Beweis­last für die Ver­zins­lich­keit des Geld­be­tra­ges

Die Beweis­last für die Ver­zins­lich­keit eines Dar­le­hens (§ 488 Abs. 1 Satz 2 BGB) trägt der Dar­le­hens­ge­ber.

Beweis­last für die Ver­zins­lich­keit des Geld­be­tra­ges

Gemäß § 488 Abs. 1 Satz 2 BGB ist der Dar­le­hens­neh­mer ver­pflich­tet, „einen geschul­de­ten Zins“ zu zah­len und bei Fäl­lig­keit das zur Ver­fü­gung gestell­te Dar­le­hen zurück­zu­zah­len. In der Geset­zes­be­grün­dung heißt es dazu, die jet­zi­ge Rege­lung gehe vom Regel­fall der Ent­gelt­lich­keit des Dar­le­hens­ver­tra­ges aus und füh­re daher die Zins­pflicht aus­drück­lich auf. Das ent­spre­che den heu­ti­gen Rea­li­tä­ten, wonach ein Dar­le­hen in aller Regel ent­gelt­lich sei [1]. Dar­aus kann aber, anders als das Land­ge­richt meint, nicht geschlos­sen wer­den, dass die Ent­gelt­lich­keit des Dar­le­hens gesetz­lich ver­mu­tet wür­de und der Schuld­ner eine von ihm behaup­te­te Unent­gelt­lich­keit bewei­sen müss­te. Eine sol­che Beweis­last­ver­tei­lung lässt sich dem Geset­zes­wort­laut nicht ent­neh­men.

Zwar dür­fen ange­sichts der Rea­li­tä­ten im Geschäfts­ver­kehr an die Annah­me einer kon­klu­den­ten Ver­ein­ba­rung der Ver­zins­lich­keit kei­ne zu hohen Anfor­de­run­gen gestellt wer­den [2]. Das ändert aber nichts dar­an, dass nach der For­mu­lie­rung des § 488 Abs. 1 Satz 2 BGB eine Zins­zah­lungs­pflicht des Dar­le­hens­neh­mers nur unter der Vor­aus­set­zung besteht, dass ein Zins geschul­det ist. Die­se Anspruchs­vor­aus­set­zung ist nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen zur Ver­tei­lung der Beweis­last vom Gläu­bi­ger zu bewei­sen [3]. Die Gegen­an­sicht, nach der der Dar­le­hens­neh­mer für die Unver­zins­lich­keit des Dar­le­hens beweis­pflich­tig sein soll [4], ver­mag nicht stich­hal­tig zu begrün­den, war­um bei § 488 Abs. 1 Satz 2 BGB hin­sicht­lich der Zin­sen von den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen zur Beweis­last abge­wi­chen wer­den soll­te. Sie führt auch zu wenig über­zeu­gen­den Kon­se­quen­zen hin­sicht­lich der Zins­hö­he, falls dem Schuld­ner – sei­ne Beweis­last unter­stellt – der Beweis der Unver­zins­lich­keit nicht gelingt. Für die Höhe des Zins­sat­zes soll dann der Dar­le­hens­ge­ber beweis­pflich­tig sein, wenn er einen höhe­ren als den gesetz­li­chen Zins­satz von 4 % (§ 246 BGB) gel­tend macht [5]. Eine der­ar­ti­ge Auf­spal­tung der Beweis­last dem Grun­de und der Höhe nach lässt sich aber weder dem Geset­zes­wort­laut noch der Geset­zes­be­grün­dung ent­neh­men.

Etwas ande­res ergibt sich nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg auch nicht aus dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 16. Febru­ar 2006 [6]. In jener Ent­schei­dung geht es aber um die Höhe der nach § 169 InsO geschul­de­ten Zin­sen. In die­sem Zusam­men­hang ist nur bei­läu­fig die Rede von dem Fall, dass „aus­nahms­wei­se kei­ne Zin­sen als Haupt­leis­tung (§ 488 Abs. 1 Satz 2 BGB n.F.) geschul­det“ waren. Aus die­ser For­mu­lie­rung las­sen sich indes­sen für die hier ent­schei­den­de Fra­ge der Beweis­last für die Ver­zin­sungs­pflicht kei­ne Schlüs­se zie­hen.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 9. Juli 2013 – 13 U 136/​12

  1. BT-Drs. 14/​6040, S. 253[]
  2. vgl. NK-BGB/­Krä­mer-Mül­ler, 2. Aufl., § 488 Rn. 12[]
  3. so auch NK-BGB/­Krä­mer-Mül­ler, aaO; Beck­OK BGB/​Rohe, § 488 Rn. 51; AnwK-BGB/­Reiff, § 488 Rn. 5; vgl. auch OLG Mün­chen, Urteil vom 20.03.2013 – 3 U 1247/​12, Beck­RS 2013, 05409, zitiert nach juris, Rn. 39; OLG Olden­burg, NJW-RR 1995, 1452[]
  4. Münch­Komm-BGB/K. P. Ber­ger, 6. Aufl., § 488 Rn. 149; PWW/­Kes­sal-Wulf, BGB, 7. Aufl., § 488 Rn. 6; Palandt/​Weidenkaff, BGB, 72. Aufl., § 488 Rn. 28; Jauernig/​Chr. Ber­ger, BGB, 14. Aufl., § 488 Rn.19 [abwei­chend von der Vor­auf­la­ge]; vgl. auch Lan­ge in: Nob­be, Kre­dit­recht, 2. Aufl., § 488 Rn. 31[]
  5. PWW/­Kes­sal-Wulf, aaO; Jauernig/​Chr. Ber­ger, aaO, Rn.20[]
  6. BGH, Urteil vom 16.02.2006 – IX ZR 26/​05, BGHZ 166, 215 = NJW 2006, 1873, Rn. 31[]