Das erst­in­stanz­li­che Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten – und die Bin­dung des Berufungsgerichts

Das Beru­fungs­ge­richt darf sich gemäß § 529 Abs. 1 Nr. 1 ZPO an die auf Grund­la­ge des gericht­li­chen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens getrof­fe­nen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts gebun­den sehen.

Das erst­in­stanz­li­che Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten – und die Bin­dung des Berufungsgerichts

Nach die­ser Vor­schrift hat das Beru­fungs­ge­richt sei­ner Ver­hand­lung und Ent­schei­dung die vom Gericht des ers­ten Rechts­zugs fest­ge­stell­ten Tat­sa­chen zu Grun­de zu legen, soweit nicht kon­kre­te Anhalts­punk­te Zwei­fel an der Rich­tig­keit oder Voll­stän­dig­keit der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fest­stel­lun­gen begrün­den und des­halb eine erneu­te Fest­stel­lung gebieten.

Kon­kre­te Anhalts­punk­te, die die Bin­dung des Beru­fungs­ge­richts an die erst­in­stanz­li­chen Fest­stel­lun­gen ent­fal­len las­sen, kön­nen sich ins­be­son­de­re aus Ver­fah­rens­feh­lern erge­ben, die dem Ein­gangs­ge­richt bei der Fest­stel­lung des Sach­ver­halts unter­lau­fen sind1.

Wur­den Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen auf der Grund­la­ge eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens getrof­fen, kann auch die Unvoll­stän­dig­keit des Gut­ach­tens Zwei­fel an der Rich­tig­keit und Voll­stän­dig­keit der Fest­stel­lun­gen wecken2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Sep­tem­ber 2020 – IV ZR 88/​19

  1. BGH, Urtei­le vom 21.06.2016 – VI ZR 403/​14, NJW-RR 2017, 219 Rn. 10; vom 03.06.2014 – VI ZR 394/​13, VersR 2014, 1018 Rn. 10; vom 12.03.2004 – V ZR 257/​03, BGHZ 158, 269 8]; Beschluss vom 02.07.2013 – VI ZR 110/​13, VersR 2014, 261 Rn. 7[]
  2. BGH, Urtei­le vom 18.10.2005 – VI ZR 270/​04, BGHZ 164, 330 9]; vom 08.06.2004 – VI ZR 230/​03, BGHZ 159, 254 16]; vom 08.06.2004 – VI ZR 199/​03, BGHZ 159, 245 13]; Beschluss vom 10.05.2005 – VI ZR 245/​04, VersR 2005, 1555 5][]

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