Brand­fol­gen – und die Haf­tung der Nach­ba­rin

Hat ein Nach­bar die Über­tra­gung von Brand­fol­gen durch Lage­rung des brenn­ba­ren Hol­zes in einem bau­ord­nungs­wid­rig an der Grund­stücks­gren­ze errich­te­ten Holz­un­ter­stand erst ermög­licht, muss die­ser für den ent­stan­de­nen Scha­den haf­ten.

Brand­fol­gen – und die Haf­tung der Nach­ba­rin

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Nach­barstreits ent­schie­den und ein anders­lau­ten­des Urteil des Land­ge­richts Hagen 1 auf­ge­ho­ben. Die Beklag­te hat­te am Ran­de ihres Grund­stücks in Hemer direkt neben einer auf dem Nach­bar­grund­stück ste­hen­den Dop­pel­ga­ra­ge einen über­dach­ten Holz­un­ter­stand errich­tet, in dem sie Brenn­holz lager­te. Am 15.02.2017 nahm der Sohn der Beklag­ten bis etwa 13:00 Uhr Holz­ar­bei­ten mit einer Kreis­sä­ge auf dem Grund­stück der Beklag­ten in der unmit­tel­ba­ren Nähe zum Holz­un­ter­stand vor. Nach Abschluss der Arbei­ten zog er das Strom­ka­bel an der Außen­steck­do­se des Hau­ses der Beklag­ten her­aus. Am Fol­ge­tag gegen 2:00 Uhr mor­gens kam es zu einem Brand an dem auf der Grund­stücks­gren­ze lie­gen­den Holz­un­ter­stand.

Der Brand erfass­te auch die benach­bar­te Dop­pel­ga­ra­ge des Klä­gers, in der die­ser zwei Fer­ra­ris unter­ge­stellt hat­te. Ein Fer­ra­ri ist durch Rauch­ga­se ver­un­rei­nigt wor­den. Auf den ande­ren Fer­ra­ri tropf­ten die geschmol­ze­nen Kunst­stoff­ab­de­ckun­gen der Beleuch­tungs­kör­per her­ab, wodurch Ein­bren­nun­gen im Lack ent­stan­den. Mit sei­ner Kla­ge hat der Klä­ger gegen­über der Beklag­ten einen Gesamt­scha­den – ins­be­son­de­re an Gara­ge und Fer­ra­ris – von etwa 35.000 Euro gel­tend gemacht. Nach der Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens ist die Brand­ur­sa­che vom Land­ge­richt Hagen nicht als bewie­sen ange­se­hen wor­den, so dass die Kla­ge abge­wie­sen wur­de.

Gegen die­ses Urteil hat sich der Klä­ger mit der Beru­fung gewehrt. Er hat gel­tend gemacht, dass der Brand dann nicht hät­te über­grei­fen kön­nen, wenn die Beklag­te bei der Errich­tung des Holz­un­ter­stan­des einen – bau­ord­nungs­recht­lich gebo­te­nen – Min­dest­ab­stand von 3 m ein­ge­hal­ten hät­te. Des­halb müs­se – meint der Klä­ger – die beklag­te Nach­ba­rin ihm sei­nen Scha­den erset­zen.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm steht dem Klä­ger der von ihm gel­tend gemach­te Scha­dens­er­satz­an­spruch zu. Zwar sei nicht fest­stell­bar, dass die Beklag­te für die Brand­ent­ste­hung als sol­che ver­ant­wort­lich gewe­sen sei. Aller­dings habe die Beklag­te die Über­tra­gung der Brand­fol­gen durch Lage­rung des brenn­ba­ren Hol­zes in dem bau­ord­nungs­wid­rig an der Grund­stücks­gren­ze errich­te­ten Holz­un­ter­stand erst ermög­licht. Nur des­halb – wie sich aus den Fest­stel­lun­gen des vom Ober­lan­des­ge­richt Hamm ange­hör­ten Sach­ver­stän­di­gen erge­be – habe sich der Brand auf die Dop­pel­ga­ra­ge des Klä­gers aus­wei­ten kön­nen und sei es zu Schä­den an den im Eigen­tum des Klä­gers ste­hen­den Sachen gekom­men. Wenn der Holz­un­ter­stand dage­gen 3 m von der Gara­ge errich­tet wor­den wäre, wäre zwar auch wegen des Daches ein Hit­ze- und Rauch­gas­stau her­vor­ge­ru­fen wor­den; aller­dings hät­te dann die Hit­ze nicht auf die Gara­ge über­grei­fen kön­nen.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 17. Okto­ber 2019 – 24 U 146/​18

  1. LG Hagen, Urteil vom 23.10.2018 – 3 O 72/​17[]