Bezeich­nung des Beru­fungs­be­klag­ten

An die Bezeich­nung des Rechts­mit­tel­geg­ners sind nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs weni­ger stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len als an die Bezeich­nung des Rechts­mit­tel­füh­rers. Wenn der in der Vor­in­stanz obsie­gen­de Geg­ner aus meh­re­ren Streit­ge­nos­sen besteht, rich­tet sich das Rechts­mit­tel im Zwei­fel gegen die gesam­te ange­foch­te­ne Ent­schei­dung und somit gegen alle geg­ne­ri­schen Streit­ge­nos­sen, es sei denn, die Rechts­mit­tel­schrift lässt eine Beschrän­kung der Anfech­tung erken­nen [1].

Bezeich­nung des Beru­fungs­be­klag­ten

Zum not­wen­di­gen Inhalt der Beru­fungs­schrift gehört nach § 519 Abs. 2 ZPO neben den wei­te­ren, gesetz­lich nor­mier­ten Vor­aus­set­zun­gen auch die Anga­be, für und gegen wel­che Par­tei das Rechts­mit­tel ein­ge­legt wird. Die Beru­fungs­schrift muss ent­we­der für sich allein betrach­tet oder mit Hil­fe wei­te­rer Unter­la­gen bis zum Ablauf der Rechts­mit­tel­frist ein­deu­tig erken­nen las­sen, wer Beru­fungs­klä­ger und wer Beru­fungs­be­klag­ter sein soll [2].

An die ein­deu­ti­ge Bezeich­nung des Rechts­mit­tel­füh­rers sind dabei stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs muss bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung des gesam­ten Vor­gangs der Rechts­mit­tel­ein­le­gung jeder Zwei­fel an der Per­son des Rechts­mit­tel­klä­gers aus­ge­schlos­sen sein. Dabei sind, wie all­ge­mein bei der Aus­le­gung von Pro­zess­er­klä­run­gen, alle Umstän­de des jewei­li­gen Ein­zel­fal­les zu berück­sich­ti­gen [3].

An die Bezeich­nung des Rechts­mit­tel­geg­ners sind indes­sen nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs weni­ger stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len. Jeden­falls in den­je­ni­gen Fall­ge­stal­tun­gen, in denen der in der Vor­in­stanz obsie­gen­de Geg­ner aus meh­re­ren Streit­ge­nos­sen besteht, rich­tet sich das Rechts­mit­tel im Zwei­fel gegen die gesam­te ange­foch­te­ne Ent­schei­dung und somit gegen alle geg­ne­ri­schen Streit­ge­nos­sen, es sei denn, die Rechts­mit­tel­schrift lässt eine Beschrän­kung der Anfech­tung erken­nen [4]. Eine sol­che Beschrän­kung kann sich, wenn auf der Gegen­sei­te meh­re­re Streit­ge­nos­sen ste­hen, zwar auch dar­aus erge­ben, dass in der Rechts­mit­tel­schrift nur eini­ge von ihnen ange­ge­ben wer­den [5]. Dies ist jedoch nicht zwin­gend. Der Bun­des­ge­richts­hof hat eine unbe­schränk­te Beru­fungs­ein­le­gung auch in Fäl­len bejaht, in denen als Rechts­mit­tel­geg­ner nur einer von meh­re­ren Streit­ge­nos­sen, und zwar der im Urteils­ru­brum an ers­ter Stel­le Ste­hen­de, genannt wur­de [6].

Weil auch die Bezeich­nung einer Par­tei als Teil einer Pro­zess­hand­lung aus­le­gungs­fä­hig ist [7], kommt es für die Fra­ge, ob eine Beschrän­kung der Anfech­tung gewollt ist, letzt­lich auf eine voll­stän­di­ge Wür­di­gung des gesam­ten Vor­gangs der Rechts­mit­tel­ein­le­gung bis zum Ablauf der Rechts­mit­tel­frist an. Dabei kön­nen sich aus einer bei­gefüg­ten Aus­fer­ti­gung oder beglau­big­ten Abschrift des ange­foch­te­nen Urteils oder aus sons­ti­gen bei­gefüg­ten Unter­la­gen häu­fig ent­schei­den­de Hin­wei­se auf den Umfang der Anfech­tung erge­ben. Dabei kommt ins­be­son­de­re der Fra­ge Bedeu­tung zu, ob eine Beschrän­kung des Rechts­mit­tel­an­griffs auf einen Teil der bis­he­ri­gen Pro­zess­geg­ner in Anbe­tracht des der Vor­in­stanz unter­brei­te­ten Streit­stoffs unge­wöhn­lich oder gar fern­lie­gend erscheint [3].

