Das erst­in­stanz­li­che Par­tei­vor­brin­gen im Beru­fungs­ver­fah­ren

Nach § 529 Abs. 1 Nr. 1 ZPO gelangt mit der zuläs­si­gen Beru­fung der gesam­te aus den Akten ersicht­li­che Pro­zess­stoff des ers­ten Rechts­zugs in die Beru­fungs­in­stanz.

Das erst­in­stanz­li­che Par­tei­vor­brin­gen im Beru­fungs­ver­fah­ren

Das gilt auch dann, wenn ihn das erst­in­stanz­li­che Gericht als uner­heb­lich ange­se­hen und es daher kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen hat [1].

Das Beru­fungs­ge­richt hat des­halb auch schrift­sätz­lich ange­kün­dig­tes, ent­schei­dungs­er­heb­li­ches Par­tei­vor­brin­gen zu berück­sich­ti­gen, das von dem erst­in­stanz­li­chen Gericht für uner­heb­lich erach­tet wor­den ist, selbst wenn es im Urteils­tat­be­stand des Erst­ge­richts kei­ne Erwäh­nung gefun­den hat [2].

Etwas ande­res gilt nur dann, wenn eine Par­tei den im ers­ten Rechts­zug gehal­te­nen Vor­trag in der Beru­fung nicht wei­ter­ver­folgt, also "fal­len lässt".

Dies kann aus­drück­lich, aber auch kon­klu­dent erfol­gen. Inso­weit ist zu beach­ten, dass ein Ver­zicht auf Rech­te im All­ge­mei­nen nicht zu ver­mu­ten ist, so dass deren Auf­ga­be nur unter stren­gen Vor­aus­set­zun­gen, näm­lich bei einem dahin­ge­hen­den unzwei­deu­ti­gen Ver­hal­ten oder sonst ein­deu­ti­gen Anhalts­punk­ten ange­nom­men wer­den kann.

Das gilt in glei­cher Wei­se für pro­zes­sua­les Vor­brin­gen, bei dem hin­zu­kommt, dass etwai­ge Zwei­fel über sei­nen Fort­be­stand eine Auf­klä­rung nach § 139 Abs. 1 ZPO gebie­ten [3].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 22. Janu­ar 2020 – 7 AZR 222/​19

  1. st. Rspr., vgl. BGH 13.01.2012 – V ZR 183/​10, Rn. 11 mwN; 13.04.2011 – XII ZR 110/​09, Rn. 35, BGHZ 189, 182[]
  2. st. Rspr., vgl. BAG 18.09.2019 – 5 AZR 240/​18, Rn. 27; BGH 13.01.2012 – V ZR 183/​10, Rn. 11 mwN; 13.04.2011 – XII ZR 110/​09, Rn. 35, aaO[]
  3. BAG 18.09.2019 – 5 AZR 240/​18, Rn. 27; BGH 14.11.2017 – VIII ZR 101/​17, Rn. 17[]