Betriebs­kos­ten­nach­zah­lun­gen im Urkund­s­pro­zess

Ansprü­che des Ver­mie­ters auf Betriebs­kos­ten­nach­zah­lun­gen aus Wohn­raum­miet­ver­trä­gen kön­nen im Urkun­den­pro­zess gel­tend gemacht wer­den.

Betriebs­kos­ten­nach­zah­lun­gen im Urkund­s­pro­zess

Die Gel­tend­ma­chung einer Betriebs­kos­ten­nach­for­de­rung ist im Urkun­den­pro­zess statt­haft, sofern der Ver­mie­ter die anspruchs­be­grün­den­den und beweis­be­dürf­ti­gen Tat­sa­chen durch Urkun­den bele­gen kann (§ 592 Satz 1, § 597 Abs. 2 ZPO).

§ 592 Satz 1 ZPO eröff­net den Urkun­den­pro­zess unter­schieds­los für alle Ansprü­che, wel­che die Zah­lung einer Geld­sum­me zum Gegen­stand haben. Betriebs­kos­ten­nach­for­de­run­gen sind davon nicht aus­zu­neh­men. Eben­so wenig wie bei Ansprü­chen auf Mie­te aus Wohn­raum­miet­ver­trä­gen, für die der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, dass die­se im Urkun­den­pro­zess gel­tend gemacht wer­den kön­nen 1, bestehen bei Betriebs­kos­ten­nach­for­de­run­gen Grün­de, den Wort­laut des § 592 ZPO in der Wei­se ein­zu­schrän­ken, dass sol­che Ansprü­che gene­rell vom Urkun­den­pro­zess aus­ge­schlos­sen wären.

Das ent­spricht der ganz über­wie­gen­den Mei­nung im Schrift­tum 2.

Die Statt­haf­tig­keit des Urkun­den­pro­zes­ses setzt nicht vor­aus, dass auch unstrei­ti­ge Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen mit Urkun­den bewie­sen wer­den. Viel­mehr bedür­fen unstrei­ti­ge, zuge­stan­de­ne oder offen­kun­di­ge Tat­sa­chen auch im Urkun­den­ver­fah­ren, abge­se­hen von dem hier nicht gege­be­nen Fall der Säum­nis der beklag­ten Par­tei (§ 597 Abs. 2 ZPO), kei­nes Bewei­ses und somit auch kei­ner Urkun­den­vor­la­ge 3.

Aus­ge­hend von die­sen recht­li­chen Vor­ga­ben hat der Ver­mie­ter im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall sei­nen Anspruch auf Nach­zah­lung von Betriebs­kos­ten aus­rei­chend mit Urkun­den belegt. Er hat den Miet­ver­trag, aus dem sich die Kos­ten­tra­gungs­pflicht des Mie­ters ergibt, sowie die Betriebs­kos­ten­ab­rech­nung mit einem Zugangs­nach­weis vor­ge­legt 4. Der Vor­la­ge wei­te­rer Urkun­den bedurf­te es im Streit­fall nicht. Die Rich­tig­keit der Betriebs­kos­ten­ab­rech­nung hat der Ver­mie­ter erst auf wirk­sa­mes Bestrei­ten durch den Mie­ter zu bewei­sen, wobei im Urkun­den­pro­zess die Beweis­mit­tel­be­schrän­kung der § 592 Satz 1, § 595 Abs. 2 ZPO zu beach­ten ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Okto­ber 2014 – VIII ZR 41/​14

  1. BGH, Urtei­le vom 01.06.2005 – VIII ZR 216/​04, NJW 2005, 2701; vom 20.12 2006 – VIII ZR 112/​06, NJW 2007, 1061; vom 08.07.2009 – VIII ZR 200/​08, NJW 2009, 3099; ein­schrän­kend für den Fall anfäng­li­cher Män­gel: BGH, Urteil vom 20.10.2010 – VIII ZR 111/​09, WuM 2010, 761 Rn. 11 f.[]
  2. Lan­gen­berg, Betriebs­kos­ten- und Heiz­kos­ten­recht, 7. Aufl., J Rn. 84 ff.; Staudinger/​Weitemeyer, BGB, Neu­be­ar­bei­tung 2014, § 556 Rn. 147; Ster­nel, Miet­recht aktu­ell, 4. Aufl., Rn. XIV 110; Schmid, Hand­buch der Miet­ne­ben­kos­ten, 14. Aufl., Rn. 7017m; ders. MDR 2013, 1266, 1268; Fischer in Bub/​Treier, Hand­buch der Geschäfts- und Wohn­raum­mie­te, 4. Aufl., Kap. – IX Rn. 117; Both, NZM 2007, 156, 158; Fla­tow, DWW 2008, 88, 91 f.; Wichert/​Sommer, ZMR 2009, 503, 509 f.; Musielak/​Voit, ZPO, 11. Aufl., § 592 Rn. 9a; Bub/​von der Osten, FD-MietR 2009, 292917; Her­litz, juris­PR-MietR 13/​2014 Anm. 4; sie­he auch KG, WuM 2012, 156; anders Blank, NZM 2000, 1083, 1084; dif­fe­ren­zie­rend LG Bonn, WuM 2012, 155[]
  3. BGH, Urteil vom 24.04.1974 – VIII ZR 211/​72, BGHZ 62, 286, 289 ff.; BGH, Urteil vom 04.02.1985 – II ZR 142/​84, WM 1985, 738 unter 2[]
  4. zur im Urkun­den­pro­zess gebo­te­nen Urkun­den­vor­la­ge bei Nach­for­de­run­gen aus einer Betriebs­kos­ten­ab­rech­nung sie­he Lan­gen­berg, Betriebs­kos­ten- und Heiz­kos­ten­recht, aaO, Rn. J 85[]