Dar­le­hens­rück­zah­lungs­an­spruch – und die Beweislast

Wer die Rück­zah­lung eines Dar­le­hens begehrt, hat näm­lich auch die Hin­ga­be des Gel­des als Dar­le­hen zu bewei­sen [1].

Dar­le­hens­rück­zah­lungs­an­spruch – und die Beweislast

Hier­für reicht es nicht, dass der Dar­le­hens­ge­gen­stand aus dem Ver­mö­gen des Dar­le­hens­ge­bers aus­ge­schie­den ist, er muss auch dem Ver­mö­gen des Dar­le­hens­neh­mers in der ver­ein­bar­ten Form end­gül­tig zuge­führt wor­den sein [2]. Wird die Dar­le­hensva­lu­ta auf Wei­sung des Dar­le­hens­neh­mers an einen Drit­ten aus­ge­zahlt, so liegt ein Emp­fang des Dar­le­hens nur dann vor, wenn der vom Dar­le­hens­neh­mer als Emp­fän­ger nam­haft gemach­te Drit­te das Geld vom Dar­le­hens­ge­ber erhal­ten hat (§§ 362 Abs. 2, 185 BGB) [3]

Die­ser Beweis ist nicht bereits mit der Ver­trags­ur­kun­de geführt. Hier­bei han­delt es sich um eine Pri­vat­ur­kun­de im Sin­ne von § 416 ZPO. Die ech­te Pri­vat­ur­kun­de erbringt Beweis nur in for­mel­ler Hin­sicht, d. h. sie begrün­det ledig­lich den vol­len Beweis dafür, dass die dar­in ent­hal­te­nen Erklä­run­gen vom Aus­stel­ler abge­ge­ben wor­den sind [4]. Hin­sicht­lich der mate­ri­el­len Beweis­kraft einer Pri­vat­ur­kun­de gilt hin­ge­gen die freie Beweis­wür­di­gung nach § 286 ZPO. Der Pri­vat­ur­kun­de kann ledig­lich die Ver­mu­tung der Voll­stän­dig­keit und Rich­tig­keit zukom­men [5].

Nur wenn der Aus­stel­ler der Urkun­de auch bekennt (d.h. „quit­tiert“), einen bestimm­ten Betrag als Dar­le­hen emp­fan­gen zu haben, han­delt es sich um ein Zeug­nis des An gegen sich selbst im Sin­ne einer schlich­ten Quit­tung [6]. In einem sol­chen Fall ent­hält die Dar­le­hens­ur­kun­de auch gleich­zei­tig eine ent­spre­chen­de Emp­fangs­be­stä­ti­gung hin­sicht­lich des Dar­le­hens, wes­halb der Haupt­be­weis, der die vol­le Über­zeu­gung des Gerichts von den Vor­aus­set­zun­gen des Rück­zah­lungs­an­spruchs erfor­dert, in der Regel bereits allein mit der Vor­la­ge der Urkun­de geführt wer­den kann [7]. Die­se Über­zeu­gung kann durch Füh­rung des Gegen­be­wei­ses ent­kräf­tet wer­den, ohne dass dafür der Beweis des Gegen­teils, d. h. der Unwahr­heit des in der Urkun­de bezeug­ten, not­wen­dig wäre [8].

Abwei­chend von der vor­ge­nann­ten Fall­kon­stel­la­ti­on ergab sich im hier ent­schie­de­nen Streit­fall jedoch nicht bereits aus der Dar­le­hens­ur­kun­de, wer den Dar­le­hens­be­trag erhal­ten hat. Die Urkun­de ent­hält unter dem Zusatz „Betrag in bar erhal­ten:“ näm­lich sowohl die Unter­schrift der Dar­le­hens­neh­me­rin als auch die Unter­schrift einer drit­ten Per­son. Aus der Urkun­de selbst ergibt sich damit nicht, ob der Bar­be­trag von 50.000, – € tat­säch­lich der Dar­le­hens­neh­me­rin oder dem Drit­ten zur Ver­fü­gung gestellt wor­den ist. Die Leis­tung an einen Drit­ten hat nach § 362 Abs. 2 BGB nur dann befrei­en­de Wir­kung, wenn ent­we­der der Gläu­bi­ger den Drit­ten zur Ent­ge­gen­nah­me der Leis­tung oder den Schuld­ner zur Leis­tungs­er­brin­gung an den Drit­ten i.S.v. § 185 BGB ermäch­tigt hat. Eine sol­che Ermäch­ti­gung ergab sich hier jedoch weder aus den unstrei­ti­gen Umstän­den vor bzw. bei Ver­trags­schluss noch aus der Urkun­de selbst. Damit bleibt nach dem Inhalt der Urkun­de unklar und ist mit­hin nicht bewie­sen, dass die Beklag­te tat­säch­lich die Dar­le­hensva­lu­ta emp­fan­gen hat.

Auch aus ande­ren, außer­halb der Urkun­de lie­gen­den Umstän­den ver­moch­te das Ober­lan­des­ge­richt kei­ne siche­re Über­zeu­gung zu gewin­nen, dass der Dar­le­hens­neh­me­rin tat­säch­lich der Dar­le­hens­be­trag zuge­flos­sen ist. Dabei trifft die Par­tei, die sich auf außer­halb der Urkun­de lie­gen­de Umstän­de beruft – sei es zum Nach­weis eines vom Urkunds­text abwei­chen­den über­ein­stim­men­den Wil­lens der Betei­lig­ten, sei es zum Zwe­cke der Deu­tung des Inhalts des Beur­kun­de­ten aus der Sicht des Erklä­rungs­emp­fän­gers (§§ 133, 157 BGB), die Beweis­last für deren Vor­lie­gen [9].

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Urteil vom 12. März 2020 – 7 U 53/​19

Darlehensrückzahlungsanspruch - und die Beweislast
  1. vgl. BGH, Urteil vom 10.06.1985 – III ZR 178/​8421 = NJW 1986, 2571 ‑2573; OLG Saar­brü­cken, Urteil v. 21.11.2013 – 2 U 47/​13, NJOZ 2014, 1930[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 25.04.2006 – XI ZR 193/​04, NJW 2006, 1788 – 1992[]
  3. BGH, Urteil vom 12.11.2002 – XI ZR 47/​01, BGHZ 152, 331, 337[]
  4. Zöl­ler-Fes­korn, ZPO, 33. Aufl., § 416 Rn. 7 m.w.N.[]
  5. Zöl­ler-Fes­korn, a.a.O., § 416 Rn. 10[]
  6. BGH, Urteil vom 10.06.1985, a.a.O. 32 mit Hin­weis auf BGH Urteil vom 14.04.1978, V ZR 10/​77, WM 1978, 849 m.w.N.[]
  7. BGH, Urteil vom 10.06.1985, a.a.O. 32[]
  8. BGH. Urteil vom 10.06.1985, a.a.O 32 mit Hin­weis auf BGH, Urteil vom 14.04.1978, a.a.O., m.w.N.[]
  9. BGH, Urteil vom 05.07.2002, V ZR 143/​01, NJW 2002, 3164, 3165 7, m.H.a. BGH, Urteil vom 05.02.1999, V ZR 353/​97, WM 1999, 965[]

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