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ist in der Beru­fungs­schrift des Beklag­ten aus­drück­lich nur die frü­he­re Klä­ge­rin zu 1 als Beru­fungs­be­klag­te auf­ge­führt. Die Beru­fung ist aber ohne Ein­schrän­kung gegen das „am 29.04.2008 zuge­stell­te Urteil des Amts­ge­richts“ ein­ge­legt wor­den. Dem recht­zei­tig ein­ge­gan­ge­nen Beru­fungs­schrift­satz war außer­dem das Ver­kün­dungs­pro­to­koll vom 24. April 2008 bei­gefügt. Auch dar­in ist zwar ledig­lich ein Kurz­ru­brum auf­ge­führt, das die Namen der frü­he­ren Klä­ge­rin zu 1 und des Beklag­ten ent­hält. Zugleich ent­hält das Ver­kün­dungs­pro­to­koll aber den voll­stän­di­gen Tenor der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung. Dar­aus geht unzwei­fel­haft her­vor, dass der Beklag­te ver­ur­teilt wor­den ist, rück­stän­di­gen Unter­halt für die Zeit bis Febru­ar 2008 an die frü­he­re Klä­ge­rin zu 1 und lau­fen­den Kin­des­un­ter­halt für die Zeit ab März 2008 an die Klä­ger zu 2 und 3 zu zah­len. Auf der Grund­la­ge die­ses bei­gefüg­ten Ver­kün­dungs­pro­to­kolls war auch für das Beru­fungs­ge­richt ersicht­lich, dass der Beklag­te zu Unter­halts­leis­tun­gen an die Klä­ge­rin zu 1 und an die Klä­ger zu 2 und 3 ver­ur­teilt wor­den war.

Weil der Beklag­te gegen die­ses Urteil ohne Ein­schrän­kun­gen Beru­fung ein­ge­legt und die Anträ­ge sowie die Begrün­dung einem wei­te­ren Schrift­satz vor­be­hal­ten hat­te, muss­te das Beru­fungs­ge­richt von einer zuläs­si­gen Beru­fung auch gegen die Klä­ger zu 2 und 3 aus­ge­hen. Dafür spricht schon der in der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs auf­ge­stell­te Grund­satz, wonach sich die Beru­fung im Zwei­fel gegen die gesam­te ange­foch­te­ne Ent­schei­dung rich­tet, wenn der in der Vor­in­stanz obsie­gen­de Geg­ner aus meh­re­ren Streit­ge­nos­sen besteht. Hin­zu kommt, dass die im Beru­fungs­schrift­satz auf­ge­führ­te Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der frü­he­ren Klä­ge­rin zu 1 auch die Klä­ger zu 2 und 3 ver­tre­ten hat­te, so dass die Beru­fungs­schrift auch die­sen zuge­stellt wor­den ist.

Für eine auch gegen die Beklag­ten zu 2 und 3 ein­ge­leg­te Beru­fung spricht auch der Gesamt­zu­sam­men­hang der Pro­zess­er­klä­rung des Beklag­ten. Denn nach dem Inhalt des bei­gefüg­ten Urteils­te­nors lag eine Anfech­tung des Urteils nur gegen die frü­he­re Klä­ge­rin zu 1 eher fern.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Dezem­ber 2010 – XII ZR 18/​09

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 11.05.2010 -VIII ZB 93/​09, MDR 2010, 828[]
  2. BGH, Beschluss vom 11.05.2010 – VIII ZB 93/​09, MDR 2010, 828, m.w.N.; und Urteil vom 14.02.2008 – III ZR 73/​07[]
  3. BGH, Beschluss vom 11.05.2010 – VIII ZB 93/​09, MDR 2010, 828[][]
  4. BGH, Urteil vom 14.02.2008 – III ZR 73/​07; und Beschlüs­se vom 11.05.2010 – VIII ZB 93/​09, MDR 2010, 828; und vom 09.09.2008 – VI ZB 53/​07, NJW-RR 2009, 208[]
  5. BGH, Urteil vom 19.03.1969 – VIII ZR 63/​67, NJW 1969, 928, 929; und Beschluss vom 09.09.2008 – VI ZB 53/​07, NJW-RR 2009, 208[]
  6. BGH, Urtei­le vom 08.11.2001 – VII ZR 65/​01, NJW 2002, 831; und vom 21.06.1983 – VI ZR 245/​81, NJW 1984, 58, jeweils mwN[]
  7. BGHZ 4, 328, 334 = NJW 1952, 545; und BGH, Beschluss vom 15.05.2006 – II ZB 5/​05, NJW-RR 2006, 1569[]