Beweis­an­trit­te bei wider­sprüch­li­chem Par­tei­vor­trag

Ein Gericht darf die Beweis­auf­nah­me zu einem bestrit­te­nen erheb­li­chen Vor­brin­gen einer Par­tei nicht des­halb ableh­nen, weil es zu ihrem frü­he­ren Vor­trag in Wider­spruch ste­he. Eine etwai­ge Wider­sprüch­lich­keit des Par­tei­vor­trags ist viel­mehr im Rah­men der Beweis­wür­di­gung zu berück­sich­ti­gen.

Beweis­an­trit­te bei wider­sprüch­li­chem Par­tei­vor­trag

Der Umstand, dass der Vor­trag des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Beklag­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung zu dem Vor­trag in den genann­ten Schrift­sät­zen in Wider­spruch ste­hen mag, recht­fer­tigt es nicht, von der Erhe­bung der ange­bo­te­nen Bewei­se abzu­se­hen. Dar­in liegt eine vor­weg­ge­nom­me­ne Beweis­wür­di­gung, die im Pro­zess­recht kei­ne Stüt­ze fin­det. Eine etwai­ge Wider­sprüch­lich­keit des Par­tei­vor­trags kann nur im Rah­men der Beweis­wür­di­gung berück­sich­tigt wer­den 1.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs genügt eine Par­tei ihrer Dar­le­gungs­last, wenn sie Tat­sa­chen vor­trägt, die in Ver­bin­dung mit einem Rechts­satz geeig­net sind, das gel­tend gemach­te Recht zu begrün­den; uner­heb­lich ist, ob die Dar­stel­lung der Par­tei wahr­schein­lich ist 2. Genügt das Par­tei­vor­brin­gen die­sen Anfor­de­run­gen, kann der Vor­trag wei­te­rer Ein­zel­hei­ten nicht gefor­dert wer­den. Viel­mehr muss der Tatrich­ter in die Beweis­auf­nah­me ein­tre­ten; dabei muss er gege­be­nen­falls durch ent­spre­chen­de Nach­fra­ge nähe­re Ein­zel­hei­ten klä­ren, soweit er ihnen für die Wahr­schein­lich­keit der Behaup­tung Bedeu­tung zumisst.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. März 2012 – II ZR 50/​09

  1. BGH, Beschluss vom 21.07.2011 – IV ZR 216/​09, VersR 2011, 1384 Rn. 6; Urteil vom 01.07.1999 – VII ZR 202/​98, NJW-RR 2000, 208; Urteil vom 05.07.1995 – KZR 15/​94, NJW-RR 1995, 1340, 1341 – Sesam­stra­ße-Auf­nä­her
  2. vgl. nur BGH, Beschluss vom 21.07.2011 – IV ZR 216/​09, VersR 2011, 1384 Rn. 6; Urteil vom 02.04.2007 – II ZR 325/​05, ZIP 2007, 1056 Rn. 23; Urteil vom 25.07.2005 – II ZR 199/​03, WM 2005, 1847, 1848; Beschluss vom 01.06.2005 – XII ZR 275/​02, NJW 2005, 2710, 2711