Das defek­te Kana­li­sa­ti­ons­rohr am Urlaubs­ort

Ein Anspruch auf Rei­se­preis­min­de­rung besteht, wenn der auf­ge­tre­te­ne Man­gel im Ein­fluss­be­reich des Rei­se­ver­an­stal­ters auf­ge­tre­ten ist. Ein Scha­den am Kana­li­sa­ti­ons­rohr des Urlaubs­or­tes, das zu Ver­un­rei­ni­gun­gen und Erkran­kun­gen geführt hat, reicht dafür nicht.

Das defek­te Kana­li­sa­ti­ons­rohr am Urlaubs­ort

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge einer Frau abge­wie­sen, die von der Rei­se­ver­an­stal­te­rin 60 Pro­zent des Rei­se­prei­ses und Scha­den­er­satz gefor­dert hat. Die spä­te­re Klä­ge­rin buch­te bei einer Rei­se­ver­an­stal­te­rin für den Okto­ber 2011 eine drei­wö­chi­ge Pau­schal­rei­se in die Tür­kei. Sie bezahl­te dafür 2079 Euro. Eine Woche nach ihrer Ankunft erkrank­te die gan­ze Fami­lie an Fie­ber und Durch­fall, die spä­te­re Klä­ge­rin muss­te sich sogar für zwei Tage in sta­tio­nä­re Behand­lung bege­ben. Wie­der zuhau­se ver­lang­te sie von der Rei­se­ver­an­stal­te­rin 60 Pro­zent des Rei­se­prei­ses zurück sowie Scha­den­er­satz wegen nutz­los auf­ge­wen­de­ter Urlaubs­zeit, ins­ge­samt 2910 Euro. Die Erkran­kung sei ver­ur­sacht wor­den durch den Bade­strand, der durch Fäka­li­en ver­un­rei­nigt gewe­sen sei.

Das Rei­se­un­ter­neh­men wei­ger­te sich zu zah­len. Schließ­lich kön­ne es nichts dafür. Die Ver­un­rei­ni­gun­gen sei­en auf Grund eines defek­ten Kana­li­sa­ti­ons­rohrs der Gemein­de ent­stan­den. Davon hät­te es nichts gewusst. Im Übri­gen lie­ge dies auch nicht in sei­nem Ein­fluss­be­reich. Die Kun­din der Rei­se­ver­an­stal­te­rin erhob dar­auf­hin Kla­ge vor dem Amts­ge­richt Mün­chen.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Mün­chen hät­te die Klä­ge­rin für einen der­ar­ti­gen Anspruch einen Rei­se­man­gel vor­tra­gen müs­sen, der dem Rei­se­un­ter­neh­men auch vor­ge­wor­fen wer­den könn­te. Die Behaup­tung, dass die gan­ze Fami­lie auf Grund des ver­seuch­ten Bade­stran­des erkrankt sei, rei­che dafür nicht aus. Der Man­gel müs­se näm­lich im Ein­fluss­be­reich der Rei­se­ver­an­stal­te­rin auf­ge­tre­ten sein. Ein Scha­den am Kana­li­sa­ti­ons­rohr der Gemein­de rei­che dafür nicht. Auch Anhalts­punk­te dafür, dass das Rei­se­un­ter­neh­men von der Ver­seu­chung Kennt­nis hat­te und sie somit die Klä­ge­rin hät­te infor­mie­ren müs­sen, lägen nicht vor.

Die Klä­ge­rin habe kei­nen Anspruch auf Min­de­rung des Rei­se­prei­ses und Scha­den­er­satz.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 16. Janu­ar 2013 – 132 C 15965/​12