­sacht wer­den.

Im Übri­gen ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der bei­trei­ben­de Gläu­bi­ger wie ein Eigen­tü­mer das wirt­schaft­li­che Risi­ko, ob die zur Ver­wal­tung not­wen­di­gen Aus­ga­ben durch die Nut­zung des beschlag­nahm­ten Objekts erwirt­schaf­tet wer­den, selbst trägt, wenn er sich aus der Fort­set­zung des Zwangs­ver­wal­tungs­ver­fah­rens Vor­tei­le ver­spricht, und er die­ses Risi­ko nicht auf ande­re ver­la­gern kann 3. Die Grund­steu­er ist als öffent­li­che Last gemäß § 156 Abs. 1 ZVG vom Ver­wal­ter zu berich­ti­gen und wird nach ihrem Rang (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 ZVG) gemäß § 155 Abs. 2 ZVG aus den Über­schüs­sen erstat­tet. Die Auf­wen­dun­gen für Ver­si­che­run­gen sind, soweit sie zur ord­nungs­ge­mä­ßen Ver­wal­tung gemäß § 152 ZVG über­haupt erfor­der­lich sind, als Aus­ga­ben der Ver­wal­tung gemäß § 155 Abs. 1 ZVG aus den Nut­zun­gen des Grund­stücks vor­weg zu bestrei­ten. Rei­chen die Gel­der nicht aus, hat der Voll­stre­ckungs­gläu­bi­ger Vor­schuss zu leis­ten; tut er dies nicht, ins­be­son­de­re weil er nicht mit aus­rei­chen­den Ein­nah­men aus der Zwangs­ver­wal­tung rech­net, kann im Übri­gen gemäß § 161 Abs. 3 ZVG das Ver­fah­ren der Zwangs­ver­wal­tung auf­ge­ho­ben wer­den. Eine Zwangs­ver­wal­tung, die nicht ein­mal kos­ten­de­ckend ist, dürf­te ohne­hin regel­mä­ßig unzu­läs­sig sein. Im Übri­gen hat auch bei dem vom Klä­ger als Ver­gleich erwähn­ten Wohn­geld, falls der Schuld­ner die­ses nicht bezahlt, der Zwangs­ver­wal­ter die Zah­lun­gen zu erbrin­gen und hier­für die Erträ­ge der Ver­wal­tung zu ver­wen­den bzw., wenn die­se nicht genü­gen, der Gläu­bi­ger die not­wen­di­gen Beträ­ge als Vor­schuss zu leis­ten 4.

Amts­ge­richt Schorn­dorf, Urteil vom 27. Janu­ar 2010 – 2 C 1214/​08

  1. vgl. statt aller LG Duis­burg, Beschluss vom 26.07.2007 – 13 T 80/​07, Rpfle­ger 2008, 323[]
  2. so im Ergeb­nis für die Grund­steu­er aus­drück­lich Schmid­ber­ger, ZfIR 2009, 149[]
  3. vgl. OLG Hamm, Beschluss vom 24.11.2003 – 15 W 342/​03, ZMR 2004, 456[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 24.01.2008 – V ZB 99/​07, NJW-RR 2008, 679[]