Bild­agen­tu­ren für die Pres­se

Bild­agen­tu­ren müs­sen vor der Wei­ter­ga­be archi­vier­ter Fotos an die Pres­se nicht die Zuläs­sig­keit der beab­sich­tig­ten Pres­se­be­richt­erstat­tung prü­fen.

Bild­agen­tu­ren für die Pres­se

In zwei jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Ver­fah­ren betrei­ben die Beklag­ten Bild­ar­chi­ve zur kom­mer­zi­el­len Nut­zung durch Pres­se­un­ter­neh­men. Der mehr­fach wegen Tötungs­de­lik­ten ver­ur­teil­te Klä­ger ver­büßt seit 1983 eine lebens­lan­ge Frei­heits­stra­fe. Über sei­ne Taten wur­de in den fünf­zi­ger, sech­zi­ger und frü­hen acht­zi­ger Jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts aus­führ­lich berich­tet. Die Beklag­ten gaben auf Anfra­ge ein bzw. zwei Bild­nis­se aus den fünf­zi­ger und sech­zi­ger Jah­ren an das Maga­zin „Play­boy“ wei­ter, das damit einen Arti­kel „Die Akte … Psy­cho­gramm eines Jahr­hun­dert­mör­ders“ bebil­der­te.

Der Klä­ger hat gel­tend gemacht, die Beklag­ten hät­ten die Fotos ohne sei­ne hier­zu erfor­der­li­che Ein­wil­li­gung ver­brei­tet und dadurch sein Recht am eige­nen Bild ver­letzt. Die Beklag­ten haben sich auf das Recht der Pres­se­frei­heit beru­fen. Die Kla­gen waren dar­auf gerich­tet, den Beklag­ten auf­zu­ge­ben, die Wei­ter­ga­be der Fotos zu unter­las­sen. Das erst­in­stanz­lich mit den bei­den Kla­gen befass­te Land­ge­richt Frank­furt am Main hat die Kla­gen abge­wie­sen [1]. Das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main hat ihnen auf die Beru­fung des Klä­gers – mit Ein­schrän­kun­gen – statt­ge­ge­ben [2]. Der Bun­des­ge­richts­hof hat jetzt auf die von ihm zuge­las­se­nen Revi­sio­nen die Beru­fungs­ur­tei­le des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main auf­ge­ho­ben und die Kla­gen abge­wie­sen:

Der Aus­tausch zuläs­si­ger­wei­se archi­vier­ten Bild­ma­te­ri­als steht unter dem Schutz der Pres­se­frei­heit des Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG. Die­se Pres­se­frei­heit gewähr­leis­tet nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht nur die Frei­heit der Ver­brei­tung von Nach­rich­ten und Mei­nun­gen; sie schützt viel­mehr auch den gesam­ten Bereich publi­zis­ti­scher Vor­be­rei­tungs­tä­tig­keit, zu der ins­be­son­de­re die Beschaf­fung von Infor­ma­tio­nen gehört. Dem ist bei der Aus­le­gung des Begriffs des „Ver­brei­tens“ von Bild­nis­sen in § 22 Kunst­ur­he­ber­ge­setz Rech­nung zu tra­gen. Eine qua­si pres­se­in­ter­ne Wei­ter­ga­be von Fotos durch ein Bild­ar­chiv darf des­halb grund­sätz­lich nicht davon abhän­gig gemacht wer­den, dass der Inha­ber der Bild­agen­tur prüft, ob die unter Ver­wen­dung der Fotos beab­sich­tig­te Pres­se­be­richt­erstat­tung recht­mä­ßig sein wird. Die Ver­ant­wor­tung für eine Pres­se­ver­öf­fent­li­chung trägt allei­ne das ver­öf­fent­li­chen­de Pres­se­or­gan, das auch die Zuläs­sig­keit der Ver­wen­dung der Fotos nach den §§ 22, 23 Kunst­ur­he­ber­ge­setz zu prü­fen hat. Der betrof­fe­ne Abge­bil­de­te hat dadurch kei­nen fühl­ba­ren Nach­teil. Durch die Wei­ter­ga­be von Fotos im qua­si pres­se­in­ter­nen Bereich wird sein Per­sön­lich­keits­recht allen­falls gering­fü­gig beein­träch­tigt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 7. Dezem­ber 2010 – VI ZR 30/​09 und VI ZR 34/​09

  1. LG Frank­furt am Main, Urtei­le vom 17.04.2008 – 2/​3 O 129/​07 und 2/​3 O 90/​07[]
  2. OLG Frank­furt am Main, Urtei­le vom 23.12.2008 – 11 U 22/​08 und 11 U 21/​08[]