Das aus­ge­setz­te Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren wegen über­lan­ger Ver­fah­rens­dau­er

Gegen die Zurück­wei­sung eines Antrags, die Aus­set­zung des Ent­schä­di­gungs­ver­fah­rens gemäß § 201 Abs. 3 Satz 1 GVG auf­zu­he­ben und das Ver­fah­ren fort­zu­set­zen, ist nicht die sofor­ti­ge Beschwer­de nach § 252 ZPO, son­dern nur unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 574 Abs. 1 ZPO die Rechts­be­schwer­de statt­haft 1.

Das aus­ge­setz­te Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren wegen über­lan­ger Ver­fah­rens­dau­er

Nach § 201 Abs. 3 Satz 1 GVG kann das (erst­in­stanz­lich zustän­di­ge) Ober­lan­des­ge­richt das Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren aus­set­zen, wenn das Aus­gangs­ver­fah­ren, von des­sen Dau­er ein Anspruch nach § 198 GVG abhängt, noch andau­ert. § 201 Abs. 2 Satz 1 GVG bestimmt, dass im Ent­schä­di­gungs­pro­zess die Vor­schrif­ten der Zivil­pro­zess­ord­nung über das Ver­fah­ren vor den Land­ge­rich­ten im ers­ten Rechts­zug ent­spre­chend anwend­bar sind.

Der danach (auch) in Bezug genom­me­ne § 252 ZPO, der das Rechts­mit­tel der sofor­ti­gen Beschwer­de sowohl gegen die Anord­nung der Aus­set­zung als auch gegen die Ableh­nung der Auf­nah­me eines aus­ge­setz­ten Ver­fah­rens vor­sieht 2, steht im Zusam­men­hang mit der Rege­lung des § 567 Abs. 1 ZPO 3. Dar­aus ergibt sich, dass die sofor­ti­ge Beschwer­de nur gegen im ers­ten Rechts­zug ergan­ge­ne Ent­schei­dun­gen der Amts­und Land­ge­rich­te statt­haft ist.

Bei allen Ent­schei­dun­gen der Ober­lan­des­ge­rich­te kommt das Rechts­mit­tel der sofor­ti­gen Beschwer­de nicht in Betracht 4. An ihrer Stel­le ist die Rechts­be­schwer­de eröff­net, die ent­we­der die gene­rel­le Zulas­sung im Gesetz (§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO) oder die Zulas­sung durch das Ober­lan­des­ge­richt im Ein­zel­fall (§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO) erfor­dert.

Da die Vor­aus­set­zun­gen des § 574 Abs. 1 ZPO im vor­lie­gen­den Fall nicht erfüllt waren, konn­te es für den Bun­des­ge­richts­hof dahin­ste­hen, ob die unstatt­haf­te sofor­ti­ge Beschwer­de gege­ben­falls als Rechts­be­schwer­de aus­zu­le­gen oder in eine sol­che umzu­deu­ten wäre.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Okto­ber 2018 – III ZB 71/​18

  1. Bestä­ti­gung und Fort­füh­rung des BGH, Beschlus­ses vom 27.06.2012 – III ZB 45/​12, NJW 2012, 2449[]
  2. vgl. OLG Nürn­berg, MDR 2004, 231[]
  3. dies über­sieht Lorenz, Die Dog­ma­tik des Ent­schä­di­gungs­an­spruchs aus § 198 GVG, S. 265[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 27.06.2012 – III ZB 45/​12, NJW 2012, 2449 Rn. 4 und Urteil vom 08.10.2015 – III ZR (Ü) 1/​15, WM 2016, 530 Rn. 8 jeweils zu § 127 Abs. 2 Satz 2 ZPO bei Ver­sa­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe im Ent­schä­di­gungs­pro­zess; Zöller/​Heßler, ZPO, 32. Aufl., § 567 Rn. 38 mwN[]