Bsorg­nis der Befan­gen­heit

Nach § 42 Abs. 2 ZPO fin­det die Ableh­nung eines Rich­ters wegen der Besorg­nis der Befan­gen­heit statt, wenn ein Grund vor­liegt, der geeig­net ist, Miss­trau­en gegen sei­ne Unpar­tei­lich­keit zu recht­fer­ti­gen.

Bsorg­nis der Befan­gen­heit

Dies ist dann der Fall, wenn aus der Sicht einer Par­tei bei ver­nünf­ti­ger Wür­di­gung aller Umstän­de Anlass gege­ben ist, an der Unvor­ein­ge­nom­men­heit und objek­ti­ven Ein­stel­lung des Rich­ters zu zwei­feln1.

Nicht erfor­der­lich ist dage­gen, dass tat­säch­lich eine Befan­gen­heit vor­liegt. Viel­mehr genügt es, dass die auf­ge­zeig­ten Umstän­de geeig­net sind, der betrof­fe­nen Par­tei Anlass zu begrün­de­ten Zwei­feln zu geben; denn die Vor­schrif­ten über die Befan­gen­heit von Rich­tern bezwe­cken, bereits den bösen Schein einer mög­li­cher­wei­se feh­len­den Unvor­ein­ge­nom­men­heit und Objek­ti­vi­tät zu ver­mei­den2.

Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen begrün­det im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren eine Mit­wir­kung der Vor­sit­zen­den Rich­te­rin die Besorg­nis der Befan­gen­heit:

Gegen­stand des vor­lie­gen­den Rechts­streit ist die Fra­ge, ob die Beklag­ten als Neben­fol­ge der Wie­der­gut­ma­chung des Unrechts, das ihnen und ihren Rechts­vor­gän­gern in der NS-Zeit wider­fah­ren ist, der Klä­ge­rin als bis­he­ri­ger Ver­fü­gungs­be­rech­tig­ter Auf­wen­dungs­er­satz zu leis­ten haben. In dem bei dem Bun­des­ge­richts­hof anhän­gi­gen Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­ver­fah­rens ist zu prü­fen, wel­che höchst­rich­ter­lich klä­rungs­be­dürf­ti­gen Fra­gen die Ver­ur­tei­lung der Beklag­ten auf­wirft. Die Ersatz­pflicht des Resti­tu­ti­ons­be­rech­tig­ten ist in dem Ver­mö­gens­ge­setz nicht aus­drück­lich gere­gelt, son­dern von dem Bun­des­ge­richts­hof in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 3 Abs. 3 Satz 4 VermG ent­wi­ckelt wor­den und in hohem Maße von Wer­tun­gen abhän­gig. In die­sem Zusam­men­hang könn­ten die ähn­li­chen Lebens­schick­sa­le zusam­men mit der Ver­bun­den­heit, die die Rich­te­rin über ihre Eltern für die Fami­li­en der bei­den Beklag­ten emp­fin­det, trotz des feh­len­den unmit­tel­ba­ren Kon­takts den bösen Schein mög­li­cher­wei­se feh­len­der Unvor­ein­ge­nom­men­heit und Objek­ti­vi­tät erwe­cken, dem ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den soll.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Dezem­ber 2014 – V ZR 84/​14

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 15.03.2012 – V ZB 102/​11, NJW 2012, 1890 Rn. 10 mwN
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 15.03.2012 – V ZB 102/​11, aaO
  3. Abgren­zung zu OLG Mün­chen, NJW 2014, 3042