Dar­le­gungs­last – und der Pro­zess gegen den zwei­ten Gesamt­schuld­ner

Der Gläu­bi­ger genügt sei­ner hin­sicht­lich der Kla­ge­for­de­rung bestehen­den Dar­le­gungs­last im Pro­zess gegen einen Gesamt­schuld­ner nicht auto­ma­tisch dadurch, dass er das gegen einen ande­ren Gesamt­schuld­ner ergan­ge­ne rechts­kräf­ti­ge Urteil vor­legt.

Dar­le­gungs­last – und der Pro­zess gegen den zwei­ten Gesamt­schuld­ner

Nach § 425 Abs. 1 BGB gilt – von den in den Vor­schrif­ten der §§ 422 bis 424 BGB genann­ten Tat­sa­chen mit Gesamt­wir­kung abge­se­hen – der Grund­satz der Ein­zel­wir­kung. Danach wir­ken Tat­sa­chen nur für und gegen den Gesamt­schuld­ner, in des­sen Per­son sie ein­tre­ten, soweit sich nicht aus dem Schuld­ver­hält­nis ein ande­res ergibt. Dies gilt ins­be­son­de­re von der Kün­di­gung, dem Ver­zug, dem Ver­schul­den, von der Unmög­lich­keit der Leis­tung in der Per­son eines Gesamt­schuld­ners, von der Ver­jäh­rung, deren Neu­be­ginn, Hem­mung und Ablauf­hem­mung, von der Ver­ei­ni­gung der For­de­rung mit der Schuld und von dem rechts­kräf­ti­gen Urteil (§ 425 Abs. 2 BGB). Auf das gegen den ande­ren Gesamt­schuld­ner ergan­ge­ne rechts­kräf­ti­ge Urteil kann des- halb nicht abge­stellt wer­den. Ein rechts­kräf­ti­ges Urteil gegen einen Gesamt­schuld­ner hat kei­ne Wir­kun­gen für und gegen einen ande­ren Gesamt­schuld­ner 1.

Dies hat zur Fol­ge, dass der Gläu­bi­ger, der einen Gesamt­schuld­ner auf Zah­lung in Anspruch nimmt, sei­ner hin­sicht­lich der Kla­ge­for­de­rung bestehen­den Dar­le­gungs­last im Pro­zess grund­sätz­lich nicht dadurch genügt, dass er ohne nähe­re Erläu­te­run­gen das gegen einen ande­ren Gesamt­schuld­ner ergan­ge­ne Urteil vor­legt. Dies gilt jeden­falls dann, wenn – wie im Streit­fall – aus die­sem Urteil allein nicht nach­voll­zieh­bar ist, aus wel­chem Grund der ver­ur­teil­te Gesamt­schuld­ner in wel­cher Höhe den aus­ge­ur­teil­ten Betrag schul­det.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Novem­ber 2015 – I ZR 168/​14

  1. BGH, Urteil vom 15.06.1993 – XI ZR 133/​93, NJW-RR 1993, 1266, 1267[]