Das angeb­lich gelie­fer­te Lea­sing­gut

Täuscht bei einem Miet­kauf der vor­leis­tungs­pflich­ti­ge Lie­fe­rant den Miet­ver­käu­fer über eine in Wirk­lich­keit noch nicht erfolg­te Lie­fe­rung des Miet­kauf­ge­gen­stan­des an den Miet­käu­fer und ver­an­lasst er dadurch den Miet­ver­käu­fer, an ihn den Kauf­preis in Umkeh­rung der ver­trag­li­chen Leis­tungs­pflich­ten vor­zu­leis­ten, ist der Miet­ver­käu­fer gemäß § 323 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 3 BGB zum sofor­ti­gen Rück­tritt vom Kauf­ver­trag berech­tigt.

Das angeb­lich gelie­fer­te Lea­sing­gut

Bereits vor Inkraft­tre­ten des Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes war in der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs aner­kannt, dass sich eine Par­tei nicht am Ver­trag fest­hal­ten zu las­sen braucht, wenn der Ver­trags­part­ner bei der Abwick­lung des Ver­tra­ges durch schuld­haf­tes Ver­hal­ten eine sol­che Unsi­cher­heit in das Ver­trags­ver­hält­nis hin­ein­bringt, dass dem ver­trags­treu­en Teil die Auf­recht­erhal­tung des Ver­tra­ges nicht mehr zuge­mu­tet wer­den kann, nament­lich wenn die­ses Ver­hal­ten eine zur Unzu­mut­bar­keit der Ver­trags­fort­set­zung füh­ren­de geschäft­li­che Unzu­ver­läs­sig­keit des Ver­trags­part­ners erken­nen lässt 1. Ein der­art ver­trags­ge­fähr­den­des Ver­hal­ten konn­te sich etwa auch aus einer Ver­let­zung ver­trag­li­cher Neben­pflich­ten wie Aus­kunfts- und Anzei­ge­pflich­ten oder sons­ti­gen Mit­wir­kungs­pflich­ten erge­ben 2. Hier­an hat sich für die nach dem Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz gel­ten­de Rechts­la­ge nichts Ent­schei­den­des geän­dert 3. Ins­be­son­de­re in Fäl­len, in denen der Ver­käu­fer den Käu­fer bei Ver­trags­schluss über die Beschaf­fen­heit des Kauf­ge­gen­stan­des getäuscht hat, nimmt der Bun­des­ge­richts­hof regel­mä­ßig ein berech­tig­tes Inter­es­se des Käu­fers an, von einer wei­te­ren Zusam­men­ar­beit mit dem Ver­käu­fer Abstand zu neh­men, um sich vor even­tu­el­len neu­er­li­chen Täu­schungs­ver­su­chen zu schüt­zen, und ver­sagt dem Ver­käu­fer des­halb gemäß § 440, § 281 Abs. 2, § 323 Abs. 2 BGB eine Fort­set­zung der Ver­trags­be­zie­hun­gen durch Nach­bes­se­rung zuguns­ten eines sofor­ti­gen Scha­dens­er­satz- oder Rück­tritts­rechts des Käu­fers 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. März 2010 – VIII ZR 182/​08

  1. BGH, Urtei­le vom 19.02.1969 – VIII ZR 58/​67, WM 1969, 499; und vom 19.10.1977 – VIII ZR 42/​76, WM 1977, 1423; jeweils m.w.N.[]
  2. BGH, Urteil vom 19.10.1977, a.a.O.[]
  3. vgl. BT-Drs. 14/​6040, S. 183, 185[]
  4. BGH, Urtei­le vom 20.05.2009 – VIII ZR 247/​06, NJW 2009, 2532; vom 09.01.2008 – VIII ZR 210/​06, NJW 2008, 1371; und vom 08.12.2006 – V ZR 249/​05, WM 2007, 1076[]