Beweis­kraft tat­be­stand­li­cher Fest­stel­lun­gen – und die Bezug­nah­me auf schrift­sätz­li­chen Vor­trag

Die Beweis­kraft der tat­be­stand­li­chen Fest­stel­lun­gen ent­fällt nicht des­halb, weil das Beru­fungs­ge­richt im ange­foch­te­nen Urteil zur Ergän­zung des Sach- und Streit­stands gemäß § 313 Abs. 2 Satz 2 ZPO auf die gewech­sel­ten Schrift­sät­ze Bezug genom­men hat.

Beweis­kraft tat­be­stand­li­cher Fest­stel­lun­gen – und die Bezug­nah­me auf schrift­sätz­li­chen Vor­trag

Zwar ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs aner­kannt, dass dem Tat­be­stand kei­ne Beweis­kraft zukommt, wenn und soweit er Wider­sprü­che, Lücken oder Unklar­hei­ten auf­weist [1].

Sol­che Män­gel müs­sen sich aller­dings aus dem Urteil selbst erge­ben [2].

Die­sem Erfor­der­nis ist genügt, wenn ein Wider­spruch zwi­schen den tat­be­stand­li­chen Fest­stel­lun­gen und einem kon­kret in Bezug genom­me­nen schrift­sätz­li­chen Vor­brin­gen einer Par­tei besteht [3].

Las­sen sich die Wider­sprü­che, Lücken oder Unklar­hei­ten dage­gen nur durch Rück­griff auf – gemäß § 313 Abs. 2 Satz 2 ZPO all­ge­mein in Bezug genom­me­ne – vor­be­rei­ten­de Schrift­sät­ze dar­stel­len, bleibt es bei der Beweis­wir­kung des § 314 ZPO und dem Grund­satz, dass der durch den Tat­be­stand des Urteils erbrach­te Beweis nur durch das Sit­zungs­pro­to­koll ent­kräf­tet wer­den kann [4].

Eine etwai­ge Unrich­tig­keit tat­be­stand­li­cher Dar­stel­lun­gen im Beru­fungs­ur­teil kann nur im Berich­ti­gungs­ver­fah­ren nach § 320 ZPO beho­ben wer­den. Eine Ver­fah­rens­rüge nach § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 ZPO kommt zur Rich­tig­stel­lung eines der­ar­ti­gen Man­gels nicht in Betracht [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Dezem­ber 2015 – VI ZR 121/​14

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 02.02.1999 – VI ZR 25/​98, BGHZ 140, 335, 339; vom 24.06.2014 – VI ZR 560/​13, VersR 2014, 1095 Rn. 42[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 15.07.2011 – V ZR 277/​10, VersR 2012, 1265 Rn. 12[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 24.06.2014 – VI ZR 560/​13, VersR 2014, 1095 Rn. 42; BGH, Urteil vom 16.12 2010 – I ZR 161/​08 – Satan der Rache, NJW 2011, 1513 Rn. 12 mwN[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 02.02.1999 – VI ZR 25/​98, BGHZ 140, 335, 339; vom 12.05.2015 – VI ZR 102/​14, VersR 2015, 1165 Rn. 48; BGH, Urtei­le vom 08.11.2007 – I ZR 99/​05, NJW-RR 2008, 1566, 1567; vom 22.06.2011 – IV ZR 225/​10, BGHZ 190, 120 Rn. 7; vom 15.07.2011 – V ZR 277/​10, VersR 2012, 1265 Rn. 12; Musielak/​Voit, ZPO, 12. Aufl., § 314 Rn. 5; Zöller/​Vollkommer, ZPO, 30. Aufl., § 314 Rn. 6[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 24.06.2014 – VI ZR 560/​13, VersR 2014, 1095 Rn. 42; BGH, Urtei­le vom 01.03.2011 – XI ZR 48/​10, BGHZ 188, 373 Rn. 12 mwN; vom 08.05.2013 – IV ZR 233/​11, VersR 2013, 853 Rn.19[]