Boden­schutz­recht­li­cher Aus­gleichs­an­spruch – und der Ver­jäh­rungs­be­ginn

Die Ver­jäh­rung des boden­schutz­recht­li­chen Aus­gleichs­an­spruchs nach § 24 Abs. 2 Satz 4 Fall 2 BBo­dSchG beginnt mit der Been­di­gung sämt­li­cher Maß­nah­men, für deren Kos­ten Ver­pflich­te­te nach § 24 Abs. 1 BBo­dSchG haf­ten, ein­schließ­lich der den eigent­li­chen Sanie­rungs­maß­nah­men nach­fol­gen­den, im Sanie­rungs­kon­zept vor­ge­se­he­nen Eigen­kon­troll­maß­nah­men (§ 15 Abs. 2 BBo­dSchG).

Boden­schutz­recht­li­cher Aus­gleichs­an­spruch – und der Ver­jäh­rungs­be­ginn

Nach § 24 Abs. 2 Satz 1 BBo­dSchG haben meh­re­re Sanie­rungs­ver­pflich­te­te unab­hän­gig von ihrer Her­an­zie­hung durch die zustän­di­gen Behör­den unter­ein­an­der einen Anspruch auf Kos­ten­aus­gleich. Die Aus­gleichs­ver­pflich­tung sowie der Umfang des Aus­gleichs hän­gen gemäß § 24 Abs. 2 Satz 2 BBo­dSchG davon ab, inwie­weit die Gefahr oder der Scha­den vor­wie­gend von dem einen oder dem ande­ren Teil ver­ur­sacht wor­den ist, soweit nichts ande­res ver­ein­bart ist.

Nach § 24 Abs. 2 Satz 4 Fall 2 BBo­dSchG beginnt die Ver­jäh­rung des Aus­gleichs­an­spruchs zu dem Zeit­punkt, zu dem der Ver­pflich­te­te nach der Been­di­gung sei­ner Maß­nah­men von der Per­son des Ersatz­pflich­ti­gen Kennt­nis erlangt. Bei einer Sanie­rung in meh­re­ren Schrit­ten oder einer lang­jäh­ri­gen Grund­was­ser­rei­ni­gung ist für den Ver­jäh­rungs­be­ginn der Abschluss der gesam­ten im Ein­zel­fall erfor­der­li­chen oder ange­ord­ne­ten Maß­nah­men maß­geb­lich 1. Die Vor­schrift des § 24 Abs. 2 Satz 4 BBo­dSchG nimmt mit dem Tat­be­stands­merk­mal "nach Been­di­gung der Maß­nah­men" auf § 24 Abs. 1 BBo­dSchG Bezug, der die Kos­ten­tra­gung durch die boden­schutz­recht­lich Ver­pflich­te­ten für die in § 9 Abs. 2, § 10 Abs. 1, §§ 12, 13, 14 Satz 1 Nr. 1, § 15 Abs. 2 und § 16 Abs. 1 BBo­dSchG vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men regelt. Dem­entspre­chend ist für den Ver­jäh­rungs­be­ginn nicht auf die Been­di­gung der Sanie­rungs­maß­nah­men im Sin­ne des § 2 Abs. 7 BBo­dSchG abzu­stel­len, die der Besei­ti­gung, Ver­min­de­rung oder Ein­däm­mung einer bereits ein­ge­tre­te­nen nach­tei­li­gen Boden­ver­än­de­rung die­nen, son­dern auf die Been­di­gung sämt­li­cher Maß­nah­men, für deren Kos­ten Ver­pflich­te­te nach § 24 Abs. 1 BBo­dSchG haf­ten 2. Nach § 15 Abs. 2 Satz 1 BBo­dSchG kann die Behör­de von den Ver­pflich­te­ten die Durch­füh­rung erfor­der­li­cher Eigen­kon­troll­maß­nah­men, ins­be­son­de­re Boden- und Was­ser­un­ter­su­chun­gen sowie die Ein­rich­tung und den Betrieb von Mess­stel­len ver­lan­gen.

Danach war im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall auf die Been­di­gung der den eigent­li­chen Sanie­rungs­maß­nah­men nach­fol­gen­den Eigen­kon­troll­maß­nah­men im Sin­ne des § 15 Abs. 2 BBo­dSchG abzu­stel­len, da die­se von Anfang an im Sanie­rungs­kon­zept vor­ge­se­hen waren.

Eine teleo­lo­gi­sche Reduk­ti­on des § 24 Abs. 2 Satz 4 BBo­dSchG mit dem Ziel, den Abschluss der Sanie­rungs­maß­nah­men als für den Ver­jäh­rungs­be­ginn maß­geb­lich anzu­se­hen, kommt für den Bun­des­ge­richts­hof nicht in Betracht. Ein Wer­tungs­wi­der­spruch zum Grund­satz der Scha­dens­ein­heit im Ver­trags- und Delikts­recht besteht inso­weit nicht. Der boden­schutz­recht­li­che Aus­gleichs­an­spruch ist kein Scha­dens­er­satz­an­spruch, son­dern hat einen eige­nen Rechts­cha­rak­ter. Der Beginn sei­ner Ver­jäh­rung ist in § 24 Abs. 2 Satz 4 BBo­dSchG abwei­chend von den für die Ver­jäh­rung von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen gel­ten­den Bestim­mun­gen gere­gelt wor­den 3. Bei der Aus­le­gung die­ser Vor­schrift ist den Beson­der­hei­ten der boden­schutz­recht­li­chen Sanie­rung und Vor­sor­ge Rech­nung zu tra­gen. Die­se Beson­der­hei­ten kön­nen in tech­ni­scher Hin­sicht ein kom­ple­xes Bün­del ver­schie­dens­ter Maß­nah­men erfor­dern, die durch einen Sanie­rungs­plan auf­ein­an­der abge­stimmt wer­den. Eine ander­wei­ti­ge Aus­le­gung des § 24 Abs. 2 Satz 4 BBo­dSchG lie­ße die boden­schutz­recht­li­che Ein­heit­lich­keit der Maß­nah­men unbe­rück­sich­tigt 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Sep­tem­ber 2016 – I ZR 11/​15

  1. BGH, Urteil vom 18.10.2012 – III ZR 312/​11, BGHZ 195, 153 Rn. 10 mwN[]
  2. vgl. BGHZ 195, 153 Rn. 17 mwN[]
  3. vgl. BGHZ 195, 153 Rn. 15[]
  4. vgl. BGHZ 195, 153 Rn.20[]