Beweis­wür­di­gung im Zivil­pro­zess – und ihre Über­prü­fung durch das Revi­si­ons­ge­richt

Grund­sätz­lich ist die Wür­di­gung, ob eine tat­säch­li­che Behaup­tung für wahr oder für nicht wahr zu erach­ten ist, Sache des Tatrich­ters, der nach § 286 ZPO unter Berück­sich­ti­gung des gesam­ten Inhalts der Ver­hand­lun­gen und des Ergeb­nis­ses einer Beweis­auf­nah­me nach frei­er Über­zeu­gung zu ent­schei­den hat.

Beweis­wür­di­gung im Zivil­pro­zess – und ihre Über­prü­fung durch das Revi­si­ons­ge­richt

Der Tatrich­ter ist bei einem auf Indi­zi­en gestütz­ten Beweis grund­sätz­lich frei, wel­che Beweis­kraft er den Indi­zi­en im Ein­zel­nen und in einer Gesamt­schau für sei­ne Über­zeu­gungs­bil­dung bei­misst 1.

Das Revi­si­ons­ge­richt ist an sei­ne Fest­stel­lun­gen nach § 559 ZPO gebun­den und über­prüft die Beweis­wür­di­gung ledig­lich dahin, ob sich der Tatrich­ter ent­spre­chend dem Gebot des § 286 Abs. 1 ZPO mit dem Pro­zess­stoff und den Beweis­ergeb­nis­sen umfas­send und wider­spruchs­frei aus­ein­an­der­ge­setzt hat, die Beweis­wür­di­gung also voll­stän­dig und recht­lich mög­lich ist und nicht gegen Denk­ge­set­ze oder Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt 2.

Aller­dings kann das Revi­si­ons­ge­richt unein­ge­schränkt über­prü­fen, ob ein Ver­hal­ten als sit­ten­wid­rig anzu­se­hen ist und das Beru­fungs­ge­richt die Gesamt­um­stän­de des Falls inso­weit in erfor­der­li­chem Umfang gewür­digt hat 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Janu­ar 2018 – I ZR 150/​15

  1. vgl. BGH, NJW 2004, 3423, 3424 mwN; BGH, Urteil vom 11.06.2015 – I ZR 19/​14, GRUR 2016, 176 Rn.19 = WRP 2016, 57Tausch­bör­se I[]
  2. vgl. BGH, GRUR 2016, 176 Rn. 32 – Tausch­bör­se I, mwN; Urteil vom 27.07.2017 – I ZR 68/​16, GRUR-RR 2017, 484 Rn.20 = WRP 2017, 1222[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 25.03.2003 – VI ZR 175/​02, BGHZ 154, 269, 274 f.; BGH, NJW 2004, 3423, 3425 mwN[]